Team aus Eppertshausen bei „Allgäu-Orient-Rallye“

Abenteuer mit einer Prise Wohltat

+
Die drei Oldtimer des Teams „KAMELion“ beim Sonnenuntergang in der israelischen Wüste. Die Gruppe hatte Glück mit ihren Fahrzeugen: Ein Audi ist langsam, aber sicher einen mechanischen Tod gestorben, aber hielt trotzdem bis zum Ende der „Allgäu-Orient-Rallye“ durch.

Eppertshausen - In einem Audi-100-C4-Oldtimer haben die Eppertshäuser Meike Hennlein (29) und Fabian Tenzer (28) die „Allgäu-Orient-Rallye“ absolviert. Von Jens Dörr

Sie gehörten dabei einem Sechserteam mit dem Namen „KAMELion“ an, in dem in zwei weiteren alten Autos ihre Freunde Bernhard Simon (31, Mühlheim), Laura Voss (34, Maintal), Johannes Feldmann (27) und Nina Berlet (25, beide Bad Homburg) mitfuhren. Die Fahrt von Oberstaufen bis nach Jordanien stand für sie wie für 900 weitere Rallye-Teilnehmer in 450 Autos unter dem Motto „Abenteuer mit einer Prise Wohltätigkeit“ (wir berichteten). Inzwischen sind die sechs jungen Leute wohlbehalten zurück – und haben von ihren Erlebnissen berichtet.

Hennlein, Tenzer und Co. über ...

... die letzten Wochen vor dem Start:

Für uns war der Zuspruch und die Unterstützung bei diesem Projekt total überraschend. Unsere Sponsoren, Familie und Freunde waren der Knaller. Überraschungen gab es sonst immer mal wieder bei den Autos, allerdings alles im Rahmen. Da hat halt mal einer Kühlwasserverlust oder eine spritzende Servopumpe.

... ihre Route bis zum Ziel:

Nach dem Start in Oberstaufen ging es nach Österreich mit der ersten Übernachtung bei Freunden in Graz. Dann kamen Ungarn, Rumänien und die zweite Übernachtung. In Rumänien mussten wir einmal wieder 100 Kilometer zurück fahren, weil wir nicht wussten, dass hinter der bulgarischen Grenze eine Maut-Brücke auf uns wartet (mautpflichtige Strecken waren bei der Rallye ebenso wie Navigationsgeräte verboten, Anm. d. Red.). Danach ging es nach Serbien, um mautfrei nach Bulgarien zu kommen, Bulgarien mit dem Besuch im Kinderheim und dann elf Nächte in der Türkei. Es folgten Flug und Überführung der Autos per Fähre nach Israel, wo wir drei Nächte waren – in Tel Aviv, in der Wüste und in Jerusalem. Es folgten vier Nächte mit Wüste und Totem Meer in Jordanien und dem Abschluss in Wadi Rum. Nach der Rallye sind wir noch ein paar Tage in Jordanien geblieben.

... das Vorwärtskommen ohne Navi und Autobahn-Nutzung:

An sich ist Navigieren mit Karte eine richtig gute Sache. Man weiß immer, wo man ist, man verfolgt alles und kann sich besser merken, wo man lang gefahren ist. Über Landstraßen zu fahren zeigt einem das Land, wie es wirklich ist. Allerdings hat uns Bulgarien wahnsinnig gemacht: Wir sind dort im Regen und bis tief in die Nacht hinein gefahren und die Beschilderung war eine Katastrophe. Die Einheimischen waren meist auch keine große Hilfe.

... technische Probleme mit den Autos:

Wir hatten unfassbar viel Glück. Es gab in anderen Teams Getriebeschäden, gebrochene Lenker, Kühlsystemprobleme und und und ... Wir hatten einen Platten in Rumänien. Und ein Audi ist langsam, aber sicher einen mechanischen Tod gestorben – er hat’s aber bis zum Ende geschafft.

... die interessantesten Aufgaben, die während der Rallye zu bewältigen waren:

Wir brauchten den Aufkleber einer Brauerei an einem ganz besonderen Ort – und nahmen ein Auto der Grenzpolizei. Kurios war unser ,Carbecue’: Wir mussten auf unseren Motoren grillen. Lief gut mit Sucuk, Paprika, Zucchini und Feta. Es war auch tatsächlich sprachlich teilweise eine Herausforderung. Viele haben kein Englisch gesprochen.

... den Besuch im bulgarischen Waisenhaus:

Wir haben dort vor allem Klamotten und Schuhe gespendet, die Freunde und Bekannte gesammelt hatten. Außerdem haben wir bei unserer Veranstaltung in Darmstadt so viel Zuspruch bekommen, dass wir uns entschieden haben, noch ein Gerät zur Magnetfeld-Therapie für behinderte Kinder zu spenden. Für das Heim sehr wichtig, da mit diesem Gerät die Beweglichkeit bei körperlichen Behinderungen verbessert wird. Außerdem haben wir alles, was wir nicht wieder mit nach Hause nehmen wollten, am Ende in einem SOS-Kinderdor in Aqaba abgegeben.

... das Zusammensein im Team und mit dem Partner über so viele Stunden und Tage auf engstem Raum:

Unerwarteterweise ist das sehr gut gelaufen. Jeder von uns war kompromissbereit, so sind wir meist schnell zu einer Entscheidung gekommen. Die zwei Paare sind immer noch Paare und die anderen beiden mögen sich auch noch. Die Ordnung im Auto hat allerdings doch das ein oder andere Mal zum Grummeln geführt. Grundsätzlich fanden wir uns aber alle ekelhaft harmonisch.

... die persönlichen Höhepunkte nach den Etappen:

Wir haben vor allem im Auto sowie im Zelt übernachtet. Ein Highlight war definitiv der Chai bei Veysel (Türkei). Wir wollten tanken, aber es gab nur Gas. Es kamen drei Hunde auf uns zugerannt und ein älterer Mann, der erstmal sehr grimmig aussah. Kurze Zeit später haben wir verstanden, dass er uns zum Tee einladen will. Er konnte kein Wort Englisch oder Deutsch, wir nur Wörterbuch-türkisch. Hat geklappt und war eine ganz besondere Erfahrung. Außerdem waren natürlich Istanbul, Tel Aviv und Jerusalem unglaublich interessante Städte. Der Le-Mans-Tour-Start in Ankara hat uns natürlich voll unter Adrenalin gesetzt. Die Wüsten-Party in Israel oder das traditionell jordanische Essen mit einem jordanischen Stamm waren alle auf ihre Art und Weise erzählenswert und besonders.

... die Ankunft am Zielort in Jordanien:

Am Zielort in Wadi Rum hat vor allem erstmal eine Menge Spaß im Sand auf uns gewartet. Da reizt man das Auto noch mal anders aus. Außerdem gab’s auf einer Erhöhung einen super Sonnenuntergang. Später Abendessen, die Siegerehrung, Musik und die letzte Nacht im Auto.

... (un)erfüllte Erwartungen:

Man ist überladen mit Erfahrungen und Bildern, die man nicht verarbeiten kann. Das alles kommt jetzt langsam, wenn man sich unterhält und sich die Bilder zurück ins Gedächtnis ruft oder Videos guckt. Was definitiv unsere Erwartungen übertroffen hat, ist das Durchhaltevermögen unserer Autos – und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Einheimischen, insbesondere der Türken. Unfassbar. Für eine Rallye, die in diesem Stil aufgezogen ist, könnte die Organisation etwas präziser und ausgeprägter sein. Oft musste man doch noch mal fragen oder hinterher rennen. Allerdings dachten wir, dass wir etwas mehr Gestaltungsspielräume während der Rallye haben.

... das, was man vom Rallyeabenteuer für den persönlichen Lebensweg mitnimmt:

Man merkt, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Dies zeigt sich vor allem im Lebensstil der Einheimischen und darin, mit wie wenig man selbst im Auto unterwegs ist. Man lernt die deutschen Tugenden zu schätzen und merkt, welchen Luxus man eigentlich im täglichen Leben genießt.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare