Tote Fichten Leckerei für Borkenkäfer

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Revierförster Lothar Seipp veranschaulicht für die 60 zur Tagung nach Eppertshausen angereisten Naturschutzwarte die Theorie des Vormittags im Eppertshäuser Forst an praktischen Beispielen .

Eppertshausen ‐ Hundebesitzer, Jogger, Spaziergänger und Reiter: Alle nutzen den Wald als Erholungsgebiet. Doch er ist noch viel mehr, nämlich Wirtschaftsraum und Klimaoptimierer. Von Jasmin Frank

„Der Wald erfüllt zwei wichtige Klimafunktionen: Er ist größter Kohlenstoffspeicher und bindet das gefährliche Kohlendioxid. Zudem sind unsere Wälder riesige Klimaanlagen, in deren Kronen der kühlende Effekt durch Umwandlung von Sonnenenergie in Wasserdampf entsteht“, so Manfred Hechler, Hauptnaturschutzwart des Gesamtverbandes des Odenwaldklubs. Er hatte auch zu der Tagung der Naturschutzwarte in Eppertshausen eingeladen.

Etwa 60 Hobby-Fachleute aus ganz Hessen waren zusammengekommen, um sich über das Thema Wald zu informieren. „Ich bin aus Eberbach am Necker und schon zum zweiten Mal dabei. Letztes Jahr ging es um ‚Wasser’. Die Treffen sind sehr informativ und wir können die Kenntnisse später im Verein weitergeben“, so Klaus Reinhard, der seit 30 Jahren Naturschutzwart in seinem OWK-Ortsverband ist. Diese Multiplikatorenfunktion begrüßen auch die Revierförster Lothar Seipp und Peter Sturm: „Wenn wir Förster Verbesserungen anbringen wollen, müssen die von den Gemeinden erst einmal angenommen werden. Dafür ist ein ökologisches Grundverständnis vonnöten, das auch über informierte Bürger weitervermittelt werden kann.“

„Hier sehen wir eine vom Sturm gefällte Fichte.“

Auf der Tagung wurden vielfältige Themen bearbeitet, so stellte Helmut Seitel, Fachwart Naturschutz beim Deutschen Wanderverband und Forstamtsleiter in Dieburg, die verschiedenen Facetten des Waldes vor: Forstwirtschaft aus ökonomischer und ökologischer Sicht, Waldfunktionen und Artenschutzprogramme wurden beleuchtet. Nach der Mittagspause wurde die Theorie praktisch unterfüttert: Es ging mit den Revierförstern hinaus in die Natur. Dabei wurde deutlich, dass der Mischwald rund um Eppertshausen vorwiegend aus Kiefern und Buchen besteht, aber auch Fichten und andere Baumarten vorkommen. Auf dem Weg in Richtung Thomashütte wurde dann ein Exempel dargestellt, das an ein Thema des Vormittags anschloss: die FSC (Forest Stewardship Council)-Zertifizierung, die auch vor Ort vorgenommen wurde. Sie stellt fest, ob Forstwirtschaft nachhaltig betrieben und auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden verzichtet wird.

„Hier sehen wir eine vom Sturm gefällte Fichte. Ihr Holz wird von uns nicht benötigt, so dass wir sie eigentlich liegen lassen könnten. Aber Fichten sind das Lieblingsessen der Borkenkäfer. Sie würden sich hier einnisten und dann die umstehenden Fichten befallen“, erläutert Förster Sturm. Einfach wäre jetzt ein Griff zur Giftflasche: Die Borkenkäfer wären vernichtet und könnten keinen Schaden mehr anrichten. „Davon wären aber auch alle anderen Tiere betroffen, also auch Nützlinge. Wir haben uns durch das Zertifikat selbstverpflichtet, derart nicht vorzugehen. Wir räumen den Baum weg und damit auch den Borkenkäfer“, so der Fachmann.

Noch keine Spur von asiatischem Zitrusbockkäfer

Das ist nicht ganz so einfach, wie es sich anhört, denn nach einem größeren Sturm fällt natürlich viel Holz an, das abtransportiert und gelagert werden muss. „Wir sind dadurch logistisch und organisatorisch besser aufgestellt“, meinen die beiden Förster stolz.

Nach den vielen Informationen haben die Naturschutzwarte auch Zeit, Fragen zu stellen. Ob denn der gefürchtete asiatische Zitrusbockkäfer schon in Eppertshausen gesichtet worden sei? Lothar Seipp kann beruhigend feststellen, dass der Schädling, der große Löcher in die Bäume bohrt, hier bislang noch nicht vorkommt. Ein weiterer Zuhörer will wissen, was denn aus den Ästen und Zweigen eines gefällten Baumes wird. Auch hierauf hat Fachmann Seipp routiniert eine Antwort parat: „Die großen Äste werden genutzt, die kleinen Zweige verbleiben im Wald, um zu verrotten und so wieder Nährstoffe zu liefern.“ Alles in allem ist die Tagung der Naturschutzwarte des Odenwaldklubs in diesem Jahr also wieder ein voller Erfolg, vor allem natürlich für die Natur.

Quelle: op-online.de

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