Steile Anstiege und viele Anekdoten

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Viele Besucher besichtigten die Fotogalerie.

Eppertshausen - Neun Tage sind es noch bis zur großen 90-Jahr-Feier des Odenwaldklubs (OWK) am 29. August, an die sich sonntags noch der Kreiswandertag und der OWK-Bezirkswandertag anschließt. Von Michael Just

Wie könnte man die Aufmerksamkeit für ein derartiges Ereignis besser steigern als mit einer solchen Ausstellung?“, fragte unlängst Bürgermeister Carsten Helfmann im Rathaus.

Dorthin hatte der OWK-Vorstand anfangs der Woche zur Eröffnung der Ausstellung „Wandern, Kultur, Naturschutz und mehr“ geladen, um die „heiße Phase vor dem Fest einzuläuten“. Im Foyer ist nun eine Fotogalerie mit Dutzenden von Fotos zu sehen, die aufgeteilt in neun Jahrzehnte die Geschichte des Eppertshäuser Traditionsvereins umreißt. Ein Teil der Fotos wurde bereits bei der akademischen Feier im Februar in der Mehrzweckhalle gezeigt.

Jetzt können sie alle begutachten, die damals keine Gelegenheit hatten“, so OWK-Vorsitzender Norbert Anton, der eine nochmals erweiterte Galerie präsentierte. Wie er sagte, geben die Fotos gleichermaßen einen informativen wie unterhaltenden Abriss und ein gutes Bild, wie der Verein einst als „Sportgesellschaft Zeppelin“ gegründet wurde und auf diese Weise der erste Fußballverein in Eppertshausen entstand. „Wer auf einigen Fotos genau hinschaut, findet in den Anfangsjahren immer wieder drei Dinge auf den Bildern: einen Ball, einen Wanderstock und ein kleines Zeppellinmodell“, erklärt Anton.

In der Folge habe der Verein immer mehr das Wandern für sich entdeckt, so dass bereits 1922 die Umbenennung in den „Wanderklub 1919 Eppertshausen“ erfolgte.

In seinem Rückblick erinnerte der Vorsitzende an die schwierige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als sich die Demokratie in Deutschland noch als junges und verletzbares Pflänzchen präsentierte. Trotzdem sei den Bildern oft etwas Fröhliches zu entnehmen: „Damals wurde noch mit Musik und reichlich Liedgut gewandert.“ Obwohl das Geld knapp war habe man „Klampfen“ und „Jammerhölzer“ (umgangssprachlich für eine ungestimmte Gitarre) angeschafft.

Diese Tradition werde beim OWK bis heute im Mandolinenorchester fortgeführt. Auf den Verein gehen laut Anton auch über 30 Sitz- und Ruhebänke für Wanderer und Spaziergänger in und um Eppertshausen zurück. „Wir sind die einzige Gemeinde in der Gegend, die über solche schöne Ruhebänke verfügt“, lobte der Eppertshäuser und erinnerte dabei an die gute Kooperation mit der Gemeinde, wenn es um deren Pflege und Erhalt geht.

Die „Onkel Toms Band“ prägte die Anfänge des Odenwaldklubs und war natürlich einer der Blickfänge für die Besucher der Fotogalerie.

Anton ist es wichtig, dass trotz aller Erinnerungen an vergangene Tage nicht vergessen wird, was der Verein noch heute leistet. So lasse sich in kaum einer anderen der insgesamt 120 OWK-Ortsgruppen ein so hoher Kinderanteil finden wie in Eppertshausen.
Nicht zu vergessen seien auch die Naturschutzbemühungen und die Anerkennung des OWK als Naturschutzorganisation. Bereits seit 30 Jahren verbinde man das Wandern mit Naturschutz und könne sich darüber freuen, dass dieser feste Bestandteil der Vereinsarbeit bereits zweimal mit Naturschutzpreisen honoriert wurde.

Wie Wanderwart Manfred Hechler erläuterte, gebe die Fotogalerie im Rathaus keineswegs das gesamte Spektrum wider.

So verfüge man noch kistenweise über Dias. Mit dem kürzlich angeschafften Scanner werde man nun damit beginnen, diese einzulesen, so dass in Zukunft der eine oder andere „Beamer-Abend“ – so müsse man laut Hechler Fotoabende heute zeitgemäß bezeichnen - zu erwarten ist. Dann dürfte es zu den Bildern auch reichlich interessante Geschichten und Anekdoten geben.

Dazu kam es auch schon bei der Ausstellungseröffnung. So stieß ein wunderschönes Foto der „Drei Zinnen“ in den Südtiroler Dolomiten ins Auge. Eine Postkartenidylle, die aber erst durch die Erzählungen von Bernhard Kraus an Tiefe gewann.

Der zweite Vorsitzende berichtete davon, wie man auf dem Gipfel auf eine Abordnung italienischer „Alpinieri“ beziehungsweise Alpinisten gestoßen sei, die Rauchkartuschen dabei hatten. „Kurze Zeit später war eines der großen italienischen Wahrzeichen äußert beeindruckend in die Nationalfarben rot-weiß-grün gehüllt“, erinnert sich der Eppertshäuser.

In drei Wochen schließt sich quasi für ihn der Kreis. Dann bricht eine Delegation des OWK erneut in die Dolomiten auf. Die letzte Tour ist Kraus noch gut in Erinnerung. Als sich die Wanderer für den Aufstieg auf den Großvenediger vorbereiteten, erhielt der Tross von einem Besucher die Nachricht, dass der österreichische Bundespräsident vor der Tür steht.

Der Wirt hat den Mann erst für verrückt gehalten“, so Kraus. Doch dieser habe die Wahrheit erzählt. So machten die Eppertshäuser unverhofft die Bekanntschaft des österreichischen Bundespräsidenten, der am nächsten Tag ebenfalls den Großvenediger bestieg.

Quelle: op-online.de

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