Wo Streifenhörnchen Fangen spielen

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Einige Eindrücke hat Daniela Anton in Sri Lanka schon gewonnen, weitere folgen. Auch die Weite des Landes hat es ihr angetan. Bei einer Safari beobachtete sie die heimischen Dickhäutern aus der Nähe.

Eppertshausen - Auf den Weg nach Sri Lanka hat sich die Eppertshäuserin Daniela Anton gemacht. Für zwei Monate ist die Studentin dort Praktikantin und kümmert sich im „Angels Home for Children“ in Marawila um Kinder, die Unterstützung brauchen. Nach wenigen Wochen in der Ferne berichtet Daniela Anton von Nachhilfestunden und einer Elefantensafari.

Als ich mich zum Interview mit der OFFENBACH-POST über meinen bevorstehenden Aufenthalt in Sri Lanka zusammensetzte, hatte ich noch kein klares Bild von dem Land, den Menschen und der Kultur, mit denen ich mich mittlerweile seit zwei Wochen auseinander setze.

Nun ist mein Kopf voller neuer Eindrücke und Erfahrungen: Dreiradtaxen, die auf dem Mittelstreifen dem Gegenverkehr entgegenrasen und permanent hupen, Kokosnussstände am Straßenrand, Warane und Streifenhörnchen, die nachts auf dem Plastikdach Fangen spielen, eine Unmenge neuer Geräusche und Gerüche und die Kinder und Fischer auf der Beach Road, die einem beständig winkend „Bye“ hinterher rufen, weil es das einzige englische Wort ist, das sie kennen. Sie freuen sich, wenn man antwortet, weil Weiße hier eine ziemliche Seltenheit sind.

Zu ihren Aufgaben als Praktikantin gehört auch das Spielen mit den Kindern.

Auch vom Land konnte ich schon einiges sehen, als ich direkt an meinem zweiten Tag in Sri Lanka mit vier weiteren Deutschen und einem Fahrer in Richtung Norden aufgebrochen bin. Neben dem Besuch eines buddhistischen Felsentempels und des ehemaligen Königsfelsens Sigiriya mit den Zeichnungen der Wolkenmädchen aus dem fünften Jahrhundert wird mir vermutlich vor allem die Elefantensafari im Minneriya Nationalpark im Gedächtnis bleiben, wo ich etwa 90 Exemplare der Dickhäuter beobachten konnte.

Aber das Wichtigste an meinen bisherigen Erfahrungen und der eigentliche Grund für meine Reise ist die Zeit, die ich mit den Kindern im „Angels Home for Children“ – einem Waisenhaus in Marawila – verbracht habe. Ihre anfängliche Schüchternheit, das alltägliche „Good afternoon everybody“, wenn sie in ihren weißen Kleidern von der Schule zurückkommen, ihr Lächeln, wenn man ihnen mit Händen und Füßen etwas erklärt, ihr Tanzen und Singen. Diese Eindrücke gehen weit über das hinaus, was man als Tourist über dieses Land erfahren kann.

Viele Schicksale und Geschichten

Die Kinder hier sind wirklich sehr liebenswert, auch wenn jedes der Mädchen schon vieles durchgemacht hat – ihr eigenes Schicksal und ihre eigene Geschichte zu erzählen hat. Diese Geschichten hören wir jedoch nicht oft, denn vielen der Kinder mangelt es leider noch an einer ausreichenden Schulbildung und an guten Englischkenntnissen. Auch wenn alle Kinder regelmäßig eine Schule besuchen, was in Sri Lanka keinesfalls selbstverständlich ist, fällt die Schule häufig aus oder Lehrer kommen nicht zum Unterricht. Hier im ,Angels Home‘ werden die Kinder nicht nur auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet – einige der Mädchen wollen sogar einmal auf die Universität gehen und Medizin oder Jura studieren – sondern ihnen werden auch die alltäglichen Dinge gezeigt, die sie von ihren Eltern nicht lernen konnten: Sie waschen ihre Wäsche, fegen den Hof und jede von ihnen hat ihre Aufgaben, die sie zu erfüllen hat.

Meine Aufgaben als Praktikantin im „Angels Home for Children“ sind sehr vielfältig. Neben den täglichen zwei Nachhilfestunden in Mathe und Englisch sind meine Aufgaben die Öffentlichkeitsarbeit für das „Dry Lands Project“, das sich ausschließlich durch Spenden finanziert.

Außerdem geht es als Praktikantin im „Angels Home“ auch darum, sich mit den Mädchen zu beschäftigen, mit ihnen zu spielen, zu basteln, zu lesen oder einfach nur zu reden – ein Luxus, den man in Deutschland vielleicht nicht mehr zu schätzen weiß. Ich bin unglaublich froh, diese Erfahrung hier in Sri Lanka machen zu können, einem Land, das mir gleichzeitig so fremd, aber doch auch schon so vertraut ist.

Quelle: op-online.de

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