Thomashütte: Besucherstrom versiegt

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Menschenleer trotz schönen Herbstwetters: Der Gutshof Thomashütte leidet unter der Sanierung der K 180 seit vielen Wochen an akutem Besucherschwund.

Eppertshausen - „Das Ende der Langzeit-Buckelpiste K 180 ist besiegelt“ war am 26. Juli an dieser Stelle zu lesen. Von Thomas Meier

Damals ahnte freilich noch niemand, dass die herbeigesehnte Komplettsanierung der seit Jahren völlig desolaten Kreisstraße zwischen Eppertshausen und Messel auch das Ende eines drei Jahrhunderte alten Ausflugszieles bedeuten könnte: der Thomashütte. Der Besucherschwund ist eklatant, der Gutshof in seiner Existenz bedroht. Obwohl geöffnet und mit Personal gut ausgestattet, bleiben derzeit die Gäste aus.

Am Freitag hatte sich über den gesamten Tag gerade mal ein Gast in der Wirtschaft am Waldesrand eingefunden. Er brachte eine Rechnung und verzehrte dabei ein Getränk für drei Euro. Trauriger Höhepunkt einer erschreckenden Bilanz.

Baumaßnahmen und Einbußen

Von Messel her kommend ist die freie Zufahrt zur Thomashütte zwar gut ausgeschildert, doch wenige folgen ihr. Die K 180 ist noch immer eine Sackgasse.

„Wir wussten, dass wir über die Baumaßnahmen Einbußen verzeichnen würden, doch das ahnte niemand,“ sagt Roswitha Weber, deren Sohn seit einem Jahr den altehrwürdigen Gutshof vom Besitzer, einer Großkelterei, gepachtet hat. Das alteingesessene Familienunternehmen hatte gerade stürmische Zeiten hinter sich gebracht, Webers aus Münster traten mit an, das Traditionslokal mit riesigen Biergarten zu erhalten.

Und am Anfang der Baumaßnahme, die vom zuständigen Amt, Hessen Mobil, Straßen- und Verkehrsmanagement, von August bis Mitte November veranschlagt wurde, lief der Betrieb auch noch einigermaßen. „Wir hatten ein Drittel bis zur Hälfte weniger an Gästen,“ sagt Weber. In der ersten Bauphase wurde die Kreisstraße 180, an der die Thomashütte liegt, von Messel bis zum Ausflugslokal gesperrt. Von Eppertshausen her war die Zufahrt möglich, aus Richtung Darmstadt kommend nahmen Besucher den Umweg über Urberach in Kauf. Auch viele Langener Freunde des Lokals mit angegliedertem Streichelzoo nebst Esel, Schaf, Ziege, Henne und Hahn, mit Kinderspielplatz und Stroh-Hüpfburg fanden den Weg noch.

Kreisstraße bis Gutshof gesperrt

Doch seit 4. Oktober veränderte sich die Situation zum noch viel Schlimmeren. Seit diesem Zeitpunkt ist die Kreisstraße von Eppertshausen aus bis zum Gutshof gesperrt. Doch von Richtung Messel aus verirrt sich trotz guter Ausschilderung kaum mehr jemand ins gut fünfeinhalb Kilometer abgelegene Ausflugslokal. Und von Richtung Urberach her sei, so Webers, die Ausschilderung zum geöffneten und per Auto erreichbaren Lokal „immer noch sehr mangelhaft“.

Bis zu dieser Ausschilderung an der Abfahrt zur Thomashütte verirrt sich derzeit kaum jemand auf der K 180, obwohl sie von Messel aus befahrbar ist.

Zwei Köche und eine Servicekraft plus die Familienangehörigen stehen Gewehr bei Fuß, doch die Besucher bleiben aus. „Unsere Hilfskräfte habe ich weitgehend schon abgemeldet“, sagt Roswitha Weber.

Sie bedauert die unerwartete Entwicklung sehr, habe man doch am angekratzten Image des Gutshofes „hart und voller Euphorie“ gearbeitet. Und bereits Terrain gewonnen, denn die Hütte brummte zeitweilig auch wieder. Zwar waren, wohl auch wegen der Verkehrsirritationen, schon zum Kelterfest am letzten Wochenende im September etwas weniger Gäste gekommen als erwartet, doch war man noch sehr zufrieden. Dann allerdings folgte der Totaleinbruch.

Jetzt regiert das Prinzip Hoffnung

Jetzt regiert das Prinzip Hoffnung. Hoffen darauf, dass wirklich ab 17. November die Straße wieder beidseitig aufgemacht wird. Hoffen, dass bis dahin die Thomashütte nicht ganz aus dem Gedächtnis der Gäste gekommen ist. Hoffen auf zahlreiches Publikum zu den geplanten Adventsaktionen.

Letztere übrigens werden vom 2. bis 4. Adventswochenende wieder mit der traditionellen Lebend-Krippe mit Ochs und Esel aufwarten, ein Anziehungsmagnet nicht nur für die Kinder. Doch auch bis dahin gilt: Der Gutshof Thomashütte hat von Mittwoch bis Sonntag täglich ab 11 Uhr durchgehend warme Küche. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

Quelle: op-online.de

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