Den Braten gleich zweimal serviert

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Die Theatergruppe der Germania brilliert mit einem Schwank, in dem man dem Opa besser nicht traut. Als widerspenstiger und dennoch sympathischer Großvater präsentierte sich Hans Müller (links, im Bild mit Sigrid Belzer) in dem Stück „Traue keinem Opa“, das die Theaterabteilung des Gesangverein Germania zweimal auf die Bühne der Bürgerhalle brachte.

Eppertshausen - Die Gesangs- und die Theaterabteilung der Germania prägt ein wesentlicher Unterschied: Werden beide für ihre Leistungen gefeiert, können die Sänger noch eine Zugabe geben. Beim Theaterspiel ist das verständlicher Weise nur schwer möglich. Von Michael Just 

So blieb den Mimen jetzt aufgrund des begeisterten und langanhaltenden Applauses nur die Möglichkeit, sich mehrfach zu verbeugen und die Ovationen zu genießen. Zuvor hatten die acht Hobby-Schauspieler mit dem Stück „Traue keinem Opa“ eine Leistung abgeliefert, die für ein Laientheater nur schwer zu überbieten ist. In dem Schwank von Dieter Adam geht es um einen Opa (Hans Müller), dessen Familie über seinen Kopf beschließt, ihn in ein Altersheim abzuschieben. Vor allem seine giftigen Schwiegertöchter (Gisela Belzer und Monika Seitel), wollen ihn loswerden. Doch die Rechnung geht nicht auf: Mit Hilfe seiner Schwiegertochter (Sigrid Belzer) durchkreuzt der Opa quietschfidel und voller Elan alle Pläne.

Schon vor den Sommerferien startete die Riege mit den ersten Vorbereitungen, damit die humorvollen Dialoge und Szenen des Dreiakters perfekt sitzen. Detailverliebt wurde auf der Bühne sogar richtig gegessen: So durfte sich Armin Müller zweimal über einen ganz frischen Schweinebraten mit Knödeln samt hausgemachtem Rotkraut freuen. Das Essen spendierte Jürgen Gotthold, dessen Frau Rita ebenfalls zur Schauspieltruppe gehört. Der 55-Jährige schwang noch weitere Male den Kochlöffel: In der Woche vor der Aufführung, als täglich Stellproben in der Bürgerhalle anstanden, lieferte er Currywurst, Frikadellen und bei der Generalprobe Sauerkraut mit Knödeln.

Der Motivationsschub, der durch den Magen ging, gepaart mit dem Ehrgeiz der Schauspieler, ihr erwartungsfrohes Publikum keinesfalls zu enttäuschen, ging auf: Schon bei der Premiere wurde eine gelungene Vorstellung geboten,bei der Soufleuse Martina Böhmer nur selten eingreifen musste. Glaubwürdig verkörperte man die Rollen, eine Fehlbesetzung ließ sich bei niemand feststellen. Mit der Zugabe von reichlich hesssischem Dialekt, was keinem der Akteure schwer fiel, peppte die Truppe die heiteren Dialoge weiter auf. Im Mittelpunkt stand natürlich Germania-Vorsitzender Hans Müller. Den widerspenstigen Opa zu spielen, erwies sich als Paradeaufgabe für den 63-Jährigen. Mit reichlich Temperament lief er zu Höchstform auf, um seine raffgierige Familie („die sind hinter meinem Geld her ist wie der Teufel hinter der armen Seele“) auszutricksen. Stand Müller auf der Bühne, wurde das Zwerchfell ganz sicher malträtiert. So stellte er sich im ersten Akt senil und schwerhörig, um danach die Ziele seiner „in die Breite gegangenen Moosröschen“, mit denen er seine Schwiegertöchter meinte, bissig zu kommentieren.

Aber auch die anderen Mimen hatten ihre starken Auftritte: Köstlich erwies sich die Szene, als Herbert und Günter Seitel feststellten, dass sie Alimente fürs gleiche uneheliche Kind bezahlen. Improvisationstalent bewies Gisela Belzer: Um die Eintracht-Frankfurt-Liebe von Hans Müller im wahren Leben wissend, warf sie dem Opa im Stück vor, schon so verdattert zu sein, dass er heute morgen fast das Offenbacher-Kickers-Trikot von Bruno Ries übergestreift hätte. Die Rache folgte im Stück, als ein indisches Verjüngungselixier zum Tragen kommt, das des Opas Gegenspieler den Wind aus den Segeln nimmt. Nach den zwei ausverkauften Vorstellungen mit mächtig viel Aufregung für Großvater-Darsteller Hans Müller, werden die nächsten Wochen für den Eppertshäuser wieder ruhiger werden: In seinem Job als Bankkaufmann dürfte die Routine überwiegen und über seine beiden Enkel im wahren Leben, die mit 19 und 25 Jahren schon eigene Wege gehen, kann er auch nichts Negatives sagen.

Quelle: op-online.de

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