Kabaratz bemüht allerdings Bruder Groucho, und nicht den Karl

Vor den Sozis Marx zitiert

+
Zwei ältere Mitmenschen betrachten das Publikum und sinnieren darüber, welche Lebenserfahrungen sie besser nicht an jüngere Menschen weitergeben sollten.

Eppertshausen - Evelyn Wendler und Peter Hoffmann gastierten auf Einladung der SPD im Haus der Vereine. Zur Veranstaltung kamen zahlreiche Besucher, denn das Duo ist viel besser bekannt unter dem Namen „Kabbaratz“ und bietet Kabarett vom Feinsten. Von Peter Panknin

Kabarett sollte nicht mit Comedy verwechselt werden, denn Comedy vereint Witze, Geschichten und teilweise auch Zoten mit dem Ziel, das Publikum zum Lachen zu bringen. Kabarett hingegen geht in erster Linie in Richtung Politik und Gesellschaftskritik. Man lacht auch, aber nicht so viel und das Lachen bleibt einem schnell einmal im Halse stecken. Wer also eine Kabarett-Veranstaltung besucht, weiß, worauf er sich einlässt. Neben einer Bühne gehören gedämpfte Beleuchtung in einem nicht zu großen Raum, statt Theatersessel Tische und Stühle zum entspannten Sitzen und zum Abstellen von Getränken und Speisen zum Image eines Kabaretts.

Der Raum im Eppertshäuser Haus der Vereine wurde dem in vollem Umfang gerecht. „Weck, Worscht und Woi“ boten die Veranstalter an, die Örtlichkeit bot genau die Intimität, die Künstler und Zuschauer benötigen, um interaktiv agieren zu können. Besucher und Protagonisten auf der Bühne machten auch zur Zufriedenheit aller guten Gebrauch von allen gebotenen Möglichkeiten. Die vorherrschende Forderung der Gesellschaft in Deutschland scheint „Ich will alles, und zwar jetzt“ zu sein. Mit seinem Programm „Es muss mehr als alles geben“, überspitzt das Duo Kabbaratz aus Darmstadt diese Forderung jedoch und hält den Besuchern, typisch Kabarett, einen Spiegel vor. Der Untertitel des Programms, „Gerechtigkeit, Geld und Glück“, hat nichts mit dem SPD-Programm zu tun, das überlassen die beiden lieber den Politikern.

Das vorgetragene Zitat von Marx „Das Wichtigste im Leben sind Ehrlichkeit und Fairness. Wenn du die vortäuschen kannst, dann hast du es geschafft“ stammt nicht von Karl, sondern von Groucho Marx, einem der erfolgreichsten englischsprachigen Komiker und einer der Marx Brothers. Es trifft den aktuellen Zeitgeist vieler Politiker. Dazu passend auch ein Sketch, der die Aufzeichnung eines Interviews für eine Talkshow „Wir sind am Puls der Zeit und zeigen die Realität“ beschrieb. Nachdem der sogenannte Sozialschmarotzer so gar nicht den Erwartungen der Redakteurin entsprach, wurde die Sendung kurzerhand auf einen Bruchteil der geplanten Sendezeit gestrichen. Andere Erscheinungen der heutigen Zeit, aber ebenfalls auf TV-Sendungen basierend, wurden mit einer Forderung im sportlichen Bereich skizziert: Wenn ein Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen etwa 20.000 Euro erhält, Gewinner beim „Dschungelcamp“ bis zu 180.000 Euro bekommen, wird es höchste Zeit, dass „Kakerlaken-Fressen olympische Disziplin wird“.

Das große Gelächter des Publikums verhieß Zustimmung, allerdings sind Chancen zur Realisierung dieser Forderung (hoffentlich) gering. Nicht nur anhand der genannten Beispiele erbrachten Evelyn Wendler und Peter Hoffmann den Beweis, dass ihr im April erstmals aufgeführtes Programm den Geschmack des Publikums trifft. Die Behauptung, dass Deutsche gerne nörgeln und missmutig sind, wurde durch einen weiteren Sketch unterstrichen. Die Hausfrau, putzt mit Hingabe ihr Tafelsilber, während der Verdiener stolz darüber berichtet, dass seiner Forderung nach einer Gehaltserhöhung in vollem Umfang entsprochen wurde. Statt seine Freude zu teilen, beschwert sie sich darüber, dass er nicht mehr gefordert hat und rechnet ihm die Einkommensverluste bis hin zur Rente vor. Es erinnerte irgendwie an Grimms Märchen „Die kluge Else“, das ja vom „was wäre wenn …“ erzählt. Die Versöhnung der beiden bleibt nicht aus, er schenkt ihr ein Fläschchen mit Silberputzmittel ...

Es war im Haus der Vereine nicht nur unterhaltsam, es regte auch zum Nachdenken über anscheinend gängige Verhaltensweisen an.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare