Mit Schlappen ins Cockpit

Eppertshausen/Münster - Das Flugzeug gilt als schnell und komfortabel, auch bei der Urlaubsreise. Doch neben der Wirtschaftskrise, die dieses Jahr den einen oder anderen vom Fliegen abhält, sind vielen Menschen noch die Bilder der Flugzeugabstürze im Gedächtnis – beim jüngsten im Iran sind wohl alle 168 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Offenbach-Post-Mitarbeiter Michael Just hat sich unter Münsterern und Eppertshäusern nach ihren Fluggewohnheiten erkundigt.

Jürgen Kiefer

Jürgen Kiefer (46), kaufmännischer Angestellter: „Man reagiert natürlich auf die Flugzeugunglücke bestürzt, aber Flugangst habe ich deswegen nicht. Wenn ein Absturz vorkommt, ist das sehr dramatisch und die Sache suggeriert jedesmal, dass schon wieder etwas mit einem Flugzeug passiert ist. Trotzdem ist das Flugzeug für mich ein sicheres Beförderungsmittel. Da ich dieses Jahr mit dem Auto in den Urlaub fahre, müsste ich mir eher hier Gedanken machen, denn auf der Straße passiert viel mehr.

Alexandra Kern

Alexandra Kern (34), Krankenpflegerhelferin: „Meine Urlaubsplanungen werden nicht beeinflusst, weil ich ohnehin nicht fliege. Ich habe Höhenangst und brauche immer festen Boden unter den Füßen. Erst kürzlich auf dem Turm der Burg Breuberg hatte ich wieder ein mulmiges Gefühl, wo ich meiner Tochter zuliebe hochgegangen bin. Früher bin ich ab und an mit Widerwillen geflogen und es war für mich der Horror. Jetzt als Alleinerziehende sind große Flugreisen ohnehin nicht mehr drin.

Jörg Schäfer

Jörg Schäfer (37), Verlagsangestellter: „Beim Abheben oder in Turbulenzen hinterlässt Fliegen bei mir immer ein mulmiges Gefühl. Dann trifft der Spruch zu, dass es in der Luft keine Atheisten gibt. Insgesamt habe ich aber keine Flugangst und ein Absturz hält mich nicht vom Fliegen ab. In die Schwarze Liste der von der EU geächteten Fluglinien habe ich noch nicht geschaut, weil ich meistens innerhalb von Europa fliege. Da gehe ich davon aus, dass die Flugzeuge sicher sind. Auch war ich bisher nur mit Airlines unterwegs, die mir namentlich bekannt waren.

Frank Ulrich Lenz

Frank Ulrich Lenz (53), Diplom-Sozialarbeiter: „Ich habe keine Flugangst. Früher war ich mal mit einer Reisebürokauffrau zusammen und da sind wir viel gereist. Bisher waren meine Flüge immer ruhig. Selbst zuletzt mit der Aeroflot nach Russland habe ich keinen Unterschied bei der Sicherheit festgestellt. Bei Inlandsflügen in Indonesien oder Neuseeland bin ich aber auch schon anders geflogen. Einmal haben wir einen Rundflug über einen Campingplatz in einem uralten Kleinflugzeug gemacht, wo der Pilot in Badeschlappen ankam. Davon abgesehen habe ich das Flugzeug immer als sicheres Verkehrsmittel erlebt. Bei größeren Maschinen und Airlines, von denen ich noch nie etwas gehört habe, bin ich aber mittlerweile eher skeptisch. Bisher gab es aber noch nie die Gelegenheit oder die Versuchung, mit so einer Linie zu fliegen.

Ismail Özdemir (38), Elektromechaniker: „Ich fliege ein paar Mal im Jahr in die Türkei, und trotzdem ist es immer wieder ein blödes Gefühl, der Technik, den Naturgewalten oder einer anderen Person, in diesem Fall dem Kapitän, ausgeliefert zu sein. Im eigenen Auto hat man mit einer vorsichtigen Fahrweise doch mehr Kontrolle in der Hand. Auch wenn ich sonst beim Motorradfahren oder beim Sport nie ängstlich bin, habe ich vorm Fliegen Respekt. So fliege ich immer nur dann, wenn es wirklich sein muss und nie aus Spaß. Kürzere Strecken würde ich nur mit dem Auto fahren.

Nadine Hausberger

Nadine Hausberger (28), Reisebüroinhaberin: „Dass aufgrund der jüngsten Abstürze weniger Leute mit dem Flugzeug verreisen, haben wir bei uns nicht festgestellt. Nachgefragt wird aber verstärkt, welche Airline eine Pauschalreise durchführt. So wollen viele nicht mit einer unbekannten Fluggesellschaft fliegen, weshalb gerade bei Reisen nach Ägypten oder in die Türkei Airlines aus diesen Ländern ungewünscht sind. Die deutschen Charterlinien laufen wie eh und je. Natürlich leidet die Air France derzeit besonders. Wenn jemand nach Paris will und die Wahl zwischen Air France und Lufthansa hat, nehmen die meisten die Lufthansa.

Quelle: op-online.de

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