Schwarzer Storch in Eppertshausen

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Farbenfroh und kreativ gestalteten die Kinder die Stromkästen in der Innenstadt.

Eppertshausen - Den Slogan „Unser Dorf soll schöner werden“ kennt jeder. Am Montag machten sich die Eppertshäuser Ferienspiel-Kinder daran, ihre Gemeinde optisch aufzuwerten und verteilten dafür im Ort bunte Farbkleckse. Von Michael Just

Ziel waren die Stromkästen im Zentrum, die an vielen Ecken ein ziemlich graues Dasein fristen. Da diese jedoch im Besitz der HSE sind, konnte mit Pinsel und Farbe nicht einfach nach Belieben losgelegt werden.

Wir haben uns natürlich vorher die Genehmigung eingeholt“, erzählt Bürgermeister Carsten Helfmann, der mit seinem Anliegen beim regionalen Stromversorger auf offene Ohren stieß. Zum Start der Aktion rückte sogar mit Britta Sattig eigens eine HSE-Mitarbeiterin an, die alle Teilnehmer begrüßte. Sie gab den Kindern auch Einblicke darin, wie in Deutschland Strom gewonnen und transportiert wird. Von der Sonnenenergie war ebenso die Rede wie von der Wind-, Wasser- und Atomkraft.

Gegen die Hitze gab es für alle Teilnehmer noch eine Mütze mit dem Logo des Stromversorgers. „Eine tolle Sache“, lobte eine betreuende Mutter, ergänzte aber schmunzelnd, dass sich der Energieversorger durchaus ein wenig an den Farbkosten hätte beteiligen können.

Die Frage an Bürgermeister Carsten Helfmann, wie viel Stromkästen es im Ort gibt, endete mit einer Überraschung: „Wir haben 100 Straßen und damit 100 Kästen.“ Obgleich in der Regel eher unscheinbar, gebe es in jeder Straße einen Kasten. Die wolle und könne man aber nicht alle anmalen.

Für die Ferienspielkinder wurden etwa ein halbes Dutzend Kästen herausgesucht.

Wer in Eppertshausen wohnt, wird wissen, dass dies nicht die erste Aktion dieser Art war. Bereits bei den Ferienspielen 2002 wurden vormals graue in bunte Stromkästen verwandelt und so bleibende Kunstwerke geschaffen.

Dass dies einer gewissen Vorbereitung bedarf, weiß Heike Groh, die die elf Betreuer und 40 Kinder anleitete: „Die Betreuer haben im Vorfeld erstmal alle Kästen gesäubert und eine Grundierung aufgetragen. Die Kinder wollen ja gleich mit dem Malen loslegen“, erklärte die 45-Jährige.

Rumlaufen in „komischen, alten Fummeln“

Vorsicht mahnte sie bei den Farben an, die haften und sich nur schwer herauswaschen lassen. „Deshalb laufen wir heute auch alle in so komischen, alten Fummeln herum“, lacht Groh. Aufpassen müsse man auch beim Bürgersteig: Würde hier nicht alles gut abgeklebt, wäre die Invasion der kleinen Künstler ebenfalls noch für lange Zeit auf dem Trottoir sichtbar.

Bei den Motiven zeigten sich die Kinder kreativ: In den Entwürfen waren unter anderem Drachen, Marienkäfer, Schmetterlinge, Boote oder ein Aquarium zu finden. Laut Groh seien die Motive sowohl von der Gemeinde als auch der HSE begutachtet worden - zum Teil mit Sonderwünschen: „Die HSE hat die Bitte an uns herangetragen, möglichst viel die Firmenfarben rot und gelb zu verwenden.“

Dieser Bitte habe man so weit es ging entsprochen. Auffällig, dass die jungen Künstler alle mindestens acht Jahre alt waren. Das war im Jahr 2002 noch anders, als auch Erstklässler mit von der Partie waren. „Damals mussten die Betreuer ziemlich viel ausbessern. Schließlich soll es ja nach etwas aussehen“, blickt Groh zurück.

Dass das nicht immer möglich ist, wurde in der Straße „Im Bubenstall“ deutlich, wo Stephanie Groh mit ihren sechs Schützlingen malte. Hier hatte man ein ganz besonderes Motiv gewählt - das Storchennest in der Nachbargemeinde Münster. Die Verbindung zu Eppertshausen hatte die dreifache Mutter schnell hergestellt: „Die Störche wohnen zwar in Münster, fressen aber immer in Eppertshausen“. Den wechselnden Aufenthaltsort symbolisierte man mit den Kirchen der zwei Gemeinden und dem Verweis auf St. Michael und St. Valentin.

Schwarzer Storch, schwarzer Humor

Nicht minder passend war die Idee auf der Rückseite des freistehenden Kastens: Dort prangt fortan ein großer „Smiley“, der die Anlieger, freundlich begrüßen soll, wenn diese das Haus verlassen. Nur eines dürfte den Betrachter irritieren: Der Storch zeigt sich in völlig schwarzem Federkleid. Wer sich im Tierreich auskennt weiß, dass es in Australien schwarze Störche gibt, in Europa ist diese besondere Spezies jedoch eher unbekannt.

Für den schwarzen Storch hatte Stephanie Groh eine einfache Erklärung: „Da hat sich einer der Schüler etwas vermalt“, sagte die 43-Jährige und deutet damit an, dass die Konturen des Vogels dicker geworden sind als ursprünglich geplant. Das habe sich dann nur noch mit einem Ausmalen der ganzen Figur wieder „geradebiegen“ lassen. Groh sieht den ersten schwarzen Eppertshäuser Storch dennoch gelassen, vor allem auch durch den grünen Frosch, der in seinem Schnabel mit nicht gerade optimistischem Blick zappelt: „Die Farbe des Storchs passt hervorragend zum schwarzen Humor, den das Bild ausdrückt.“

Quelle: op-online.de

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