Ein Saalbau für St. Sebastian

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Die beiden Gebäude der Kindertagesstätte St. Sebastian sollen nun doch zusammen wachsen: Bis zur Eröffnung im Mai soll der Verbindungsgang stehen.

Eppertshausen ‐ Sie haben es schon wieder getan: Eppertshausens Parlamentarier haben sich in eine Sackgasse manövriert. Nach dem abgelehnten Nachtragshaushalt war es diesmal der Haupt- und Finanzausschuss. Von Jenny Westphal

Über einen zwölf Meter langen Gang stolperten die Gemeindevertreter. Immerhin machten sie sich nach der ergebnislosen Abstimmung daran, einen mehrheitsfähigen Kompromiss zu finden, den sie in die Fraktionen tragen und am morgigen Freitag in der Gemeindevertretung zur Abstimmung bringen wollen. Ein wenig drängt die Zeit: Im Mai soll das Nebengebäude der katholischen Kindertagesstätte eröffnen. Der zwölf Meter lange und zwei Meter breite Gang soll Haupthaus und Nebengebäude von St. Sebastian verbinden.

Bundeszuschuss nur in Verbindung mit Neubau

Nach dem ursprünglichen Plan sollten dort eine weitere Kita- und eine Hortgruppe Unterschlupf finden. 150.000 Euro Bundeszuschüsse erhält die Gemeinde jedoch nur, wenn die neu geschaffenen Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige einher gehen mit dem Neubau. Also wurden die Räume neu verteilt. Der Vorzug eines allein stehenden Nebengebäudes, in das problemlos auch ein anderer Träger hätte einziehen können, geriet zum Bumerang. Die Kita äußerte den Wunsch, ein geschlossener Gang möge dann die beiden Gebäude verbinden.

Ohne schützende Wände müssten sich die Krippenkinder, wenn sie eigentlich nur den Raum wechseln wollten, gegen die manchmal garstigen Naturelemente wappnen: Das heißt, jedes Mal Schuhe an, Jacke an und Mütze auf. Eine aufwendige Prozedur, gerade bei Zweijährigen und erst recht bei 18 Monate alten Kleinkindern. Denn diese sollen zukünftig ebenfalls in der Kita betreut werden. Die Überlegung, dass statt des verbindenden Ganges in jedem Gebäude allein vor sich hingespielt wird, stand nicht zur Debatte. „Das passt nicht ins Konzept“, erläuterte Kita-Leiterin Gerlinde Ries-Schemainda. Die Kinder sollen sich frei bewegen können.

Entwurf entsteht während der Sitzung

Die Gemeindevertretung folgte dem Wunsch, delegierte die Entscheidung über den Laubengang an den Haupt- und Finanzausschuss zur endgültigen Beschlussfassung: Das Gremium sollte über das Aussehen und Ausmaße des Laubenganges entscheiden. So stand der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend vor der Entscheidung, zum 400.000 Euro teuren Neubau noch einen Gang für rund 70.000 Euro zu bewilligen. Das geht natürlich nicht, ohne eine Vorstellung davon, wie der Laubengang aussehen und wie viel er die Gemeinde kostet wird. Drei Varianten ließen die Gemeindevertreter von der Verwaltung ausrechnen. Variante eins sah einen durch bodentiefe Fenster lichtdurchfluteten Gang vor. Kostenpunkt: 78 000 Euro.

Variante zwei ging von bodentiefen Fenstern auf der einen Seite und massivem Mauerwerk auf der anderen Seite aus. 70.600 Euro würde dies kosten. Die dritte Variante mit 1,50 Meter hohem Mauerwerk und Fensterfront darüber kalkulierte der Architekt mit 68.000 Euro. Die Deluxe-Version mit Bodenheizung war bereits verworfen worden, ebenso die einfache Variante aus Sandwich-Paneelen. Das hätte zwar nur 38 000 Euro gekostet, aber auch dem Schimmelbefall Tür und Tor geöffnet. Also entschieden sich die Gemeindevertreter für einen massiven Bau.

Der kurzerhand in der Sitzung entstandene Entwurf vermischt Variante eins und zwei nach dem Zebra-Prinzip: Mauer und Fenster wechseln sich ab. Die Anregung zur der Streifen-Kombination hatte Friedhelm Saal, Leiter der Abteilung Finanzen gegeben. Was dann Pfarrer Harald Christian Röper auch gleich zum passenden Namen brachte: „Saalbau“ könnte der Laubengang getauft werden, scherzte der Geistliche.

Quelle: op-online.de

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