Eppertshausen erhöht Friedhofsgebühren

Teure(re) Totenstätte

Die Eppertshäuser Gemeindevertreter haben neue – meist höhere – Friedhofsgebühren beschlossen. Das Foto zeigt den Alten Friedhof.
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Die Eppertshäuser Gemeindevertreter haben neue – meist höhere – Friedhofsgebühren beschlossen. Das Foto zeigt den Alten Friedhof.

In Eppertshausen steigen die Friedhofsgebühren. Denn der Teilhaushalt wies in diesem Bereich eine deutliche Unterdeckung auf. Aber es gibt auch Gebührensenkungen. 

Eppertshausen – Zu den wichtigsten Aufgaben der Kommunalaufsicht des Landkreises Darmstadt-Dieburg gehört das Durchleuchten (und im guten Fall das Genehmigen) der Haushaltsentwürfe, die zuvor Stadtverordnete und Gemeindevertreter in den 23 Städten und Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg beschlossen haben. Dabei schaut die dem Landrat unterstellte Abteilung auch darauf, inwiefern die Kommunen ihre Gebühren kostendeckend erheben.

Bei vielen Haushalten wies die Aufsicht in den vergangenen Jahren darauf hin, dass im Friedhofs- und Bestattungswesen Ausgaben und Einnahmen nicht (mehr) zusammenpassen. So auch in Eppertshausen, wo man reagierte, kalkulierte – und die Gemeindevertreter von CDU, SPD und FDP nun neue, meist höhere Gebühren beschlossen haben.

Im Frühjahr stellte die Unternehmensberatung KalusControl (Steinau an der Straße) im Auftrag der Gemeinde eine Berechnung vor. Sie zeigte die Höhe auf, die die neuen Gebühren für die unterschiedlichen Dienstleistungen im Eppertshäuser Bestattungswesen in den Jahren 2021 bis 2023 haben müssten, um die für diesen Zeitraum kalkulierten Ausgaben zu hundert Prozent zu decken. Zuletzt hatte der Deckungsgrad in Eppertshausen bei nur 69 Prozent gelegen. Dies hatte die Kommunalaufsicht angemahnt, ohne dem vorgelegten Gesamthaushalt deshalb ihre Zustimmung zu verweigern. Schließlich schrieb die Gemeinde unterm Strich schwarze Zahlen, war die Unterdeckung im Teilhaushalt so zu tolerieren.

Trotzdem folgte die Gemeinde dem Rat der Aufsicht, sich hinter die Neuberechnung der Gebühren zu klemmen. Eine undankbare Aufgabe für die Verwaltung wie für die politischen Gremien. War doch von Beginn an klar, dass man die eigenen Dienstleistungen für die Eppertshäuser Bürger würde verteuern müssen, um künftig kostendeckend zu arbeiten. Wie es nun auch gekommen ist, mit wenigen Ausnahmen.

Zu diesen Ausnahmen zählt der besonders sensible Bereich totgeborener Kinder und Föten sowie verstorbener Kleinkinder. Wird ein Kind tot geboren, kostet seine Bestattung in den kommunalen Ruhestätten künftig zwar 220 statt 200 Euro. Rechnerisch hätte die Gemeinde hier aber 432 Euro erheben müssen. Die 30-jährige Nutzung eines Reihengrabs auf dem Waldfriedhof kostet Eltern eines solchen „Sternenkinds“ künftig sogar wesentlich weniger: 250 statt bisher 400 Euro. Bei verstorbenen Kindern unter sechs Jahren reduziert sich die Bestattungsgebühr noch massiver, von 800 auf 320 Euro. Hier wären 635 Euro kostendeckend gewesen.

Für die Angehörigen ist derlei zwar ein schwacher Trost – und doch eine Geste der Ortspolitiker, solch schlimme Schicksale nicht auch noch zum Ausgleich eines Teilhaushalts heranzuziehen. Dies tun stattdessen mehr oder minder die meisten anderen Bereiche der Friedhofsgebühren; sie finanzieren Zugeständnisse wie die beschriebenen quer. Die Steigerungen fallen teils heftig aus. Beispiel: Bisher kostete die Nutzung eines Reihengrabs auf dem Waldfriedhof bei Verstorbenen im Alter ab sechs Jahren für den Gesamtzeitraum 500 Euro. Künftig sind es 1 470 Euro. Das deckt annähernd die gesamten anfallenden Kosten ab.

In der Summe sollen die neuen Gebühren im Eppertshäuser Friedhofs- und Bestattungswesen die Ausgaben in den nächsten Jahren rechnerisch wieder zu 98 Prozent finanzieren. Insgesamt geht es in diesem Teil des kommunalen Haushalts dann sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite um rund 200 000 Euro. Mit diesem Jahresbudget hält die Gemeinde die gesamte Infrastruktur mit Waldfriedhof, Altem Friedhof, Trauerhalle, Kapelle und Aufbahrungsraum aufrecht. (Von Jens Dörr)

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