Tausende Kilometer ohne platten Reifen

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4500 Kilometer hat Hubert Schledt bereits im Sattel seines Fahrrads auf dem Jakobsweg zurückgelegt.

Eppertshausen - „Peregrino para los niños huerfanos en Belene“, zu deutsch „Ich pilgere für Waisenkinder aus Bethlehem.“ Das steht auf dem T-Shirt zu lesen, das Hubert Schledt trägt. Von Friedel Seib

Wenn es um den Jakobsweg geht, macht dem Eppertshäuser so schnell keiner etwas vor: Er kennt auf der mit einer kleinen Muschel an Schildern und Bäumen markierten Strecke im Norden Spaniens jeden Stein – es ist bereits das vierte Mal, dass er nun Richtung Santiago de Compostela aufbricht.

Von Beruf Lehrer, hat eine Schülerin mit spanischem Hintergrund ihn durch Erzählungen vom Pilgerweg begeistert. Bei seiner ersten Tour im Jahr 2004 (2 500 Kilometer mit dem Fahrrad, Start in Südfrankreich) hat Hubert Schledt dann die Oma der Schülerin in der Nähe der westspanischen Stadt Ourense besucht und Grüße der Verwandtschaft aus dem fernen Deutschland überbracht.

Erlebnisse bei seinen Reisen gibt es unzählige. „Immer wieder aufs Neue beeindrucken mich die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ich in Spanien angetroffen habe“, sagt Schledt. Menschen aus aller Herren Länder seien auf dem Pilgerweg anzutreffen. Beeindruckendes Detail: Trotz insgesamt 4 500 Kilometer im Sattel auf häufig nicht unbedingt gut ausgebauten Straßen hat ihn noch nie das Schicksal eines platten Reifens ereilt.

Geschlafen wird in sogenannten Refugien, das sind Übernachtungsstätten, noch aus Zeiten des mittelalterlichen Pilgerweg. Freiwillige, ehrenamtliche Jakobspilger aus vielen verschiedenen Ländern sorgen für Betreuung, bei kostenfreier Übernachtung. „Pilger zu Fuß haben Vorrang vor Radfahr-Enthusiasten“, erzählt Schledt. „Eine Schläfer-Spende ist Ehrensache.“

Albergue, Jugendherbergen oder private Unterkünfte mit festen Kosten, sind ebenfalls mögliche Schlafstätten. „Es ist schon passiert, dass ich völlig alleine oder aber mit 80 anderen Pilgern den Schlafsaal geteilt habe.“ Am liebsten ist er in den Monaten Mai und Juni unterwegs; von Minus einem bis plus 40 Grad auf dem Thermometer waren schon sämtliche Temperaturgrade vertreten.

Das Problem, sich verfahren zu haben, hatte er, wie den platten Reifen, noch nie. „Die Wege sind hervorragend mit der Jakobsmuschel oder dem gelben Pfeil markiert.“ Und sollte es doch einmal passieren, käme er mit seiner Muttersprache prima zurecht: In der Nähe der Stadt Zamora erklärt ihm eine Frau in einem Café auf Deutsch den Weg – sie habe in Deutschland gearbeitet, erzählt sie. Auf Schotterpiste zum nächsten Dorf, bestehend aus fünf bis zehn Häusern. „Dort habe ich einen Bauern nach dem Weg gefragt und war überrascht, dass er ebenfalls deutsch sprach“, erzählt Schledt. Der Mann war als Koch bei Bonn beschäftigt.

Im nächsten Dorf trifft er auf einen fahrenden Bäcker; gleiche Frage, auf Deutsch beantwortet; 15 Jahre bei Audi gearbeitet. So manches Missverständnis wird ohnehin zur Anekdote: Flugs verfrachtete ein Bauer, den er ebenfalls nach dem Weg fragte, das Fahrrad des Eppertshäusers auf seinen Wagen – er hatte verstanden, dass der Deutsche zum örtlichen Bahnhof mitgenommen werden wollte.

Eine Selbstverständlichkeit ist die Verpflegung mit allem Notwendigen, etwa Lebensmitteln. „Bei einem süffigen Tinto, einem Rotwein, kann das aber ein Vergnügen sein“, sagt Schledt schmunzelnd. In deutlich größeren Mengen ist aber Wasser, vor allem bei hohen Temperaturen, eine Grundvoraussetzung.

Denn die Radelei ist anstrengend: Schledts aktuelle Tour steigt von 300 bis 1 609 Meter über dem Meeresspiegel, ist also nicht gerade einfach.

Doch denkt der Eppertshäuser nicht nur ans Radeln: Hunderte von Bildern hat der begeisterte Hobbyfotograf schon geschossen, von denen er viele bereits bei öffentlichen Vorträgen gezeigt hat. Romanische Kirchen im Hinterland sind eines der bevorzugten Motive des Pädagogen.

Hubert Schledt hat seine vierte Pilgerreise zu einer ganz besonderen gemacht: Sponsoren können einen Centbetrag pro Kilometer festlegen. Rund 1 200 Kilometer sind in der Planung. Jede Station wird per Bild dokumentiert und das „erfahrene“ Geld direkt an den Verein „Musaade – Hilfe für Bethlehem“ in Straubing, weitergegeben. Karmeliterpater Rainer, den Hubert Schledt bei seiner dritten Pilgerfahrt kennen gelernt hat, wird den vollen Betrag an das Baby-Hospital in Bethlehem zur Unterstützung von Waisenkindern weitergeben.

Quelle: op-online.de

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