Aus Todeskugel in die Thomashütte

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Die drei von der Thomashütte: Georg Ramien, Aico Rafiei und Oliver Skopp warten mit vielen Ideen auf.

Eppertshausen - Er steigt aus der Todeskugel um in die Thomashütte und gibt unumwunden zu: „Ich hab mords Lampenfieber.“ Er, das ist der 37-jährige Georg Ramien aus Eppertshausen, eine schillernde Artistenpersönlichkeit mit Visionen. Von Thomas Meier

Und letztere wird er ebenso brauchen wie Hoffnung und Durchhaltevermögen, aus dem Traditions-Ausflugsziel wieder einmal das zu machen, was es schon lange nicht mehr ist: Eine Anlaufstelle für Familien, Vereine, Radler, Wanderer und alle, die ein wenig in einer urigen Umgebung, einem schönen großen Biergarten, einem Lokal mit guter Küche ausspannen möchten.

Die Pläne, die er mit einem motivierten Team und dem Verpächter und Thomashütten-Eigner, Peter Possmann, umsetzen möchte, sind sehr vielversprechend.

Seit Weihnachten ist der Gutshof an der Kreisstraße 180 zwischen Eppertshausen und Messel geschlossen (wir berichteten mehrfach). Im Sommer vergangenen Jahres vergrätzte die lange Generalsanierung der Straße vielen Hüttenfreunden einen Besuch, und überhaupt lief es im Betrieb nach mehrmaligen Pächterwechseln nicht mehr rund. Eine Imagepolitur tut also höchste Not.

Frischer Wind in der Hütte

So nimmt es nicht Wunder, dass Ramien und seine Team-Mitstreiter einen frischen Wind versprechen, der ab sofort im Wald um die angestaubte Hütte wehen soll. Als da neben dem Stuntmen wären der Küchenchef Oliver Skopp, erfolgreicher Küchenmeister, der 2011 als Landesbester seine Prüfung ablegte und mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde. Und Aico Rafiei ist für den Service verantwortlich. Der 30-Jährige ist Inhaber der Münsterer „Chanel’s Shisha Lounge“, versierter Gastronom und gelernter Hotelfachmann. Er ist in Ober-Ramstadt aufgewachsen und lebt seit sieben Jahren in Münster.

Was könnte man alles aus der alten Scheune an der Thomashütte machen? Man kann sicher sein, Georg Ramien hat eine Menge Ideen dazu. Allerdings muss hier zunächst aufgeräumt werden.

Damit erfüllt das führende Dreigestirn eine ganz wichtige Voraussetzung: Alle drei kommen aus der Region und kennen Land, Leute und die Thomashütte.

Ramien kennt das Ausflugsziel seit frühester Kindheit. Wie seine Eltern ihn, so schleppte er seinen Nachwuchs vor Jahren bereits zu den Ponys, den Longhornrindern und den Hühnern an die Thomashütte im Wald. Deshalb darf man dem Versprechen Glauben schenken, dass an der Stelle 300-jähriger Gastlichkeit wieder für gepflegte Gastronomie gesorgt werden wird. Doch zu Natur pur, einem Pfund, mit dem der Gutshof seit Gründung wuchert, soll nicht nur die Nostalgie kommen, sondern auch Modernes: eine Abenteuer- und Erlebniswelt mit Spielplatz (gab’s es immer schon) sowie einem Hüpfburgenland und einem kunterbunten Zirkuszelt. Eine Pressemappe schreibt von „Event-Location“, die Macher reden von viel Spaß und Erlebnissen satt.

Eine „emotionale Entscheidung“

Georg Ramien sagt, er habe mit seiner Pacht der Thomashütte von Peter Possmann eine „emotionale Entscheidung“ getroffen. Seine Mutter habe als Lehrerin in Münster bei schönem Wetter hier die Hefte korrigiert, derweil er die Ziegen hütete. Und obwohl sein Lebensweg den umtriebigen Münsterer eigentlich in ganz andere Richtungen lenkte, besinnt er sich jetzt auf Heimat.

Ramien war mit Koch Skopp einst auf der Aue-Schule, doch dann wurde er Artist, den es in die ganze Welt zog. Der Motorrad-Stuntfahrer kreiste auch für Flic-Flac in der Stahlkugel, kennt den Kollegen, der kürzlich darin verunglückte. Derzeit tourt er mit einem Hochseilartisten durch die Schweiz, doch kann er sich schon vorstellen, am neuen Domizil Thomashütte ganz heimisch zu werden.

Bereits „probeweise“ geöffnet

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An den vergangenen Wochenenden hatte die Thomashütte bereits „probeweise“ geöffnet. Amtlicherseits sei alles genehmigt, versichern Eigentümer Possmann und Pächter Ramien. Die Löschwasserfrage werde noch geklärt (ob ein Wasserteich oder unterirdische Tanks installiert werden). Und sukzessive werde man auch eine Genehmigung für den Betrieb der seit langem für die Gastronomie stillgelegten Scheune bekommen und hier im Winter Erlebnisgastronomie verwirklichen. Überhaupt stecken die Hüttenwirte voller Ideen und Konzeptanrisse. Man darf gespannt sein, was realisiert wird.

Jetzt soll aber zunächst einmal am 1. Mai ab 10 Uhr offizieller Neubeginn gefeiert werden. Und zwar mit Kinderzirkus, Stelzentheater, Hüpfburgen, Karussells und einer Motorrad-Stuntshow. Bei letzterer mit dabei: einer der weltweit jüngsten Stuntman, Ramiens siebenjähriger Sohnemann.

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Und bis dahin gilt: Jedes Wochenende ist Probenwochenende. Von Freitag bis Sonntag ist ab 11 Uhr geöffnet, es locken Grillfest und Kennenlern-Angebote. Nach dem 1. Mai ist erst einmal ohne Ruhetag geöffnet von 11 Uhr bis in den Abend.

Quelle: op-online.de

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