Röpers Gretchenfrage

Bundestags-Direktkandidaten stellen sich Diskussion

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Auf dem Podium (von links): Michael Friedrichs, Nicolas Wallhäußer, Astrid Mannes, Jörn Müller, Marcus Schledt, Daniela Wagner, Christel Sprößler und Frank Karnbach.

Eppertshausen - Bei der Podiumsdiskussion der Kolpingfamilie Eppertshausen stellten sich die sechs Direktkandidaten des Wahlkreises Darmstadt (186), zu dem auch Eppertshausen und Münster gehören, den Fragen der 120 Zuhörer in der Bürgerhalle. Von Jens Dörr 

Mit ihrer traditionellen Podiumsdiskussion hat die Kolpingfamilie Eppertshausen am Donnerstagabend den Endspurt im Kampf vor der Bundestagswahl am 24. September eingeläutet. Moderator Jörn Müller und Vorsitzender Marcus Schledt hatten sechs der acht Direktkandidaten des Wahlkreises Darmstadt, der 240.000 Wahlberechtigte hat und zudem auch Eppertshausen und Münster gehören (im Gegensatz etwa zu Dieburg und Babenhausen, die Teil des Wahlkreises Odenwald sind), in den kleinen Saal der Bürgerhalle eingeladen. Astrid Mannes (CDU), Christel Sprößler (SPD), Daniela Wagner (Grüne), Michael Friedrichs (Linke), Frank Karnbach (AfD) und Nicolas Wallhäußer (FDP) kamen und stellten nicht nur ihre Person und politische Arbeit vor, sondern sich auch den Fragen der 120 Zuhörer.

Rund 120 Zuhörer verfolgten die Diskussion im kleinen Saal der Bürgerhalle.

Die beiden anderen Direktkandidaten Friedrich Herrmann (Freie Wähler) und Anna Schupp (MLPD) waren nicht dabei. Das halbe Dutzend anwesender Kandidaten hatte auf der zweistündigen Veranstaltung nicht nur im Rahmen seiner Antworten auf die Publikumsfragen und via „Joker“ Gelegenheit, Stellung zu beziehen, sondern auch in fünfminütigen Eingangsstatements. Hierbei wurden die thematischen Schwerpunkte, für die die Kandidaten eintreten, besonders deutlich.

Astrid Mannes stellte insbesondere ihre „vielfältige politische Erfahrung“ heraus und zeigte sich ansonsten weitgehend zufrieden mit der zuletzt gemachten Politik der CDU-geführten Bundesregierung. „Wir haben eine geringe Arbeitslosigkeit, Löhne und Renten steigen. Der Schuldenabbau ist mir auch wichtig, denn die Schulden von heute sind die Steuern von morgen.“ Jetzt plane man, die Vollbeschäftigung zu erreichen. „Für mich persönlich ist auch die Innere Sicherheit ein wichtiges Anliegen. Ich will, dass dieses Land sicher bleibt.“

Sozialdemokratin Sprößler bezeichnete das Thema „soziale Gerechtigkeit“ als ein „ganz wichtiges“. Sie wolle daran arbeiten, „dass alle die gleichen Chancen haben“. Ihre Schwerpunkte seien „gute Arbeit, gute Bildung und gutes Wohnen“. Sie trete für gleiche Bezahlung von Mann und Frau ein und für „kostenlose Bildung nicht nur in der Schule, sondern bis hin zum Meisterbrief“.

Daniela Wagner nannte „Bauen, Wohnen und Verkehr“ als ihre Themenschwerpunkte. „Der ländliche Raum soll mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser angebunden werden, der verbleibende Individualverkehr möglichst emissionsarm ausfallen. Dazu wolle sie als Grüne „Innovationsdruck auf die Automobilindustrie ausüben“.

Für die Linken sprach Michael Friedrichs davon, dass es neben der sozialen Gerechtigkeit vor allem auf „Frieden in Deutschland, Europa und der ganzen Welt“ ankomme. Sozial gerecht sei, wenn in Deutschland niemand unter der Armutsrisiko-Grenze lebe, was etwa eine Mindestrente von 1050 Euro und ein Mindestlohn in Höhe von zwölf Euro pro Stunde garantieren sollen. „Durch die Vermögenssteuer wollen wir von oben nach unten verteilen. Zudem wollen wir einen kostenlosen ÖPNV.“ Frieden solle „auf diplomatischem Weg“ erzielt und der Klimawandel bekämpft werden.

Frank Karnbach von der Alternative für Deutschland benannte mehrere Themen, die ihm besonders wichtig seien: Bildung „mit vergleichbaren Standards“ etwa, ein Zuwanderungsgesetz („Das politische Aysl finde ich klasse, das muss erhalten werden“), die Abschaffung von GEZ und Parteienfinanzierung und vor allem der Einsatz für Demokratie und Grundrechte. „Die Euro-Politik finde ich eine Katastrophe, der Euro spaltet für mich Europa.“

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Im Vergleich mit anderen Ländern wünschte sich derweil FDP-Mann Nicolas Wallhäußer „weniger German Wut“ und stattdessen mehr Willen, etwas zu verändern. „Sehr am Herzen liegt mir die Entlastung von Familien.“ Die „weltbeste“ Vorsorge fürs Alter sei das Eigenheim. Überdies wünsche er sich bessere Voraussetzungen für Unternehmensgründungen durch Entbürokratisierung. Auch Wallhäußer trat für kostenlose Bildung ein.

Anschließend richteten Zuhörer ihre Fragen an das Podium, wobei es um die Themen Rente, Digitalisierung, Wohlstand, Energiepolitik, Bürgerbeteiligung und Euro-Einführung in allen EU-Staaten ging. Die vielleicht interessanteste Frage stellte Eppertshausens katholischer Pfarrer Harald Christian Röper: „Was wollen Sie an menschlichen Werten beibringen?“ Eine Antwort genau darauf blieben ihm die angesprochenen Kandidaten allerdings schuldig.

Quelle: op-online.de

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