Thema Energie zieht nicht

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Schwach war die Eppertshäuser Bürgerversammlung zu den Themen Energiesparen und Energiewende besucht.

Eppertshausen - Die Bürgerhalle am Donnerstagabend um 20 Uhr: Die Gemeindevertretung ist so zahlreich anwesend, dass sie beschlussfähig wäre. Und auch der Gemeindevorstand gibt ein repräsentatives Bild ab. Von Michael Just

Auffällig ist nur, dass keine Parlamentssitzung ansteht, sondern eine Bürgerversammlung. Für die wären eigentlich viele Bürger zum Informieren und Diskutieren nötig – doch das profane Volk zeigte sich in gerademal zwei Eppertshäusern. Einzig sie interessierten sich dafür, wie sich Energiekosten sparen lassen und wie der Landkreis derzeit sein Potenzial zur Energiewende herausfindet.

Für die schwache Resonanz hatte Eder eine Erklärung

Die Enttäuschung ist Rainer Eder, Vorsitzender der Gemeindevertretung, anzusehen. Er muss fast ausschließlich in jene politischen Gesichter blicken, die die Bürgerversammlung vor geraumer Zeit im Parlament beschlossen haben. Damals hatten die Volksvertreter angedacht, dass die Eppertshäuser eigentlich wissen sollten, um was es geht, bevor die Gemeinde oder auch der Landkreis in runde Tische oder Arbeitskreise zur Energiewende einsteigen. Für die schwache Resonanz hatte Eder eine Erklärung parat, die er aus den derzeitigen Problemem zum Ausstieg aus der Atomenergie zieht: „Nachrichten, dass die Errichtung eines Windparks im Landkreis noch einige Jahre braucht, oder dass die Energie von Nordsee-Windparks nicht bei uns ankommt, weil die Überlandleitungen fehlen, fördern natürlich nicht das Interesse und das Vertrauen in dieses Thema.“

Bei seiner Begrüßung sagte Bürgermeister Carsten Helfmann, dass in der Gemeinde beim Energiesparen die Zukunft bereits begonnen habe. Die Bürgerhalle sei nach neuesten Gesichtspunkten errichtet und bei den kommunalen Liegenschaften wie Rat- und Feuerwehrhaus, dem Haus der Vereine oder den Sporthallen habe man durch moderne Heizsysteme den Verbrauch deutlich gesenkt. Bei der Weihnachtsbeleuchtung sei es durch LED-Technik 92 Prozent weniger an Energieverbrauch. Jetzt stünden vor allem noch energetische Verbesserungen an. Helfmann wies darauf hin, dass die Bürger selbst nicht untätig bleiben sollten: „Die größte Energiemasse wird in Privathaushalten verbraucht.“

In sechs Punkten vom (K)Althaus zum Energiesparhaus

Die erste Referentin des Abends war Claudia Felske von der Hessischen Energiesparaktion, einem Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie zeigte an Dach, Außenwand, Fenster, Türen, Kellerdecke, Heizung und Warmwasser eindrucksvoll auf, wie sich mit sechs Punkten ein (K)Althaus in ein Energiesparhaus verwandeln lässt. Die Energiewende ist für sie kein Hexenwerk: So würden gar nicht mal soviel regenerative Energien gebraucht, wenn die Menschen verstärkt Strom sparen. „Die Reduktion des Stromverbrauchs um 30 bis 50 Prozent ist nicht nur machbar, sondern absolute Grundlage für den Ausstieg aus dem Atomstrom“, sagte Felske.

Andreas Wicht von der FH Frankfurt erläuterte die angelaufene Potenzialanalyse des Landkreises. Innerhalb eines Jahres will die Verwaltung klären lassen, welche Möglichkeiten der Kreis bei erneuerbaren Energien wie Wind, Solar oder Biomasse besitzt. Zu den Teilkonzepten gehört zudem die integrierte Wärmenutzung in den Kommunen sowie eine klimafreundliche Mobilität. An Beispielen zeigte Wicht Rahmenbedingungen und Schwierigkeiten auf. So habe Hessen bei Windkraft eine Ausschlussfläche von 94 Prozent.

 000 Meter zwischen Windrad und Siedlung

Das rührt von Schutzgebieten oder Vorschriften her die besagen, dass 1 000 Meter zwischen Windrad und einer Siedlung liegen müssen. „Der Puffer frisst das meiste auf“, weiß der Experte. Zieht man davon noch jene Gebiete ab, in denen nicht genügend Wind weht, bleibt nur noch ein minimaler Wert übrig. Trotzdem lasse sich laut Wicht in Hessen die Energiewende schaffen, da Dreiviertel der Kommunen 100 Prozent des Energiebedarfs decken könnten. Die Dachflächen böten dabei das größte Potenzial, weshalb eine Bürgerbeteiligung wichtig sei. Seine Vorrednerin rief deshalb zu mehr privaten Solardächern auf: Auch wenn die Vergütung abnehme, sei die Sache noch immer rentabel.

Quelle: op-online.de

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