Wo Strohhalme zu Drachen werden

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Die Liederkranzfrauen sorgen als Pizzabäckerinnen unter den Augen der Jugend für die nötige Stärkung.

Eppertshausen - Das Klassenzimmer im ersten Stock der Stephan-Gruber-Schule in Eppertshausen riecht irgendwie nach Stall. Genau genommen nach Stroh. Von Petrina Poley

Was auch kein Wunder ist, denn hier wird gerade mit Naturmaterialien gebastelt: Aus Bergen von duftendem, frischen Stroh bastelt der Nachwuchs des Ortes dekorative Drachen – beim Formen und Binden der Figuren hilft die ehrenamtliche Kursleiterin Rosi Schrod kräftig mit, beim Verzieren und Dekorieren sind der Fantasie der Grundschulkinder keine Grenzen gesetzt.

Mit Feuereifer sind sie dabei und präsentieren stolz ihre Werke: Außer den Strohdrachen wurden schon Tannenzapfenmännchen gebastelt und Fenstergirlanden, die einfache Dinge aus der Natur dekorativ in Szene setzen.

Der Blick fürs Wesentliche ist auch im Nebenzimmer gefragt. „Kleine Kunstwerke“ entstehen unter der Obhut von Gerhard Hammer. Aus Kronkorken, Scherben, Perlen, Knöpfen oder altem Spielzeug entwickeln die zwölf bis 14 Jahre alten Freizeitkinder ihre Motive, die erst probeweise auf Holz oder Karton gelegt und später fixiert werden. Auch aus Ästen und Wurzeln aus dem Wald entstehen fantasievolle Kunstobjekte. So konzentriert sind die jungen Künstler, dass sie sich durch einen interessierten Besucher gar nicht stören lassen.

Aus Stroh bastelt der Eppertshäuser Nachwuchs Drachen.

„Wasser“ lautet das Thema im nächsten Raum. Der große Wert dieses lebenswichtigen Elements wird von Kursleiterin Stephie Groh zunächst deutlich gemacht. Dann geht es um die physikalischen und chemischen Eigenschaften – natürlich immer spielerisch, denn hier forschen Grundschulkinder der ersten bis vierten Klasse. Mit zwei Spritzen und einem Schlauch entsteht eine Fernsteuerung, aus Aquapapier und Spüli ein „Motorboot“, Knetfiguren mit Styroporflossen sollen das Aquabassin bevölkern und ein weiterer Höhepunkt wird die Entwicklung eines automatischen Blumengießers sein.

Bei so viel Forschergeist und Kreativität bleibt der Hunger natürlich nicht aus: Wie gut, dass die Liederkranzfrauen des Männergesangvereins schon fleißig dabei sind, viele Pizzen mit Schmand, Tomaten, Salami und Käse zu belegen. Auf Wunsch gibt es natürlich auch vegetarische Pizza.

Die Pizzabäckerei hat mittlerweile Tradition – schon die zweite Generation der Liederkranzfrauen ist heute am Werk – und auch der Nachwuchs schnuppert schon mal hungrig in die Küche.

Finanziert werden die Pizzen für die hungrigen Freizeitkinder aus der „Frauenkasse“ der Liederkranzfrauen, unter anderem mit dem Erlös des Kartoffelpufferstandes beim Eppertshäuser Weihnachtsmarkt.

Auch für soziale Zwecke wie Krankenbesuche wird die Kasse geplündert, und schöne Ausflüge der Liederkranzfrauen werden damit ebenfalls unterstützt. „Wir sind eigentlich kein Chor, wir singen aus Fröhlichkeit und manchmal auch, um unsere Männer zu unterstützen oder bei Familienabenden“, wird verkündet, dann stehen wieder die Pizzen im Mittelpunkt des Interesses.

Quelle: op-online.de

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