Stephanie Groh

Verknüpfendes Helferherz

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Stephanie Groh ist eine „soziale Institution“ im Ort. Nun wird ihr eine auszeichnende Würdigung zuteil. Stephanie Groh weiß nicht nur, wo der Schuh drückt, sie kennt auch viele Wege auf Abhilfe.

Eppertshausen - Wenn’s brennt, kommt Stephanie Groh gerennt!“ Im Ort längst ein geflügeltes Wort, wird dem Faktotum jetzt auch die Ehre zuteil, die ihm gebührt: Eppertshausens „Mädchen für alles“ mit Helferherz war auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten in Berlin eingeladen. Von Thomas Meier

Als regionaler Repräsentant für eine deutschlandweite Aktion der dm-Drogeriemarktkette, die ganz dem Ehrenamt gewidmet ist. Eine lokale Jury schlug einhellig die Eppertshäuserin vor, die am Montag in Münsters dm-Filiale den Preis als eine von vier Regionalsiegerinnen in Darmstadt-Dieburg verliehen bekommt. .

„Stephanie Groh ist in Eppertshausen eine Institution.“ So begründete die vierköpfige Jury ihre Entscheidung für die Vielfach-Ehrenamtliche. Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas, sein Amtskollege aus Groß-Zimmern, Achim Grimm, Michael Beier als Gebietsverantwortlicher von dm und die Leiterin der Mira-Lobe-Schule Eppertshausen, Jutta Meier, waren sich einig: Sie hat es mehr als verdient.

Ihren Namen kennt fast jeder im Ort und sehr viele über seine Grenzen hinaus. „Sind Familien in Not, hat man ein Problem, so ruft man Stephanie Groh an. Besonders Kindern und Jugendlichen gilt ihr Engagement. So organisiert sie Materialspenden wie Kleidung, Schulranzen, Fahrräder. Sie hilft bei Kontakten zu Ämtern, Schulen und Vereinen, beim Schreiben von Bewerbungen oder bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Gleichzeitig organisiert sie Ferienfreizeiten und Ferienangebote. Dabei etablierte sie über Jahre ein soziales Netzwerk in Eppertshausen. Da sie selbst in vielen Vereinen tätig ist, kann sie auch auf deren Hilfe zurückgreifen, sowohl bei religiösen Gemeinschaften, Fußball- und Turnverein oder der Jugendpflege,“ heißt es aus der Jury.

Anerkennung für das Ehrenamt

„Ich bin sehr stolz auf diese Auszeichnung“, bekennt das „echte Heinermädche’“, das in Groß-Zimmern aufwuchs und vor 26 Jahren nach Eppertshausen „einheiratete“. Noch viel mehr freue es sie allerdings, dass „das Ehrenamt auch mal Anerkennung findet“.

Und Letzteres liegt ihr wirklich am Herzen. Die gelernte Kauffrau mit Zusatzausbildungen zur Versicherungs- und IT-Kauffrau ist nicht nur beruflich ein Tausendsassa, denn krankheitsbedingt (und weil es ihrer sozialen Ader liegt) studierte sie mit 40 auch nochmal und ist seit einigen Jahren diplomierte Lerntherapeutin.

20 Jahre spielte die Mutter dreier Kinder Handball, davon fünf Jahre in Eppertshausen, bis sie sich der Sportlerbetreuung widmete. Nicht nur im TAV ist sie aktiv, auch bei den Eppertshäuser Fußballern. Vor 24 Jahren war sie Mitbegründerin des Partnerschaftsvereins Chaource, sie ist im italienischen Pendant Codigoro, sang 15 Jahre im katholischen Kirchenchor von St. Sebastian und arbeitet dort als praktizierende Christin seit ihres Zuzuges nach Eppertshausen mit. Zudem ist sie – „auf dem Ort ist das so üblich“ – mit ihrem Mann bei der Feuerwehr und im Liederkranz helfend dabei.

Eine feste, verlässliche Größe

Beim Fest der Nationen bezeichnen sie die Organisatoren als treibende Kraft, für die Gewerbemeile managte Stephanie Groh den Stand des FVE und außerdem hatte sie die Idee zum weit über die Grenzen Eppertshauens bekannten „Fastnachtsbasar“, der noch heute wohl größten Einnahmequelle des ihn ausrichtenden Kindergartens. Mit den Kindern kamen ihre vielen Jahre der Elternbeiratszugehörigkeit. Schon im Kindergarten fing dies bei ihrem heute 22 Jahre alten Sohn Bastian an.

In der Jugendarbeit Eppertshausens ist Stephanie Groh seit der „Containerarbeit“ vor rund 15 Jahren eine feste, verlässliche Größe. Solange es Ferienfreizeiten im Ort gibt, ist sie dabei. Und als Honorarkraft arbeitet die Diplom-Lerntherapeutin seit zwei Jahren Hand in Hand mit der interkommunalen Jugendpflege. An der Mira-Lobe-Schule, Institution des Kreises für Sprachförderung in Eppertshausen, ist sie ebenfalls, betreut dort als Lehrkraft den Sport und ist in einer Vorklasse. In die Hilfeschiene kam Groh hauptsächlich über ihre Kinder. Über sie erfuhr sie oft von der Not in ihrer näheren oder mittelbaren Umgebung. Und weil sie ein „angeborenes Organisationstalent“ hat und durch die vielen Vereinszugehörigkeiten Gott und die Welt in Eppertshausen kennt, wurde sie „automatisch zum Anlaufpunkt bei Kümmernissen“.

Stephanie Groh sieht sich aber nicht als Einzelkämpferin, vielmehr als „Zugpferd, das weiß, wo der Weg lang geht“. Glaubt sie, einen Weg aus einem Dilemma erkannt zu haben, kennt sie die richtigen Leute, das Problem anzugehen. Bei ihr werden alle Bekannten, Vereine und Institutionen miteinander verknüpft, „ob die das nun wollen oder nicht“.

Sie liebt die Abwechslung und Vielseitigkeit ihres Helfens. So kam sie beispielsweise auch zur Flüchtlingsarbeit in Eppertshausen. Da hörte sie davon, dass Kinder in Asylunterkünften auf dem Boden schliefen. Wenig später waren Betten in den Zimmern. „Hat man einmal geholfen, spricht sich das schnell rum“, sagt die Multi-Ehrenamtliche.

Familienarbeit, das sei ihr Ding, sagt sie. Durch ihre Kinder wurde eine Familie mit massiven Problemen auf „den guten Geist“ aufmerksam. Sie kam, schaute, ging zum Amt, ließ eine komplette Familie in Kur schicken, schnappte sich „den Pfarrer und einige weitere Helfer“, entkernte eine ruinierte Wohnung, brachte sie in Schuss und die Familie wieder ins Lot. Den Jungs, deren marokkanischer Vater vor zwei Jahren die Mutter im Ort erstach, besorgte sie Ersthilfe, eine Wohnung, Betreuung. Viele Einzelschicksale sind es, denen sie begegnete, wo sie half.

„So etwas geht nur in so einem Ort wie Eppertshausen“, bekennt die Optimistin. Dort, wo jeder jeden kennt und auch noch Vertrauen herrsche, dort sei solch ein intaktes Sozialleben noch möglich. „Mir macht es Spaß hier zu helfen, weil eben alle noch zusammenhalten“, sagt die Wahl-Eppertshäuserin aus Überzeugung.

Ihr nächstes Ziel: „Ich habe keine Ämter inne, bin nur die Stephanie Groh. Gern würde ich noch mehr die florierende Wirtschaft des Ortes ins helfende Geschehen einbinden. Mal sehen, was sich machen lässt...“

Quelle: op-online.de

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