Es roch nach Gummimilch

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Lederarbeiten wie die von Norbert Anton gezeigte Spardvorrichtung waren typisch für die Eppertshäuser Feintäschner.

Eppertshausen - Was heute kaum noch einer weiß, aber nicht in Vergessenheit geraten soll, hat sich Norbert Anton aus Eppertshausen zur Herzensangelegenheit gemacht. Von Jasmin Frank

„Viele Menschen wissen nicht allzu viel über die Geschichte des Ortes in dem sie leben, das soll hier nicht genauso sein. Und weil das Feintäschner -Handwerk für Eppertshausen von besonderer Bedeutung war, habe ich es mir zum Thema gemacht“, erläutert der vielseitig interessierte Bürger.

Er hat gemeinsam mit etlichen Gleichgesinnten nicht nur eine interessante Ausstellung im Rathaus auf die Beine gestellt, sondern auch mit Unterstützung der Stiftung des Odenwaldklubs Eppertshausen ein informatives Buch über den heute kaum noch bekannten Beruf zusammengestellt.

„Ich habe es meiner Mutter Eva Margareta Anton gewidmet, denn sie hat mir von klein auf die Liebe zur Heimatgeschichte vermittelt“, erzählt der Autor bei der Eröffnung der kleinen Schau und der Präsentation des Buches. Während die alte Dame voller Stolz auf ihren Sohn blickt, wird dieser auch von Bürgermeister Carsten Helfmann gelobt, der wie viele andere Eppertshäuser noch gute Erinnerungen an die so genannten „Portefeuiller und Babbscher“ hat. „Auch meine Großmutter hat gemeinsam mit meiner Urgroßmutter Kleinlederwaren gefertigt und ich habe als kleiner Junge oft in der Werkstatt zugeschaut. Überhaupt roch es überall in Eppertshausen nach Gummimilch, dem Klebstoff der Handwerker“, berichtet er.

Auch in Münster war das Feintäschner-Handwerk weit verbreitet

An die 700 Menschen in dem kleinen Ort waren während der Blütezeit der Feintäschnerei in den fünfziger und sechziger Jahren in diesem Erwerbszweig tätig, zumeist wurden hochwertige Produkte wie edle Portemonnaies für anspruchsvolle Kunden bedeutender Markenhersteller gefertigt.

Auch Willi und Ursula Waldmann, haben in jungen Jahren eine Feintäschnerwerkstatt betrieben, in der wie überall sonst auch, die komplette Familie eingebunden war.

„Solche Brieftaschen aus diesem edlen Safianleder haben wir auch gemacht“, sagt das Paar stolz und weist auf die Vitrine, in der das hochwertige, fein geprägte und glänzend schimmernde Prachtstück liegt. Auch in der Nachbarkommune Münster war das Handwerk weit verbreitet, doch dort wurden eher größere Werkstücke wie Koffer und Taschen angefertigt.

Nächstes Buch über die Kerb in Eppertshausen

Klaus Löbig, dessen Vater einen Lederwarenbetrieb hatte, fand nach dessen Tod die kompletten Werkzeuge noch gut erhalten vor. „Ich habe sie erst einmal in eine Kiste gepackt und im Keller verstaut, doch dann kam Norbert und bat mich, sie für diese Ausstellung zur Verfügung zu stellen, was ich natürlich gerne gemacht habe.“

So kann in den drei Vitrinen so einiges der Handwerkskunst bewundert werden. Doch genaue Auskunft über die Geschichte des Berufzweiges gibt das ausführliche, aber gut zu lesende Werk Antons, das zudem mit zahlreichen Bildern aufwartet, auf denen sogar Papst Johannes Paul II. mit einer Eppertshäuser Mustertasche zu sehen ist.

Das lesenswerte Buch von Anton kann ab sofort im Rathaus, bei der örtlichen Volksbank und beim Geschäftshaus Sperl für acht Euro erworben werden.

Derweil hat Norbert Anton schon ein weiteres Ziel vor Augen: Sein nächster historischer Überblick wird sich der Eppertshäuser Kerb widmen und wer dazu noch Material hat, kann sich gerne an ihn wenden.

Quelle: op-online.de

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