Erste Abstands-Flohmarkt in Eppertshausen

132 Teilnehmer an mehr als 100 Standorten im ganzen Ort

Einen irgendwie zur Zeit passenden Schirm hatte dieser Teilnehmer in der Eppertshäuser Hauptstraße über seinem Stand aufgespannt.
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Einen irgendwie zur Zeit passenden Schirm hatte dieser Teilnehmer in der Eppertshäuser Hauptstraße über seinem Stand aufgespannt.

Disziplinierte Kunden, Geld für den guten Zweck und der Wunsch nach Wiederholung – der erste Abstands-Flohmarkt in Eppertshausen war ein voller Erfolg.

Eppertshausen – Ende August initiierte Bernd Schneider in Dieburg den „mit Abstand größten Flohmarkt“, an dem sich über die gesamte Stadt hinweg mehr als 200 Haushalte mit Ständen in ihren Höfen oder vor ihren Häusern beteiligten. Coronakonform und im Nachgang hochgelobt, fragten alsbald Interessierte aus anderen Kommunen beim Dieburger nach. Der verriet, wie es geht, auch gegenüber Stefanie Schultheiß: Sie ist Elternbeirats-Vorsitzende in der Kita St. Sebastian, dort zugleich im Vorstand des Fördervereins. Weil der Kita im Januar die Faschingsbörse in der Bürgerhalle und damit eine Einnahmequelle flöten geht, holte sie mit vier weiteren Organisatoren – Michael Neubecker, Nadine Kittelmann, Veronique Braun und Sonia Reimers – den Abstands-Flohmarkt nach Eppertshausen. 132 Teilnehmer an mehr als 100 Standorten im ganzen Ort beteiligten sich am Sonntag.

„Schon früh waren die Ersten da“, freute sich Schultheiß, die in ihrem Hof in der Hauptstraße selbst mit einem Stand dabei war, über den guten und frühen Zuspruch. Fast verfrühten Zuspruch, könnte man ergänzen: Die offizielle Zeit des „Abstandsprojekts Hofflohmarkt“ war schließlich für 10 bis 15 Uhr festgelegt worden. Einige Schnäppchenjäger konnten es aber kaum erwarten und nahmen dafür teils weiter Anfahrten in Kauf: „Ich hatte vorher Anrufe aus Neuwied und Wiesbaden“, berichtete Schultheiß – just in dem Moment, als sich vor dem Hoftor ein Auto mit Friedberger Kennzeichen auf Parkplatz-Suche begab.

Adressliste als Kompass für den Flohmarkt-Spaziergang

Das Angebot von Haushaltswaren über Kinder- und Babykleidung, Deko-Artikel, Bücher, Spielsachen, Kinderfahrzeuge, Damen– und Herrenkleidung bis hin zu Elektronik war dabei ebenso breit gestreut wie die Stände im Ortsgebiet. Allein entlang der zugegeben sehr langen Nieder-Röder Straße waren ein Dutzend Haushalte mit von der Partie. „Aber auch in der Schulstraße oder der Brückenstraße war viel los“, so Schultheiß. Sogar das Wohngebiet „Im Failisch“ stand auf der Adressenliste.

Verkäufer und Käufer trugen in den Höfen durchweg Masken.

Die konnte man sich vor Ort teils ausgedruckt schnappen und als Kompass für einen ausgedehnten Flohmarkt-Spaziergang nutzen. Sinn des Ganzen: Menschenansammlungen vermeiden, durch die weiten Wege den Besucherstrom entzerren - und so ohne größeres Infektionsrisiko etwas für Käufer, Verkäufer und diverse finanzielle Nutznießer bieten. Denn den Erlös aus Standgebühren und Spenden erhalten zu je einem Viertel die Kita St. Sebastian („Die Faschingsbörse fällt aus, da kommen 1 000 Leute, dafür kriegen wir kein Konzept hin“), die Bücherei in der Schulstraße, die Tierauffangstation in der Hauptstraße sowie das Jugendzentrum. Allein übers Standgeld, wo viele den Mindestbetrag von sechs Euro freiwillig aufstockten, kamen am Sonntag 1 700 Euro zusammen. „Wahrscheinlich gehen wir auf die 3 000 Euro zu“, blickte Schultheiß voraus. Denn die aufgestellten Spendendosen waren zu dieser Zeit noch nicht geleert, „und der Babykorb in der Schulstraße hat mitgeteilt, dass er seine Einnahmen spenden will“.

Das Konzept für den Abstands-Flohmarkt hatte sich das Organisationsteam von der Gemeinde Eppertshausen genehmigen lassen. Es sah in den Höfen für Verkäufer wie Kunden – auch für die vielen Kinder, die unterwegs waren – eine strikte Maskenpflicht vor, zudem standen überall Desinfektionsmittel bereit. Nur sehr selten habe sich ein Flohmarktgänger geweigert, den Mund-Nasen-Schutz aufzuziehen, berichtete Schultheiß: „Die Leute sind wirklich sehr diszipliniert.“

Was sich in Dieburg bereits gezeigt hatte, war übrigens auch am Sonntag in Eppertshausen wiederholt zu vernehmen: Selbst wenn das Corona-Virus in einiger Zeit so weit zurückgedrängt sein dürfte, dass staatlicherseits keine speziellen Vorkehrungen mehr verlangt werden, würden sich viele die Beibehaltung des Abstands-Flohmarkts wünschen. Schließlich bot der am Wochenende nicht nur die eine oder andere Entdeckung zum kleinen Preis, sondern auch nette Gespräche und Zerstreuung in einer an gesellschaftlichen Zusammenkünften recht armen Zeit. (Von Jens Dörr)

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