Taschen aus Tüten

+
Was aus indischen Plastiktüten werden kann, ist im Weltladen zu sehen.

Eppertshausen - (ale) „Neben Sunita donnert der Verkehr Delhis vorbei, doch sie lässt sich davon nicht beeindrucken. Ein ums andere Mal bückt sie sich, um dünne Plastiktüten aus dem Müll zu klauben, der am Straßenrand liegt. Diese dünnen Plastiktüten werden täglich millionenfach ausgegeben.

Das Material ist so minderwertig, dass sie kaum mehr als einmal benutzt werden können, und so landen sie in riesigen Mengen im Müll, der meistens einfach an den Straßenrändern abgeladen wird“, schreibt der Eppertshäuser Weltladen in einer Pressemitteilung.

Dass man etwas daraus machen kann, sieht man an den Taschen, die der Weltladen von seinem neuen Partner, Conserve India, in sein Sortiment aufgenommen hat. „Diese unglaubliche Masse von Plastiktüten ist eines der größten Umweltprobleme, das wir in Delhi haben“, erläutert Anita Ahuja, Leiterin der Umweltschutzorganisation Conserve India, die sich mit Energieverbrauch, Gewässerschutz und Müll befasst. Ihre kleine NGO kämpft seit Jahren gegen die ständig wachsenden Müllberge der indischen Hauptstadt.

Anitas Mann Shalabh, der Ingenieur ist, entwickelte ein geheimes und patentiertes Verfahren, in dem aus den Tüten unter Druck und Hitze eine robuste, Wasser abweisend Folie entsteht. Aus diesem neu entwickelten Material lassen sich Taschen, Schuhe, Mauspads und sogar Regenjacken fertigen. „Auf diese Weise ist es uns gelungen, den Plastikmüll an den Straßenrändern Delhis zu reduzieren und gleichzeitig benachteiligten Frauen ein Auskommen zu geben.“

Mehr Infos zu Conserve und Taschen gibt’s im Weltladen am Franz-Gruber-Platz. Er hat von Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr (außer Mittwochnachmittag), sowie samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Seitdem Sunita für Conserve Plastiktüten sammelt, bekommt sie jeden Monat einen Lohn von umgerechnet 56 Euro – das sind 13 Euro mehr als der sonst üblicherweise bezahlte Mindestlohn. „Seitdem Sunita für Conserve arbeitet, bekommt sie nicht nur mehr Geld als früher, sondern es wird auch pünktlich und zuverlässig bezahlt. So kann sie ihre Kinder regelmäßig zur Schule schicken“, erklärt Klemens Euler von der Weltladengruppe.

Die von Sunita gesammelten Tüten werden in der Außenstelle von Conserve zunächst sortiert, dann zugeschnitten und gewaschen. Anschließend wird das Plastik in der Sonne getrocknet. Es gibt über 100 Farbschattierungen, in denen die Tüten ausgegeben werden.

Quelle: op-online.de

Kommentare