Schnell raus aus Senio-Verband

Eppertshausen - So schnell es geht möchte Bürgermeister Carsten Helfmann die Gemeinde aus der Pflegeorganisation Senio heraus haben: Zu hoch sind die finanziellen Belastungen, zu gering der Nutzen dieser Mitgliedschaft. Von Thomas Meier

Nachdem ihn die Gemeindevertretung beauftragt hat, den geordneten Rückzug anzutreten, vereinbarte Helfmann nun für Mitte November ein Gespräch beim Regierungspräsidenten. Er möchte juristisch abgeklärt haben, wie die Gemeinde aus ihrer Vertragspflicht herauskommen kann. Senio wehrt sich hiergegen.

Noch sind es acht Kommunen und der Landkreis, die das Gerüst der ortsübergreifenden öffentlichen Pflegeheim-Organisation Senio bilden. Doch gelingt es Eppertshausen, sich des Zweckverbandes zu entledigen, der über 230 Pflegebedürftige in vier Heimen betreut, könnte das eine Lawine auslösen.

Als wir 1999 in die Gersprenz gGmbH, die Vorgänger-Organisation der Senio, eintraten, zahlten wir 21 843 Euro Einlage. 2003 in den Senio-Zweckverband als Nachschuss noch einmal genau so viel“, rechnet Helfmann vor. Von 1999 bis zum heutigen Tage habe Eppertshausen über 316 000 Euro in die Pflegeheim-Organisation investiert. Diese Summe stehe in keinem Verhältnis zu den Leistungen oder gar zu den Versprechungen von einst.

20 000 Euro seien für Eppertshausen als jährlicher Beitrag einst ermittelt worden. „In diesem Jahr haben wir bereits 83 000 Euro zu zahlen, nächstes Jahr werden wohl 90 000 nicht ausreichen“, klagt Helfmann.

Diese Zuschüsse leistet die Gemeinde, aus der gerade einmal zwei Senioren in einem Senio-Heim (in Münster) untergebracht sind; von insgesamt 17 Eppertshäuser Senioren, die derzeit in Heimen leben und von denen die Verwaltung Kenntnis hat. „Für zwei heimuntergebrachte Senioren zahlen wir diese Unterstützung über die Umlage, für die anderen 15 keinen Cent“, weiß der Bürgermeister. Ein Riesenzuschussgeschäft für die Gemeinde.

Fest steht für den Verwaltungschef freilich auch, dass mit der Zuzahlung noch lange nicht Schluss ist. Selbst wenn der RP einem Austritt grünes Licht geben sollte, wird die Gemeinde Eppertshausen ihren Anteil an der Schuldentilgung von Senio (geschätzte sechs Millionen Euro) übernehmen müssen.

Aktuelle Zahlen von Senio lägen seiner Verwaltung nicht vor, so der Bürgermeister. Die letzte Abrechnung stamme von 2006. Eine Ablöse seiner Gemeinde komme sicherlich in den sechsstelligen Bereich, sagt Helfmann.

Quelle: op-online.de

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