Thomas Gruber ist ausleihbar

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Baumpfleger Thomas Gruber bei der Arbeit: Er möchte die Vielfalt auf den Obstwiesen der Region erhalten.

Eppertshausen ‐ Der Eppertshäuser Thomas Gruber ist in den vergangenen Monaten viel unterwegs. Der Grund: Der Baumpfleger ist spezialisiert auf alte Streuobstsorten, die es heute kaum noch gibt. Von Jasmin Frank

Diese versucht er zu erhalten und zu schützen, bieten sie doch vielen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum. Unterstützt wird er bei seinem Engagement von der Naturschutzakademie Hessen in Wetzlar. „Ich mache diesen Job unheimlich gerne, auch wenn ich manchmal ganz schön viel unterwegs bin“, sagt Gruber. Die Streuobstwiesen- und Gartenbesitzer können seinen Einsatz vor Ort über die Akademie gewinnen. Wer Interesse hat, meldet sich dort und mit etwas Losglück wird Gruber zu ihm geschickt.

An diesem Tag hat der Baumpfleger einen kurzen Weg: Er ist auf der Eppertshäuser Wiese von Marion und Herbert Müller unterwegs und sichtet den dortigen Baumbestand. Begeistert geht Gruber von Baum zu Baum und erkennt sofort jede Besonderheit der einzelnen Hölzer. „Dieser Birnbaum hier hat unheimlich viel ausgetrieben. Dadurch ist seine Krone zu dicht bewachsen, so dass keine richtige Lüftung mehr herrscht. Dadurch wird das Baumklima ungünstig, was wiederum Pilzen und anderen Schädlingen entgegen kommt“, stellt der Baumarzt seine Diagnose. „Prinzipiell sollte zwischen den Ästen immer soviel Platz sein, dass ein Vogel hindurchfliegen kann. Dann hat der Baum genug Luft“, erklärt der dreifache Familienvater weiter, der lange Jahre den Gasthof Thomashütte mit den entsprechenden Ländereien, darunter auch Obstwiesen, bewirtschaftet hat. Marion Müller geht mit von Baum zu Baum und hört aufmerksam zu, damit sie in Zukunft selbst Hand anlegen kann.

Den Tieren ihr Zuhause erhalten

Wir haben diese Wiese vor etwa zwei Jahren erstanden und schon viel Zeit und Arbeit investiert. Zum einen wollen wir natürlich auch ein wenig Obst ernten, zum anderen aber den Tieren ihr Zuhause erhalten. Da denke ich besonders an den Specht, den ich diesen Sommer immer an seinem Baum habe sitzen sehen, während ich hier zu Gange war“, erzählt Müller und weist auf einen alten zerklüfteten toten Baumstamm, der mit reichlich Moos bewachsen ist. „Viele hätten den Stamm schon längst her ausgerissen, aber dann hätten weder der Specht noch viele andere Tiere eine Bleibe. Alleine die großen Pilze hier unten an der Wurzel sind wunderschön“, meint die Eppertshäuserin und blickt bewundernd auf ihren Baum, der sich tatsächlich sehr malerisch präsentiert. Derweil hat der Baumpfleger Schere, Leiter und Säge geholt. „Es ist wichtig zu wissen, welche Äste man herausschneiden muss, zum Beispiel diejenigen, die nach unten wachsen und zu viel Neigung haben“, erläutert er. Wichtig ist aber auch, wie man schneidet, dies sollte möglichst glatt am Stamm geschehen. „Bleibt eine Erhöhung zurück, wachsen daraus wieder zu viele neue Äste nach“, ergänzt Gruber.

Bewusstsein für Pflanzenschutz schaffen

Wer Gruber einmal für seine eigenen Bäume gewinnen möchte, kann sich auf der Homepage informieren

Ein neu gesetzter Apfelbaum wird ebenfalls gestutzt. Zuerst wird jedoch erörtert, wie das Grundgerüst aussehen soll: Eher niedrig, um besser per Hand an das Obst zu kommen, oder eher hoch, um mit Maschinen unter dem Gehölz hindurch fahren zu können. Marion Müller entscheidet sich für hoch: „Auf die Leiter muss ich sowieso und die Wiese wird mit dem Traktor gemäht, der braucht Platz.“ So hat Thomas Gruber an diesem Tag noch einiges auf dem etwa 2 000 Quadratmeter großen Gelände der Müllers zu tun. Eines verliert er dabei nie aus den Augen: „Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass solche Bestände nicht einfach nur ein paar alte Bäume sind, die genauso gut weggemacht werden können. Jeder alte Obstbaum ist ein echtes Biotop, ob auf einer Wiese oder in einem Garten. Und ein guter Baumschnitt ist der halbe Pflanzenschutz.“ Gruber macht sich an die Arbeit, damit Eulen, Spechte und Fledermäuse sich weiterhin in Eppertshausen wohlfühlen.

Quelle: op-online.de

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