Skat kloppen übers Eck und ohne Gastspieler

Nach langer Zwangspause wieder Treffen der Reizenden Buben in Eppertshausen

Es wird in Eppertshausen wieder Skat gespielt, allerdings mit Hygienekonzept, auf Abstand „über Eck“ und ohne Gäste.
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Es wird in Eppertshausen wieder Skat gespielt, allerdings mit Hygienekonzept, auf Abstand „über Eck“ und ohne Gäste.

Spielkarten, die durch viele Hände wandern oder dichtes Gegenübersitzen – das sind nur zwei Gründe, die das Skatspielen in Pandemie-Zeiten schwierig machen. So hat das Corona-Virus auch bei den Reizenden Buben vom Skatclub Eppertshausen das Lieblingshobby in diesem Jahr für viele Monate mächtig verhagelt. Seit einiger Zeit lassen sich wieder „Grand“, „Pik“ oder „Null Ouvert“ ansagen.

Eppertshausen – „Nach beinahe sechs Monaten Zwangspause waren wir froh, dass es endlich weitergeht“, berichtet Vorsitzender Harald Kolb. Für die Spielstätte im TAV-Heim arbeitete zweiter Vorsitzender Uwe Lautenschläger ein Hygienekonzept aus. Als Grundlage diente die Ausfertigung der Nachbarn vom Skatclub „Herz-As“ Münster. Sie kehrten bereits einige Tage früher zum Betrieb zurück.

Das Hygienekonzept beinhaltet eine maximale Teilnehmerzahl von 24 Personen beim wöchentlichen Spielabend und einen größtmöglichen Abstand an den Tischen, was mit dem Sitzen an den vier Ecken umgesetzt wird. Dazu sind nur Vereinsmitglieder zugelassen. Zuvor waren auch Gastspieler anderer Vereine willkommen.

Neben dem Lüften besagt eine weitere Schutzmaßnahme, dass es nach jeder Serie (das sind 32 Spiele) frische Karten gibt. Bei durchschnittlich vier Spieltischen und zwei Serien pro Spielabend werden insgesamt acht Blätter benötigt. „Das ist schon ein erheblicher Verbrauch“, bilanziert Lautenschläger. Allerdings würden sich die Kosten in Grenzen halten, da man die Karten in großer Stückzahl bestellt. Laut dem Eppertshäuser gab es sie früher gratis als Werbegeschenk von Brauereien oder Großfirmen. Diese Zeiten seien aber lange vorbei.

Aus Angst vor einer Infektion nehmen nicht alle Mitglieder die Rückkehr zum Spielbetrieb wahr. „Gerade beim Skat sind viele Ältere dabei, die dementsprechend vorsichtig sind. Es sagt viel aus, dass ich mit meinen 50 Jahren einer der Jüngsten im Verein bin“, erklärt Lautenschläger. Das Ausschließen von Gastspielern und die Vorsicht älterer Mitglieder haben die Zahl der Aktiven beim Spielabend von 30 auf unter 20 schrumpfen lassen.

Dass trotzdem immer noch genügend Skatfreunde kommen, hängt nicht zuletzt am ausgezeichneten Verhältnis zum Skatclub in Münster. Sowohl bei den Reizenden Buben als auch bei Herz-As besitzen gleich mehrere Personen aufgrund der niedrigen Jahresbeiträge eine Doppelmitgliedschaft und erscheinen zu beiden Spielabenden. In Eppertshausen ist dieser dienstags im TAV-Heim, in Münster donnerstags in der TV-Gaststätte.

Über den regen Austausch freuen sich besonders die Vorsitzenden Hilde Schießer und Harald Kolb. „Überall klagen die Vereine über weniger Mitglieder, was bei den Skatspielern genauso ist. Durch unser enges Miteinander fällt der Blick in die Zukunft optimistischer aus“, sagen sie.

Einige Skatclubs, wie etwa der in Dieburg, haben die erste Welle der Pandemie damit überbrückt, dass sie ihr Kartenspiel ins Internet verlegten. Hier existiert eine Webseite, auf der Vereine und ihre Mitglieder einen eigenen Clubbereich erhalten und dann kontaktlos von zuhause aus miteinander agieren können. In Virus-Zeiten ist das sogar kostenfrei. Die Plattform finanziert sich durch Personen, die beim ebenfalls angebotenen Turnierskat Geld einsetzen. Beim Skat im Internet platziert der Computer je drei Spieler nach dem Zufallsprinzip an einen virtuellen Tisch und gibt die Karten aus. Geht es ans Reizen, werden die Zahlen auf dem Bildschirm angezeigt und durch Klicks bestätigt. Damit funktioniert auch das Ausspielen der Karten. Der Internet-Betrieb hat für Skatvereine den Nachteil, dass vor allem ältere Spieler nicht immer einen Computer besitzen oder sich in der digitalen Welt auskennen. Auch macht das Spiel alleine nur halb so viel Spaß, da die Geselligkeit und das Lesen der Körpersprache von den Mitspielern fehlen. In Dieburg schaffte der Skatclub schon vor geraumer Zeit 13 Tablet-PC’s zum leichteren Zusammenzählen der Punkte an. Durch Corona kommen die Geräte seit April zusätzlich für das kontaktlose Spiel im Internet zum Einsatz.

„Für uns bestand diese Lösung nicht, da unser Verein über keine Tablet-PC‘s oder genügend private Geräte verfügt“, erläutert Kolb. Jetzt ist zum Glück der klassische Skat wieder möglich. Trotzdem ist man vom gewohnten Spielbetrieb noch weit entfernt.

Auf eine Vereinsmeisterschaft wird 2020 aufgrund der langen Zwangspause verzichtet. Sämtliche Ligabegegnungen hat der Verband bis zum 31. Dezember komplett ausgesetzt. Für die Eppertshäuser ist das besonders schade. Erst im letzten Jahr waren sie in die Oberliga Süd aufgestiegen und hätten jetzt nur zu gerne bewiesen, dass sie sich gegen die stärkere Konkurrenz behaupten können.

Von Michael Just

Skat geht auch kontaktfrei im Internet. Aufgrund der technischen Voraussetzungen und der einsam machenden Spielweise hat man darauf in Eppertshausen aber bisher verzichtet.

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