Teure Miete für letzte Ruhestätte

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Wiesen- und anonyme Gräber werden immer beliebter. Der Gemeinde bleibt die Grünanlagen-Pflege.

Eppertshausen ‐ Kein erfreuliches Thema, das die Gemeindevertreter Ende des Jahres beschließen mussten und das in diesem Jahr noch so manchen Bürger teuer zu stehen kommen wird: die Erhöhung der Friedhofs- und Bestattungsgebühren. Von Thomas Meier

„Zu diesem wichtigen und sehr sensiblen Tagesordnungspunkt galt im Gemeindeparlament kein Fraktionszwang, ein jeder Gemeindevertreter stimmte für sich persönlich ab“, befand Bürgermeister Carsten Helfmann später. Einem Dutzend Ja-Stimmen standen fünf Nein- und eine Enthaltung bei der Verabschiedung der Friedhofsgebührensatzung gegenüber, und bei den Ja-Stimmern dürften etliche drunter gewesen sein, die ihr Votum nur zähneknirschend abgaben.

In Eppertshausen wird in diesem Jahr die vierte Urnenwand gestellt werden.

Eine fatale Entwicklung nahm in den vergangenen Jahren rasant Fahrt auf, ein Stopp ist nicht in Sicht. Kostete eine Tiefgrabstelle vor zehn Jahren nur etwa 300 Euro, wenige Jahre später das Doppelte, dann 900, vergangenes Jahr bereits stolze 1230 Euro, so müssen Hinterbliebene ab sofort 1640 Euro dafür auf den Rathaustresen legen. Günstiger kommt der Erwerb von Nutzungsrechten für kleinere, weniger aufwändige Grabstätten. Beispielsweise wurde die Gebühr für ein Reihengrab zwar auch von 383 Euro auf 498 Euro angehoben, doch liegt die Gemeinde damit im Vergleich eher im Mittelfeld.

Forderung der Kommunalaufsicht ist nicht neu

Doch ist auch dort das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Grund fürs ständige Teurerwerden der Bestattungen: Zwar hat die Kommunalaufsicht des Landkreises den Haushalt der Gemeinde für 2010 genehmigt, doch nur mit der Auflage, beim Gebührenhaushalt Bestattungswesen „schnellstmöglich“ einen Kostendeckungsgrad von 85 Prozent anzustreben. Damit ließen sich die Politiker 2010 praktisch bis auf den allerletzten Drücker Zeit.

Dir Forderung der Kommunalaufsicht ist dabei nicht neu. Bereits im Dezember 2009 hatten sich Eppertshausens Entscheidungsträger mit den Friedhofsgebühren auseinander zu setzen, sollten sie auf 75 Prozent der errechneten anfallenden Kosten anheben. Daraufhin geschah auch einiges auf Verwaltungsebene, aber wohl längst nicht ausreichend.

Ende 2010 wurden die Maßnahmen dahingehend überprüft, in wieweit die Forderung zur 85-prozentigen Kostendeckung beim Gebührenhaushalt Friedhof erreicht wird. Die Auswertung ergab: „Der Deckungsgrad im Produkt Friedhof liegt derzeit bei 45,34 Prozent.“

Die beiden kommunalen Friedhöfe (der alte im Ort und der 1997 eingeweihte Waldfriedhof am Ostrand) im Haushalt einzig als „Produkt“ anzusehen, fällt etlichen, vor allem altgedienten Politikern schwer. Es könne doch nicht angehen, dass da Bürger 70 bis 80 Jahre in Eppertshausen gelebt und stets ihre Steuern entrichtet hätten, und dann nicht einmal kostengünstig, geschweige denn umsonst unter die Erde kämen, so die Bedenken einiger. Andere halten dagegen, für wen ein Grabstein 6000 bis 7000 Euro kosten dürfe, für den könne man auch 100 Prozent an anfallender Friedhofsgebühr verlangen.

„Potenzial im Bereich der Friedhofsunterhaltung“

Fakt für die Politiker indes ist: Um der Auflage der Kommunalaufsicht nachzukommen, war eine Gebührenanhebung unumgänglich. Da jedoch bei einer kostendeckenden Gebühr im Bereich der Bestattung die Auflage der Kommunalaufsicht nicht erfüllt werden kann, war darüber hinaus auch eine Anhebung der Gebühren für die Nutzung der Grabstellen nötig.

Und die Verwaltung errechnete, dass sowohl der Zins für die Grabstelle plus Nutzungsgebühr nicht ausreichen, 85 Prozent der für die Gemeinde entstehenden Kosten zu decken. Es muss auch noch bei den Aufwendungen für die Friedhöfe gespart werden, sprich: Personal gilt es hierfür zu reduzieren.

Hauptamtsleiter Dieter Hüllmandel: „Potenzial sieht die Verwaltung im Bereich der Friedhofsunterhaltung“. Eine Analyse der 2010 angefallenen Arbeitsstunden habe ergeben, dass für den Alten Friedhof 811 Stunden für allgemeine Arbeiten, darunter 107 für Bestattungen, angefallen seien, auf dem Waldfriedhof 1082 Stunden (321 für Bestattungen). Hier sei man dabei, effektivere Arbeitsabläufe zu organisieren. So habe man bereits die Friedhofsabteilung aufgelöst und die beiden dort beschäftigten Mitarbeiter dem Bauamt zugeschlagen. Arbeitseinsätze auf den Friedhöfen fänden jetzt als konzertierte Aktionen statt. Zudem soll der neue Rasenmäher, die für 40 000 Euro bestellt ist, helfen, Personalkosten einzusparen.

Quelle: op-online.de

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