Rummelplatz kommt nie aus Mode

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Beim Frühlingsfest in Eppertshausen hatte am Samstagnachmittag die kleine Finja das Karussell für sich alleine.

Eppertshausen - „Was für ein Wetter, da fehlen einem wirklich die Worte. “ Der Gesichtsausdruck von Helmut Fendt spricht Bände, als er am Samstagnachmittag die seitliche Plane des Festzeltes zurecht zieht. Von Michael Just

In dem kleinen Aufbau, der Platz für ein paar Dutzend Personen bietet, sitzt keine einzige Seele. Reichlich Nass von oben haben das Frühlingsfest unweit der Bürgerhalle, das als kleine Kirmes daherkommt, in eine menschenleere Veranstaltung verwandelt.

„Am Freitag habe ich ganze fünf Bier verkauft. Die Aushilfe für gestern und heute musste ich abbestellen“, erzählt der Mann aus Babenhausen, der mit seinem gleichnamigen Vergnügungsbetrieb in der gesamten Region bekannt ist. Für das viertägige Fest hat der 57-jährige ein Kinder-Karussell, eine Schiffschaukel, eine Schießbude, einen Süßwarenstand sowie einen Greifer aufgebaut. Aus dem Kollegenkreis kamen aus Groß-Umstadt ein Autoscooter, ein Enten-Angeln aus Hanau, ein Crepes-Stand aus Rodgau und ein Imbiss aus Marburg hinzu. „Wir sind auch an der Kerb hier. Da haben wir gedacht, wir machen das Frühlingsfest gleich mit“, berichtet Fendt.

Zum fünften Mal läuft die Veranstaltung nun unter seiner Regie. Wie er erklärt, ist das Fest keine neue Idee. Es sei schon vorher dagewesen und man habe es mehr oder weniger vom Vorgänger übernommen. Mit dem Regen und dem Kältesturz hatten die Beschicker auf dem Wilhem-Körner-Platz keine guten Karten. Wäre es denn bei schönem Wetter soviel besser? „Ja!“, sagt Fendt und zerstreut damit die vorsichtige Vermutung, dass Rummelplätze nicht mehr in die heutige Zeit passen oder sich nur mit einem anderen Zugpferd kombinieren lassen. Sobald die Sonne da ist, kommen seiner Erfahrung nach die Leute. Damit meint er vor allem Familien und Jugendliche, die sein Hauptpublikum ausmachen. Beim Autoscooter stünden immer Heranwachsende, die neben dem Fahren ein bisschen Musik hören wollen. Und das Karussell sei bei Familien mit Kindern nicht wegzudenken. „Die Familien sind das wichtigste Publikum auf einem Festplatz. Da wird mal geschaukelt und geschossen, der Papa trinkt ein Bier und dann werden noch ein paar Süßigkeiten mit nach Hause genommen“, erzählt der Experte.

Dass ein Karussell immer im doppelten Sinne läuft, bestätigt Sabine Blickhan (47). Mit Enkelin Finja (4) geht’s am Samstagnachmittag gut beschirmt und schnurstracks auf das Fahrgeschäft zu. „Mit den Kleinen muss man ja bei jedem Wetter was machen. Und wenn sowas im Ort aufgebaut ist, gehen wir auch hin“, sagt Blickhan. Als Finja ein paar Runden gedreht hat, steht wieder der Rückweg an. „Morgen kommen wir wieder zum Karussell-Fahren. Dann bringen wir auch die Mama mit. Die arbeitet nämlich heute“, sagt die Großmutter stellvertretend für die Enkelin, die sich mit großen Augen umschaut.

Die Worte der Eppertshäuserin zaubern Fendt jenes Lächeln ins Gesicht, das ihm Petrus zuvor genommen hat. Laut dem Babenhäuser sei das Schaustellergewerbe fast zu Frühlingsfesten gezwungen. „Wir können nicht nur von den Kerb-Veranstaltungen im Herbst leben“, sagt er. Die laufenden Kosten würden schließlich weitergehen und die Wintermonate brächten ohnehin keine Einnahmen. Frühlingsfeste seien im Prinzip der Start in die Saison, die dann bis zu den Weihnachtsmärkten geht. Mit Eppertshausen hat Fendt in Groß-Zimmern und Münster noch zwei Gemeinden, in denen er hauptverantwortlich ein Frühlingsfest ausrichtet.

„Wir wären schon froh, wenns am Sonntag nur nicht regnen würde“, sagt Fendt. Sein Wunsch wurde bedingt erhört, da der Himmel seine Schleusen zunehmend geschlossen hielt. Kalt und ungemütlich wars trotzdem, so dass das Frühlingsfest in Eppertshausen nicht zum erhofften Magneten wurde. Die Worte von Helmut Fendt bleiben in Erinnerung: „Rummelplätze werden nie aus der Mode sein. Aber alles steht und fällt mit dem Wetter.“

Quelle: op-online.de

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