Tiere an der Thomashütte

Trügerische Kuschelidylle

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Alex Ramien behält nach den jüngsten Vorkommnissen nur vier seiner Ziegen am Ausflugslokal.

Eppertshausen - Dort wo sich am Waldrand Hase und Igel gute Nacht sagen, lassen es sich seit Jahrzehnten auch Zicklein und Pony, Esel und Enterich gut gehen, werden Stallhasen und Karnickel seit Generationen von Kindern gestreichelt und seit geraumer Zeit gar Lamas aus respektvoller Distanz betrachtet. Von Thomas Meier 

Die Tiermenagerie von Birgit Lorenz wird weiterhin die Besucher an der Thomashütte erfreuen – wenn sie denn die Fütterattacken es zu gut meinender Passanten auch weiterhin unbeschadet übersteht. Um einige Hasen ist der Bestand bereits dezimiert.

Doch das vermeintliche Idyll rund um das seit drei Jahrhunderten beliebte Ausflugsziel Thomashütte ist derzeit ein trügerisches. Passanten stellen vermeintliche Missstände fest und alarmieren Polizei und Veterinäramt, und die Tierbesitzer beklagen verbotenes Füttern ihrer Tiere mit völlig falschen Naturalien. Alex Ramien, Mit-Pächter der Thomashütte, zieht für seinen Betrieb nun die Reißleine, dezimiert den ihm zugehörigen Teil des großen Tierparks drastisch. Außerdem erstattete er gestern Anzeige wegen übler Verleumdung gegen Unbekannt. Auch Birgit Lorenz, Tierhalterin aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Altheim und zuständig beispielsweise fürs Ponyreiten, die Lamas und einen fulminanten Streichelzoo mit einer ganzen Menagerie an Tieren auf den Freigehegen am Ausflugsort, zog bereits etliche Konsequenzen.

Dabei müsste gerade jetzt doch alles so friedlich sein, denn rund um die Thomashütte herrscht seit Jahreswechsel Winterpause, erst Ende März geht der Betrieb des Ausflugslokals an der Landesstraße zwischen Eppertshausen und Messel wieder in die Vollen. Vor wenigen Tagen beobachtete eine Passantin „skandalöse Zustände“, von denen sie Mitteilung machte. So seien ihr Brötchen auf der Koppel bei den Ponys ins Auge gestochen, so viele, dass sie sicherlich schimmelten, bevor sie gefressen werden könnten. Und in einem Hasenstall habe ein totes Kaninchen gelegen, die Gänse machten ihr einen hungrigen Eindruck und auch zwei herumlaufende Ziegen („wohl aus dem Stall ausgebüchst“ und nun orientierungslos) hätten sehr abgemagert gewirkt. Alles Getier habe am grauen Wintertag apathisch auf sie gewirkt.

Ende letzten Jahres mehrere Tiere verendet

Alex Ramien ist über solche Berichte entsetzt. Der Artist ist Zirkus- und Geschäftsmann und er weiß, was allein ein Gerücht über Tiermisshandlung anrichten kann. „Schon als Tierfreund könnt’ ich niemals ein Stück Vieh hungern sehen. Als Vater zweier kleiner Kinder dürfte ich auch nicht im Traum daran denken, etwa einem Stallhasen auch nur ein Haar zu krümmen. Und als Gastronom, der einem Ausflugsziel mit Kuschelzoo oder lebendiger Weihnachtskrippe vorsteht, weiß ich, dass ein Fehlverhalten in solcherlei Hinsicht kaufmännisches Harakiri wäre.“ Ramien ist stinksauer. Er zeigt seine Futtersäcke, Mehrkornzusätze für die Gänse, Pferdeergänzungsnahrung zum Heu, die Mischungen für die Karnickel. „Alles da! Die Tiere sind unser Kapital, unser Pfund, mit dem wir um die Kundschaft wuchern, da werden wir sie doch nicht darben lassen.“

Dennoch trennt er sich bis auf vier Ziegen vom kleinen Tierbestand, der derzeit noch sechs Ziegen, ein Pony, vier Gänse und drei Karnickel umfasst. Einmal wegen bürokratischer Auflagen des Veterinäramtes. Nicht zuletzt aber, weil er die Tiere nicht der Gefahr falscher Fütterung aussetzen möchte. Hier bestätigt Birgit Lorenz die Ängste Ramiens. Lorenz unterhält seit fünf Jahren den der Thomashütte angegliederten Tierbestand, der vom Waldweg, der zwischen Waldrand zur Landesstraße führt, links der Hütte liegt. Zahlreiche Ponys, Lamas, Gänse, Enten, Ziegen, Schafe und Hasen tummeln sich seit Jahrzehnten dort in den Gattern. Doch auch hier wurden es bereits weniger: „Ende letzten Jahres verendeten mir gleiche mehrere Tiere, unter anderem Kaninchen, wegen falscher Fütterung“. Unbedacht und in Unkenntnis glaubten einige Passanten, sie würden den Tieren Gutes tun.

„Doch Wiener Würstchen bekommen unseren Ziegen wirklich nicht“, macht sie das Dilemma deutlich. Als sie bei der Polizei vorstellig wurde, Anzeige zu stellen gedachte gegen Unbekannt wegen der verheerenden Fütterung, habe man ihr verdeutlicht, dass solche Anzeige wohl wenig Aussicht auf Erfolg habe. Man riet ihr, zumindest die sensiblen Hasen über die Winterpause anderweitig unterzubringen. „Das machte ich auch, denn die aufgestellten Schilder zum Fütterungsverbot haben wohl keine Wirkung“, sagt Lorenz. Auch sieht ihren Ponybetrieb zudem weiteren bürokratischen Hürden ausgesetzt.

Quelle: op-online.de

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