Zuversicht mit Weinprobe

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Blick nach vorne: Der Neujahrsempfang der SPD zog zahlreiche Bürger ins Haus der Vereine.

Eppertshausen - Als die drei Musiker von Never Try den Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins mit dem Lied „Free Fallin‘“ von Tom Petty eröffneten, dürften die Liedzeilen die Gedanken einiger Gäste beeinflusst haben. Denn den freien Fall wünscht sich im Leben niemand. Von Michael Just

Das gilt auch für die Politik. Erst recht im Superwahljahr 2013, wo im Land und im Bund gewählt wird.

So fiel im Haus der Vereine nur am Rande der Name Peer Steinbrück samt seiner sich im Keller befindlichen Umfragewerte . Bei der Zahl der hochkarätigen Gäste war ohnehin eher Optimismus angesagt. Sowohl Landtagskandidat Oliver Schröbel als auch die für den Bundestag kandidierende Brigitte Zypries hatten die Einladung angenommen.

Schröbel hatte gleich zu Beginn ein dickes Lob für die lokalen Genossen parat: „Das ist der am besten besuchte politische Neujahrsempfang, den ich 2013 bisher erlebt habe“, sagte der Groß-Umstädter. Unter den mehreren Dutzend Personen waren zahlreiche Vereinsvertreter. Alle durften sich auf einen Abend freuen, an dem nicht nur die ritualisierte Aufbruchstimmung zum neuen Jahr gepflegt wurde. Gleichermaßen stand mit Landtagskandidat Schröbel als Kopf der Umstädter Winzergenossenschaft eine Weinprobe an.

Ortsvereinsvorsitzender Manfred Hechler sagte, dass im Gewerbegebiet Ressourcen für die Logistikbranche verschwendet würden: „Gemessen an der Fläche entstehen viel zu wenig Arbeitsplätze.“ Dann eine Spitze gegen Bürgermeister Carsten Helfmann: Produktion in chinesischer Hand in Eppertshausen sei mit den damit möglicherweise verbundenen Niedrig-löhnen bedenklich. Das Sozialsystem funktioniert laut Hechler mit einem Mindestlohn besser. Für die Zukunft wünscht sich der engagierte Naturschützer persönlich mehr Schwerpunkte im Umweltschutz, die von sozialer Sicherheit ergänzt werden. Das System der Eppertshäuser Seniorenhilfe sieht er angesichts des demographischen Wandels als wegweisend.

Brigitte Zypries hob heraus, dass ihre Partei 2013 nicht nur Wahlen gewinnen, sondern auch feiern wolle: 150 Jahre Sozialdemokratie seien dazu ein stolzer Anlass. Wie sie bedauerte, würden klassische SPD-Themen, wie der Atomausstieg, derzeit von der CDU besetzt. So müsse die SPD ihre anderen Standpunkte verstärkt herausarbeiten: Das seien die Gleichstellung von Frauen beim Arbeitslohn, die Möglichkeit zur doppelten Staatsbürgerschaft für Migranten, ein flächendeckender Mindestlohn, eine ordentliche Betreuung für Kinder sowie kostenfreie Bildungschancen.

Oliver Schröbel kritisierte in seiner Rede mit Blick auf die Landespolitik, dass sich die Finanzpolitik in Hessen ändern müsse: „Dann wären Freibäder zu finanzieren, Vereinszuschüsse möglich und Steuererhöhungen abwendbar.“ Neben der Stärkung der Landwirtschaft will er Haupt- und Realschüler für den Beruf besser vorbereiten und mehr Schulsozialarbeiter einsetzen. Bei immer mehr älteren Menschen ist für ihn Barrierefreiheit wichtig.

Für die Eppertshäuser SPD-Fraktion erinnerte Andreas Larem daran, dass sie frühestens zur Kommunalwahl 2016 aus der Opposition in der Gemeindeversammlung herauskommen kann. Er bezeichnete es als enttäuschend, dass die Gemeinde den SPD-Vorschlag nicht wahrnimmt, ihre Energieeffizienz samt Potenzialen für die Zukunft auszuloten. Zudem werde der Ortskern vernachlässigt.

Ein bemerkenswerter Einwurf folgte zum Schluss: Mitschuldig an der Politikverdrossenheit der Bürger seien Fernsehen und Radio,wo Politiker als deutsche Besonderheit meist als schlitzohrige Schurken dargestellt würden. „Das Beleuchten von ernsthaft umkämpften Entscheidungsprozessen fehlt vollkommen.“ Je verächtlicher Politiker behandelt werden, desto geringer sei das öffentliche Bewusstsein dafür, dass die Demokratie aktive Bürger braucht. Larem rief die Zuhörer dazu auf, sich politisch einzumischen und 2013 zweimal wählen zu gehen.

Quelle: op-online.de

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