Sternenreise in der Manege

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Zirkusartist Rocky Krämer trainiert mit den Kindern am Römischen Ring.

Eppertshausen - Die Manege ist voll. Etwa 70 Kinder in blauen T-Shirts wuseln durcheinander. Wo man hinsieht, probieren sich die Blauhemden als Nachwuchsartisten, -jongleure oder -clowns. Von Alexander Kroh

In einer Ecke balancieren Kinder übers Drahtseil, in einer anderen werden auf einem Mattenboden emsig Purzelbäume geschlagen, Zirkusreporter schlängeln sich durchs Zelt, machen sich Notizen zu den Stationen und schießen ein Foto nach dem anderen.

Im Herzen des großen Zirkuszeltes übt Rocky Krämer mit einigen besonders wagemutigen Kindern am „Römischen Ring“. Draußen vor dem Zelt tummeln sich noch weitere 30 Kinder, trainieren mit dem Lasso, probieren sich als Hunde- oder Eseldompteure oder schauen sich einfach nur die übrigen Tiere des Zirkus Baldini an.

Sie alle sind gestern zum ersten Tag der Zirkusferien nach Eppertshausen gekommen, eine Aktion für Kinder zwischen fünf und 15 Jahren von der Kinder- und Jugendförderung Eppertshausen und Münster, der Volksbank Eppertshausen und dem Zirkus Baldini.

Wie Cowboys im Wilden Westen

Bis Freitag wird nun fleißig jeden Tag geprobt und an einem Programm getüftelt. Kommenden Samstag präsentieren die jungen Teilnehmer dann ihr ganzes Können in einer zweistündigen Show, die von den Kindern selbst gestaltet wird.

Am ersten Trainingstag darf zunächst bei allen Stationen reingeschnuppert werden, heute entscheiden sich die Kinder dann für eine Darbietungsform und intensivieren die Übungen.

Erstklässler Thomas schwingt schon jetzt gekonnt sein Lasso. Bei der Show am Samstag soll es noch besser aussehen.

Thomas, Sierk, Marco und Torben haben sich bereits entschieden: das Lasso hat es ihnen angetan. Vor dem Zelt schwingen und drehen sie ihre Seile durch die Luft wie Cowboys im Wilden Westen, gehen dabei in die Knie und laufen im Kreis. Trainerin Sandra Krämer muss die vier Jungs schon fast zu einer Pause zwingen, so emsig und konzentriert sind sie bei der Sache. „Es ist wirklich toll hier. In den Ferien ist mir sonst immer so langweilig“, erzählt Thomas, der die erste Klasse der Stephan-Gruber-Schule besucht. Sechstklässler Torben war schon bei dem letzten Ferienzirkus als Clown dabei, am Lasso sucht der Aueschüler nun eine neue Herausforderung. „Ihr müsst die Hände so bewegen, wie ihr euren Kakao rührt“, leitet Trainerin Sandra Krämer ihre Schützlinge an. Sie ist eine von sechs Trainerinnen und Trainern, die mit den Kindern die Kunststücke einstudieren. Am ersten Tag achten die Trainer aber erstmal darauf, dass jedes Kind mehrere Stationen ausprobiert.

200 Kinder trainieren in zwei Gruppen

Neben den Lassoschwingern bürsten Zweitklässlerin Alena und Drittklässlerin Elisa die Zirkushunde. Schließlich ist auch die Tierpflege ein wichtiger Bestandteil der Zirkusarbeit. „Wir gucken, ob die Hunde Zecken haben“, erklärt die Eppertshäuserin Elisa. In den nächsten Tagen werden die beiden Mädels zu Hunde-Dompteurinnen geschult.

Der Ferienzirkus hat bereits zum dritten Mal seine Zelte neben dem Sportzentrum Eppertshausen aufgeschlagen, der Andrang in diesem Jahr ist enorm. „Wir haben insgesamt 200 Kinder, die in zwei Gruppen trainieren, eine vormittags, die andere am Nachmittag“, erläutert Jugendpfleger Dennis Rühl. Sogar eine Warteliste gibt es. Mitorganisatorin Christiane Breunig von der Volksbank Eppertshausen verrät schon einige Höhepunkte der abschließenden Zirkusshow: „Wir haben einen Walzer tanzenden Esel, Luftakrobaten und Feuerspucker.“ Eingebettet wird die Vorstellung in eine Star-Trek Rahmenhandlung, bei der einzelne Kinder in die Rolle von Captain Kirk, Mr. Spock oder Lieutenant Uhura schlüpfen.

Heute beginnt für Eltern, Freunde und Verwandte der Vorverkauf für die Zirkusshow am Samstag, 14. April. Karten sind zu je fünf Euro direkt am Zirkuszelt am Sportzentrum in der Nieder-Röder-Straße in Eppertshausen zu bekommen.

„Es ist einfach ein überwältigendes Angebot für die Kinder“, meint der zweifache Vater und Artist Rocky Krämer. „Die Übungen sind teilweise ziemlich anspruchsvoll. Doch die Kinder sind zu viel mehr imstande, als sie denken.“ Auch die Bewegung tue ihnen natürlich gut und außerdem die Erfahrung, selbstständig etwas aufzubauen und zu präsentieren. Natürlich habe man als Trainer auch ein Stück weit pädagogische Aufgaben zu leisten, weiß Rocky, der indes versucht den Kindern so viel Freiraum wie möglich zu lassen. „Hauptsache, es gefällt den Kindern“, sagt er.

Die Rechnung geht auf: Als er die 100 Zirkuskinder zum Abschluss in der Manege zusammentrommelt, können es die meisten gar nicht mehr abwarten am nächsten Tag wiederzukommen. Doch fürs Erste müssen sich die Kinder mit drei Stunden Zirkus begnügen, die Nachmittagsgruppe steht schon in den Startlöchern.

Quelle: op-online.de

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