Tapfere Mütter und nervöse Routiniers

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Rettungsassistent Harry Richter (rechts) zapft Mandy Jäschke einen halben Liter Blut ab.

Eppertshausen ‐ Dichtes Gedränge herrscht am Montagabend in der Mehrzweckhalle. Die Eppertshäuser wollen Gutes tun: Sie spenden Blut. „Wir haben immer so um die 100 Freiwillige und das dreimal im Jahr. Zum letzten Termin kamen sogar 150 Personen. Von Jasmin Frank

Da hatten wir uns ein besonderen Leckerbissen ausgedacht“, freut sich Brigitte Steinmetz, die in der DRK-Ortsgruppe Eppertshausen die Blutspenden-Verantwortliche ist.

Statt der üblichen Präsent-Tüten gibt es bei uns nämlich seitdem für jeden Blutspender ein halbes Hähnchen mit Pommes frites, sozusagen als Belohnung“, erzählt Steinmetz. So verwundert es kaum, dass sich schon vor dem offiziellen Beginn eine kleine Schlange gebildet hat. Darunter fällt eine Gruppe junger Frauen auf: Zwei von ihnen wirken etwas nervös. „Wir sind heute zum ersten Mal dran“, erzählt Nicole Beck und Freundin Sarina Gola gibt zu: „Wir sind schon etwas aufgeregt, von alleine wären wir wahrscheinlich nicht gekommen.“

Das Erscheinen der beiden Neulinge ist Anja Sengewald zu verdanken, die schon seit ihrer Jugend regelmäßig Blut spendet und das ganz selbstverständlich findet. „Ich bin in Sachsen-Anhalt zur Berufsschule gegangen und dort kam der Blutspendedienst immer in die Schule. So wächst man mit dieser Routine auf und jetzt mache ich es immer noch“, berichtet sie. Mit von der Partie ist auch Sohn Flo, der mit seinen sieben Jahren den Einsatz seiner Mama gut beurteilen kann: „Ich finde sie sehr tapfer und freue mich schon auf die Pommes.“

Vor der Spende geht´s zum Gesundheits-Check

Wer das nächste Mal mit dabei sein will, kann sich hier über Ablauf und Termine informieren.

Ein Stück hinter der Gruppe steht ein Routinier in Sachen Blut abzapfen. „Ich komme aus Rödermark und bin für meine 138. Spende hier. Ich hoffe, dass es heute klappt. Ich habe einen leicht erhöhten Blutdruck, wahrscheinlich vom ‚Weißkitteleffekt’: Kaum sieht man den Arzt, ist man ein bisschen aufgeregt und der Blutdruck steigt“, erläutert Karl-Heinz Wiedenmann. Bevor der rote Lebenssaft aus der Ader gelassen wird, muss der potentielle Spender erst einmal untersucht werden. Zunächst ist ein Fragebogen auszufüllen, dann geht es zu einem kurzen Gesundheits-Check zum Arzt, wo unter anderem Fieber und Blutdruck gemessen werden. Danach kommt man mit einem bisschen Blut ins Labor, wo der Hämoglobinwert gemessen wird und wenn das alles geschafft ist, darf man auf die Liege. Alles in allem muss man sich schon eine gute halbe Stunde Zeit nehmen, was aber keiner der Anwesenden als zu lange beurteilt.

Alle Blutspenden werden bei Operationen eingesetzt

Viele nehmen den Zeitaufwand gerne in Kauf, manche kommen gemeinsam, andere, die alleine da sind, nutzen die Wartezeiten für ein kleines Gespräch. Auch der Imbiss im Anschluss führt dazu, dass das Blutspenden einen geselligen Rahmen bekommt“, meint Eric Max, Werbereferent des DRK-Blutspendendienstes Baden-Württemberg und Hessen. So sieht man auch nach einiger Zeit Wiedemann wieder, der froh ist, dass sein Blutdruck dieses Mal mitgespielt hat, bei einer gepflegten Unterhaltung. Eric Max erörtert indes, wie wichtig die flüssigen Konserven sind: „Alle Blutspenden werden bei Operationen eingesetzt, den größten Anteil machen Krebspatienten aus, denn bei Tumoroperationen kommt es zu besonders starkem Blutverlust.

Max unterstützt auch kleine Aktionen der Ortsgruppen, die diese sich einfallen lassen, um die Spendenbereitschaft der Menschen zu vermehren. An diesem Abend werden unter allen Spendern drei Apothekengutscheine über je 20 Euro verlost, über die sich Thomas Mann und Alireza Zahedi aus Eppertshausen sowie Rolf Schaadt aus Rödermark freuen. Insgesamt waren 118 Spender erschienen, davon sechs Erstspender.

Quelle: op-online.de

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