Telekom vertröstet Telefon- und Netzkunden seit Wochen

Rathaus und Post ohne Anschluss

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Jörg Both, Filialleiter der Postagentur am Franz-Gruber-Platz, hat sein Festnetztelefon nur fürs Bild am Ohr: Zu hören ist darauf seit zwei Wochen nichts. Auch sein Internet ist tot.

Eppertshausen - Die Verwaltung im Rathaus ist seit Tagen ohne Telefon und nur per E-Mail erreichbar. Seit über zwei Wochen gar hat die Postfiliale am Franz-Gruber-Platz weder Telefon noch Internet, ist also nur zu Fuß erreichbar. Von Thomas Meier 

Schuld am desaströsen Zustand in beiden Fällen: die Telekom. Wann das Dilemma beendet sein wird, weiß nicht einmal der Bürgermeister zu sagen. „Aufgrund von technischen Störungen ist die Gemeindeverwaltung derzeit leider telefonisch nicht erreichbar. Sie erreichen uns in dringenden Fällen per E-Mail an gemeinde@eppertshausen.de oder an die jeweiligen Fachbereiche.“ Diese kurze Nachricht unter der Überschrift „Technische Störungen“ informiert auf der Homepage der Gemeinde. Direkt unter „Herzlich willkommen in Eppertshausen“. Nur: Wer kein Internet hat oder nicht auf die Idee kommt, dort nachzuschauen, warum denn bei Anrufversuchen seit Tagen nur das Besetzzeichen ertönt, hat wenig von dieser Nachricht.

Wichtige andere Behörden und Kontakte informierte die Gemeinde per elektronischer Post von der „Unanrufbarkeit“, aber „die Bürger, die uns erreichen wollen, können wir freilich nicht vom Missstand unterrichten“, sagt Melanie Hartig, stellvertretende Fachbereichsleiterin Organisation, Personalangelegenheiten, Öffentlichkeits- und Pressearbeit im Rathaus.

Melanie Hartig hat wenigstens noch per Internet im Rathaus die Möglichkeit, auf Leute zu reagieren. Das Telefon geht nicht.

Keiner der 16 Bediensteten im Rathaus ist erreichbar, es sei denn, der Anrufer kennt die private Handynummer des jeweiligen Mitarbeiters. Auch Fax-Bemühungen sind umsonst. Bürgermeister Carsten Helfmann weiß um die für die Gemeinde peinliche Situation. Und er erklärt sogleich, dass nicht etwa die eigene Telefonanlage Schuld an der Nichterreichbarkeit ist. Auch wenn er selbst erst in seinem Haushaltsentwurf für 2018 den Posten über 23 000 Euro für eine neue Telefonanlage begründete: „Die Anlage ist zwölf Jahre alt, einige Telefone sind recht altersschwach und die Anlage kann vieles nicht, was heute selbstverständlich ist.“ Nein, es ist die Telekom, die laut Helfmann „scheinbar den Fehler nicht findet.“ Denn freilich versuchte der Verwaltungschef, den Leitungsanbieter auf Trab zu bringen, „aber bisher vergebens.“ Zwar habe die Gemeinde schon Genehmigungen für Reparaturbauarbeiten auf dem Gruber-Platz erteilt, „doch bislang rührte sich nichts.“

Noch schlimmer sieht sich Jörg Both, Filialleiter der Postagentur am Franz-Gruber-Platz, betroffen. Er kann nicht mal über eine Homepage oder per E-Mail jemanden darüber unterrichten, dass sein Geschäft seit über zwei Wochen telefontechnisch und via Internet tot ist: „Nichts geht. Wer nicht zu uns läuft, erfährt nichts. Und das geschieht einer Poststation in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts.“

Die absolut nötigen Geschäftstelefonate, die Both führen muss, gehen über sein Privathandy. Und muss etwas per E-Mail raus, begibt sich der Eppertshäuser in seine Wohnung und nutzt den Privat-PC. „Ein untragbarer Zustand“, sagt er.

Strahlende Besucher auf der Kerb in Eppertshausen: Bilder

Von Zuhause aus informierte er auch die Telekom. „Immer wieder. Jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag speist man mich mit dem Versüprechen ab, man arbeite daran,“ berichtet der Geplagte. „Einmal sagte mir ein technischer Telekom-Mitarbeiter als ich von daheim anrief, es müsse jemand im Laden am Gruber-Platz ans Telefon, sonst könne man nicht die Leitung nach Schäden überprüfen. Ich eilte ins Geschäft, tat wie geheißen, um dann die Bandnachricht zu erhalten, dass ich einen Rückruf verpasst hätte. Und dann war die Leitung auch schon wieder tot.“

Dass Both noch nicht völlig verzweifelte, hält er dem Umstand zugute, dass er als Privatmann schon mal Ärger mit der Telekom hatte und den Telefonanbieter wechselte. „Ich zog aber später um und landete wieder bei der Telekom, weil’s nicht anders ging. Mit der Zeit wird man hartgesotten“, sagt er lakonisch.

Der Bürgermeister freut sich derweil auf den Weihnachtsmarkt am Wochenende auf dem Gruber-Platz: „Da kommen dann ganz viele Leute hier zusammen, von denen sicher etliche Erklärungsbedarf haben, warum das Amt nicht antwortet.“

Quelle: op-online.de

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