Präventionsmobil der Polizei

Mit Pilzköpfen gegen Einbrecher

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Das Präventionsmobil der Polizei macht Station in Eppertshausen. Kripo-Kommissar erläutert, wie Bürger Haus und Hof besser schützen können. Die Polizei berät: Sie stand im Park 45 und gab mit Kriminalhauptkommissar Wolfgang Herberg (rechts) Tipps zum wirksamen Einbruchschutz.

Eppertshausen - Am Freitag gegen 17 Uhr fallen die letzten Sonnenstrahlen auf das Präventionsmobil des Polizeipräsidium Südhessen, das im Park 45 steht. Von Michael Just 

Unweit der Lebensmittelmärkte gibt Kriminalhauptkommissar Wolfgang Herberg mit zwei Kollegen Tipps, wie wirksamer Einbruchsschutz aussieht. Das Beraterteam weiß, dass es nach der Zeitumstellung nun wieder früher dunkel wird – und damit die Gefahr steigt, dass ungebetene Gäste sich Zutritt zu Häusern und Wohnungen verschaffen. In acht Städten und Gemeinden in der Region, darunter Griesheim, Rüsselsheim, Heppenheim oder Eppertshausen, machte das Mobil vor der Umstellung auf Winterzeit Station. Alle sind „Hot Spots“ und damit „heiße Punkte“, die bevorzugt im Fokus von Einbrechern liegen. Dafür sorgen gute Fluchtmöglichkeiten durch Bundesstraßen und Autobahnen.

Das ungute Gefühl, in ungesicherten Erdgeschossräumen zu wohnen, führte auch eine 39-jährige Eppertshäuserin zu Herberg. Die gelernte Schreinerin hat bisher nur auf ihre Rollläden und die Nachbarn vertraut. Dazu hat sie eine Überwachungskamera platziert. Die hat für die Polizei nur einen geringen Nutzen: „Das ist kein mechanischer Schutz“, sagt Herberg. Eine wirkliche Sicherheit biete nur das technische Nachrüsten von Fenstern und Türen.

Bei Fenstern zwei Möglichkeiten

Dafür gibt es bei Fenstern zwei Möglichkeiten: Zum einen der Tausch der Beschläge, des Verschluss-Systems in der Innenseite. Die glatten Beschläge werden durch solche mit Metallköpfen ersetzt. Durch diese Pilzköpfe wird das Aufhebeln deutlich erschwert. Das ist grundlegend: „In 90 Prozent aller Fälle kommen die Einbrecher mit dem Stemmeisen und hebeln auf“, wissen die Polizei-Berater. Alternativ werden auf die Fensterrahmen Zusatzschlösser angebracht. Beide Optionen kosten rund 300 bis 400 Euro, und zwar pro Fenster. „Das ist eine Summe, die ich mir bei fünf Fenstern wohl erst nächstes Jahr leisten kann“, meint die Eppertshäuserin. Sie wird an diesem Tag nicht alleine feststellen, dass Sicherheit ihren Preis hat.

Dafür ist sie bei einem anderen Punkt schon gut informiert: Sie weiß, dass Einbrecher im Schnitt nach drei Minuten ablassen, wenn das Fenster oder die Tür bis dahin nicht auf ist. „Fenster der Widerstandsklasse 2 sind so konzipiert, dass sie diese Zeit, und noch länger, überstehen“, erläutert Herberg. Beim Neukauf sollten Privatpersonen auf dieses Siegel achten, was Pilzköpfe und ein einbruchshemmendes Glas garantiert. Laut dem Polizisten ist es unverständlich, dass nicht gleich alle Neufenster mit Pilzköpfen ausgestattet werden. Leider zielten die Hersteller darauf ab, mit diesem Extra mehr zu verdienen. Hier wäre laut herberg das Baurecht gefordert. Bis dahin sollten Architekten den Bauherrn auf die Sicherheitsfenster hinweisen.

So schützen Sie sich vor Einbrechern

So schützen Sie sich vor Einbrechern

Wer nachrüstet, sollte noch zwei Dinge beachten: Eine zertifizierte Fachfirma beauftragen und jene Fenster und Türen nicht vergessen, die durch Klettern erreichbar sind. Auch abschließbare Griffe sind wichtig, so dass man das Fenster bei Scheibenzerstörung nicht von außen aufmachen kann. Ab Baujahr 1970 lässt sich problemlos nachrüsten. „Das hält ein Leben lang. Zudem bekommen Haus und Wohnung einen höheren Wiederverkaufswert“, hebt Herberg heraus.

Der Kriminalhauptkommissar rät dringend zur Vorbeugung - nicht nur aus materiellen Gründen: „Bei einem Einbruch sind die emotionalen Schäden genauso hoch.“ Das Sicherheitsgefühl sei dahin und es gebe Personen, die danach nicht mehr ihr Haus verlassen oder dies sogar verkaufen. Zum wirksamen Einbruchschutz gehört noch ein weiterer, oft vergessener Aspekt: Auffällige Personen sollten angesprochen oder der Polizei gemeldet werden. Das setzt aber voraus, dass man seine Nachbarn kennt.

Quelle: op-online.de

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