Eppertshausen

Mit Säge und Schere Obstbäumen helfen

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„Pro Baum können zwei bis drei Stunden Arbeit anfallen“, meint Gruber.

Wenn Thomas Gruber zu einem seiner Schützlinge auf die kleine Leiter steigt, macht sich ein entspanntes Lächeln auf seinem Gesicht breit. Er setzt die Säge an, die Späne fliegen.

Eppertshausen (ak) - „Wer schon mal versucht hat, so ein junges Bäumchen hochzupäppeln, der weiß, dass es eine gute Idee ist, sich um die schon älteren Bäume zu kümmern“, erzählt er mit Blick Richtung Astgabel.

An diesem nasskalten Tag kümmert sich der ehemalige Chef der Eppertshäuser Thomashütte einen Nachmittag lang um die Obstbäume der Eulers westlich der B 45. Schafe mit ihren Lämmern blöken im Stall, ein Truthahnpärchen beäugt die Eindringlinge neugierig. „Es gibt viel zu wenige Obstbäume in Hessen“, sagt der 51-Jährige. Zum Glück müssen neuerdings als Ausgleich für größere Bauprojekte Bäume gepflanzt werden. „Gerade Streuobstbäume sind nicht nur schön anzusehen, sie sind auch für die Natur sehr wertvoll“, erläutert der Fachmann. Vögel, Bienen und Insekten leben zwischen den Ästen, Blüten und Zweigen. „Hierzulande werden meistens Apfelbäume gepflanzt, aber auch Birnen kommen vor“, erläutert Thomas Gruber. Lecker sei beides – sowohl als Most, als auch die Früchte selbst.

Mit den 30 Bäumen auf dem Grundstück der Eulers wird er einige Nachmittage verbringen. „Pro Baum können zwei bis drei Stunden Arbeit anfallen“, meint Gruber. Trotzdem hofft er, dass sich künftig mehr Leute als früher den ordentlichen Schnitt ihrer Bäume leisten – sowohl für Ertrag als auch für Gesundheit der Bäume: „Wenn sie nicht oder falsch geschnitten werden, vergreisen sie“, erläutert Gruber. „Am meisten Blüten sitzen an zwei bis drei Jahre alten Ästen, altes Holz ist praktisch leer.“

Er wünscht sich, dass sich mehr Grundstücks- und Baumbesitzer für den richtigen Schnitt sowie Sinn und Zweck dieser Arbeit interessieren. „Vielen würde ein Kurs zu diesem Thema gut tun“, meint Gruber. Bereits vor 30 Jahren hat er sich bei einem Lehrgang zum Baumwart schulen lassen.

Noch hält sich die Nachfrage in Grenzen – viele Stunden Arbeit haben ihren Preis. Doch würde sich das durch mehr Streuobstwiesen freilich ändern. „Derzeit sind es im Wesentlichen Privatleute, die anrufen“, erläutert der Eppertshäuser. Die Reichweite seines Angebots im Rahmen der Naturschutz-Akademie Hessen in Wetzlar ist beachtlich: „Letzte Woche war ich bei Gießen, zuletzt gab es am Feldberg im Taunus Bäume zu schneiden“, berichtet Thomas Gruber.

Viele Jahre hat er sich als Besitzer der Thomashütte im Wald westlich von Eppertshausen um Gastronomie, Tiere und Pflanzen gekümmert – 300 Jahre lang hatte Familie Gruber den idyllisch gelegenen Hof geführt. Auch nach der Insolvenz und dem Kauf durch den Frankfurter Apfelweinkelterer Possmann hat er auf dem Gut gearbeitet. Keine Lösung auf Dauer: Mittlerweile hat er wieder die Leitung eines Restaurants übernommen, in Groß-Umstadt führt er das „Medikus“. Zeit für die Arbeit in der Natur rund um Eppertshausen nimmt sich der 51-Jährige natürlich trotzdem.

Quelle: op-online.de

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