Sportler aus 24 Nationen

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Die Gruppe „Frauen für Frauen“ zeigte beim Integrationsfestival ihr Geschick.

Eppertshausen - Rund um das sich gerade im Umbau befindliche Eppertshäuser Sportzentrum war am Samstag viel los: Das zweite Hessische Integrationsfestival bot einiges auf, um über sein Anliegen zu informieren. Von Jasmin Frank

Den ganzen Nachmittag über wurde ein Familiensport- und Spielfest angeboten, hinzu kamen Workshops für Karatetraining, Parcours und Vorführungen des Projekts „Frauen für Frauen“, das von den weiblichen Vorstandsmitgliedern des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus (GKV) ins Leben gerufen wurde. „Ziel des Projekts ist, Frauen mit Migrationshintergrund in den Verein einzubinden. Dabei haben wir viel Erfolg. Nicht nur Sportangebote werden genutzt, sondern die deutschen Frauen helfen den Betroffenen bei Problemen oder im Alltag, zum Beispiel bei Arztbesuchen“, berichtet Ernes Erko Kalac, Vereinsgründer und Vorsitzender.

So vielfältig sein Verein sich präsentiert, der neben Karate auch Taekwondo und Gesundheitssport anbietet, so umfassend ist auch das Integrationsfestival, erläutert Kalac: „Wir haben hier drei Teilsegmente. Zum einen die sportlichen Aktivitäten, dann den Markt der Möglichkeiten vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und schließlich die Podiumsdiskussion, an der auch unser Ehrenmitglied Brigitte Zypries teilnimmt.“

Dass die Veranstaltung in Eppertshausen stattfindet, liegt nicht nur an seinem Verein, denn die Gemeinde hat einen Ausländeranteil von etwa zehn Prozent. Deshalb ist Integration ein aktuelles Thema, das sich der GKV zur Aufgabe gemacht hat. „Wir haben viele Migranten durch Beitragsnachlässe für uns gewinnen können. Bei uns muss nicht jeder voll bezahlen, Bedürftige bekommen Ermäßigung, natürlich Deutsche ebenso wie Ausländer. Mittlerweile trainieren Menschen aus 24 Nationen bei uns, etwa ein Drittel unserer 600 Mitglieder hat einen Migrationshintergrund. Insgesamt sind etwa 80 Prozent unserer Aktiven Kinder und Jugendliche und für die ist besonders wichtig, mit dabei zu sein. Außerdem kommen wir über die Kinder an die Eltern und können diese ebenfalls zu einem Engagement im Verein bewegen“, berichtet Kalac stolz. Für ihn ist Integration nicht nur das Thema einer Kampagne, sondern eine Realität, die jeden Tag aktiv gefördert sein will.

Noch nie Auseinandersetzungen zwischen den Kulturen

Das sieht auch sein Schützling Hüseyin Imam so. Der 25-Jährige hat im Verein seinen Halt gefunden und im Sport seinen Lebensinhalt. Sein freiwilliges soziales Jahr hat er bei der Hessischen Sportjugend absolviert, wo er innerhalb eines Jahres eine Übungsleiterlizenz für alle Sportarten erworben hat. Zusätzlich hat er eine spezielle Ausbildung über den DOSB und den Landkreis Darmstadt-Dieburg abgeschlossen, die ihm für den Bereich Integration besondere Kenntnisse vermittelt hat: „Ich weiß jetzt, wie ich mich in Gesprächen oder bei Problemen optimal verhalte. Aber obwohl wir Menchen aus sehr gegensätzlichen Kulturen, wie Türken und Kurden oder Bosnier und Serben, in den Trainingsstunden gemeinsam schulen, gab es bis jetzt noch nie Auseinandersetzungen.“ Imam sorgt auch für weiteren Nachwuchs, indem er Jugendliche, die auf der Straße „herumhängen“ direkt anspricht und in den Verein zum kostenlosen Training einlädt.

Wer sich von Aytugs Eifer anstecken lassen will, kann sich auf der Homepage über die sportlichen Aktivitäten des Vereins informieren.

Noch nicht im problematischen Alter ist Aytug Dogan aus Ober-Roden. Der Elfjährige ist begeistert von seinem Sport, den er schon seit vier Jahren ausübt und erzählt: „Mir macht Karate unheimlich viel Spaß. Man lernt nicht nur sich zu verteidigen, der Sport ist auch so ganz anders. Man muss viel denken und viele Techniken kennen. Ich habe schon meinen sechsten Gürtel und bin viel selbstbewusster geworden. Jeder sollte Karate machen.“

Quelle: op-online.de

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