Schneller Mauerwuchs

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Ein Jahr lang stand der Kran untätig neben der Stephan-Gruber-Schule in Eppertshausen, jetzt wachsen die Mauern der neuen Sprachheilschule des Landkreises unter seinem Ausleger in Windeseile in die Höhe.

Eppertshausen ‐ Hinter der alten Bürgerhalle herrscht seit Anfang der Woche rege Bautätigkeit. Auf einer Länge von über 50 Metern werden entlang der Waldstraße Mauern in Windeseile hochgezogen, die ehemalige Stellfläche der Stephan-Gruber-Schule wird bebaut. Von Thomas Meier

Über ein Jahr stand ein Kran einsam und allein im Hof der Stephan-Gruber-Schule, einmal herangekarrt worden, um den Neubau einer Hauptschul-Exklave zu realisieren. 110 ausgelagerte Hauptschüler, die eigentlich zur Gesamtschule ,,Auf der Aue“ im benachbarten Münster gehörten, teilten sich die Räumlichkeiten mit den über 200 Grundschülern Eppertshausens Im Niedernfeld. Viel zu eng, befanden alle Beteiligten. Doch auch andernorts im Ostkreis wurden zu enge schulische Verhältnisse beklagt. So entwarf Schuldezernent Christel Fleischmann im November vergangenen Jahres ein großes Umzugskarussell, für dessen Realisierung jetzt die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Hauptschüler werden nach vielfachem Wunsch der Aue-Schule und der betroffenen Eltern bald wieder in Münster angedockt. Dafür bekommt die Sprachheilschule Am Amorbach, die derzeit beengt in Klein-Umstadt gemeinsam mit der Wendelinus-Grundschule untergebracht ist und für die bereits ein Anbau in Planung war, die frei werdenden Kapazitäten in Eppertshausen zugeschustert. Und dies maßgeschneidert für die Arbeit in einer modernen Förderschule.

Der Umzug soll in den Sommerferien 2011 erfolgen

1,9 Millionen Euro lässt sich der Kreis den Neubau der Amorbachschule inklusive Einrichtung und Pausenhofgestaltung kosten, Mittel, die nicht aus dem Konjunkturprogramm des Bundes stammen, sondern schon zuvor für das wichtige Projekt bereitgestellt worden waren. Zudem nimmt der Schuldezernent Christel Fleischmann nochmals 750.000 Euro in die Hand, um in einem umzugestaltenden Altbautrakt der Gruber-Schule, in dem bislang die Verwaltung etabliert war, eine Mensa und eine Aula für beide Schulen zu installieren.

Im Frühjahr, so rechnet Martina Löffler, Büroleiterin Fleischmanns, ist der Neubau fertig gestellt und eingerichtet, doch soll der Umzug der Amorbach-Schule erst in den Sommerferien 2011 erfolgen: „Das ist alles ein Riesenaufwand. Die Stundenpläne für die beiden Schulen müssen aufeinander abgestimmt sein und der Umzug der Förderschule soll ohne Unterrichtsausfall stattfinden. Da ist viel logistische Vorarbeit vonnöten.“

„Jetzt aber geht es ratz-fatz“ 

Auf einer Grundfläche von 50,76 mal 12,8 Metern entsteht der zweistöckige Neubau nebst zurückgebautem Toilettenbereich für die Sprachheilschüler, deren derzeit rund 115 die Amorbachschule in Klein-Umstadt in besuchen. „Doch weitere Schüler können im Neubau unterrichtet werden, wir haben die Schüler-Entwicklungszahlen auf die kommenden zehn bis 15 Jahre hochgerechnet“, betont Löffler.

Polier Ralf Spalt ist mit seinem Team seit einem Monat auf der Baustelle. Am 7. Juni wurde mit der Gründung begonnen und alles eingerichtet, Mitte Juni wurde das Fundament gesetzt und Ende des Monats die Bodenplatte ausbetoniert. „Da hat man noch wenig gesehen. Jetzt aber geht es ratz-fatz“, lacht Spalt, der verantwortlich zeichnet für eine Bauausführung auf höchstem technischen Niveau. Der Bau in Passivbauweise ist energetisch äußerst effizient. So garantieren spezielle Grundsteine an den Einfassungen, dass keine Kälte vom Boden in die Wände aus KSPE-Steinen hochkriechen kann. Das Kürzel steht für Kalk-Sandstein-Plan-Elemente. Sie sind es, die für den schnellen Baufortschritt verantwortlich sind. Denn die nicht in Mörtel gesetzten, sondern verklebten Steine wurden maßgerecht für den Plan des Architekten zurechtgeschnitten. Das hat nichts mit altherkömmlichem Plattenbau gemein, sondern entspricht modernster Bautechnik. „Hier gibt es keine Kältebrücken mehr“, erklärt der Polier, der mit seinen sieben Mann am Bau täglich mehr Wand hochziehen kann, als es vor wenigen Jahren noch doppelt so viele Bauarbeiter vermocht hätten. „Und dies in einer Qualität, die sich damals hätte niemand träumen können“, lacht Spalt von der Groß-Bieberauer Firma Walter Liebig.

Quelle: op-online.de

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