Schnitzeljagd mit Hilfe aus dem Weltall

+
Das Foto oben zeigt verschiedene Gegenstände und ein Logbuch aus einem Cache.

Eppertshausen -  Die gute, alte Schnitzeljagd ist zurück. Doch sind die Zeiten der Kreidepfeile auf der Straße vorbei – im 21. Jahrhundert muss Satelliten-Navigation und GPS-Gerät sein; „Geocaching“ genannt. Von Verena Scholze

 Der Begriff setzt sich aus dem altgriechischen „Geo“ – zu deutsch „Erde“ – und dem englischen „Cache“, einem „(geheimen) Lager“, zusammen und lässt sich am besten als eine Art moderner Schatzsuche oder eben Schnitzeljagd beschreiben.

Das Prinzip ist einfach: Die Verstecke werden mit Angabe der geographischen Koordinaten auf entsprechenden Seiten im Internet veröffentlicht, und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.

Die Suche nach Cache-Verstecken führt die Hobby-Schatzsucher nicht selten an so romantische Orte wie diesen See bei Münster. 

Beim Geocache selbst handelt es sich zumeist um wasserdichte Behälter, in denen sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder der diesen Schatz gefunden hat, trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Danach wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und oftmals durch Fotos ergänzt. So können der „Eigentümer“ (vom englischen Wort „Owner“) dieses Caches und auch andere Personen die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen.

Seit dem Jahre 2000 verbreitete sich das Geocaching rasend schnell. Allein in Deutschland soll es mittlerweile über 44 000 Verstecke geben, von denen die meisten im Umkreis der Großstädte liegen – aber auch in ländlichen Gegenden: Allein in und um Münster und Eppertshausen warten ungefähr 15 Caches auf „Schatzsucher“. Sie tragen so klangvolle Namen wie „The Lion’s Snack Box“, „Die letzte Bahn“, „Forsteckweiher“, „Eppertshäuser Gassi-Runde“, „Entenrennen-Starting Grid“ oder „Legofigurentauschcache“.

Der „Schatz“ besteht oft aus einer wasserdichten Schachtel.

Die Faszination Geocaching ist schwierig auf den Punkt zu bringen, denn so unterschiedlich wie die Cachetypen, so abwechslungsreich wie die Landschaften, in denen Caches versteckt sind, so verschieden sind auch die Geocacher-Typen. Während die einen Geocaching als Zusatzanreiz beim Wandern betreiben, nutzen andere den Charme der Schatzsuche, um ihre Kinder und Familien zu Ausflügen zu bewegen. Während die einen Knobelei und Suche reizt, legen andere darauf keinen Wert, für sie liegt der Spaß darin, sich durch unwegsames Gelände zu kämpfen oder einfach nur schöne Touren zu machen. Eine Gemeinsamkeit gibt es immer: den mit dem Geocaching verbundene Spaß. Spaß am Unterwegs sein, am draußen sein. Spaß an der Herausforderung, Spaß am Austausch mit anderen Geocachern, über die Logbucheinträge, über die einschlägigen Websites oder Foren oder auch bei Treffen, sogenannten Event-Caches. „Geocaching ist ein neuer Trend, der den Menschen wieder in die Natur bringt“, sagt Forstamtsleiter Helmut Seitel. „Daher findet es auch die Unterstützung vieler Wandervereine.“ Die Verstecke sind an Seen, auf Wiesen oder an Feldwegen zu finden – außer in Münster, Dieburg und Eppertshausen sind welche zwischen Groß-Umstadt und Altheim bekannt.

Problematisch wird es, wenn die Natur unter der Suche leidet“, führt Helmut Seitel aus. „Geocaching wird nur solange akzeptiert oder erlaubt, solange der Schutz der Natur und das Interesse der Flächeneigentümer gewährleistet bleibt.“ Viele Betreiber der Internetseiten weisen auf das korrekte Verhalten in der Natur hin und geben den Aktiven Verhaltenstipps mit auf den Weg – auch, was Naturschutz-, Wald- und Forstgesetze betrifft.

Ein Versteck in einem Baum.

Ein besonderes Tabu sind Naturschutzgebiete. Diese werden speziell ausgewiesen, um Natur und Landschaft zu schützen – insbesondere vor dem Menschen. Betreten ist, sofern gestattet, auf die Wege beschränkt. Caches abseits der Wege sind nicht erlaubt. Auch Biotope sollen unbedingt von „Ownern“ zum Anlegen von Caches gemieden werden, denn diese seltenen Lebensräume bieten zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Auch Baumhöhlen sind keine geeigneten Verstecke, da diese oftmals Lebensstätten geschützter Vogelarten und Fledermäuse sind, die in Deutschland als gefährdet eingestuft sind.

Besonders während der Brutzeiten sollte man sich sensibel verhalten“, erklärt Seitel. Die Brut- und Aufzuchtphasen sind kritische Zeiten für Vogel- und Wildarten – Störungen können eine ganze Vogelbrut vernichten. „Wir sollten auf unser Verhalten in der Natur aufpassen und die Lebensräume von Tieren und Pflanzen schützen“, sagt Seitel.

Quelle: op-online.de

Kommentare