Vom Traum, Dolmetscher zu werden

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Aland Hiua hat sich schnell eingelebt. Geholfen hat ihm dabei das gemeinsame Kicken beim FV Eppertshausen.

Eppertshausen - Noch vor einem Jahr lebte Aland Hiua in Suleymania im Nordosten des Iraks. Heute ist er begeisterter Torwart der ersten Mannschaft des FV Eppertshausen und hat mit seinem Verein schon so manches Spiel bestritten. Doch in den dazwischen liegenden zwölf Monaten ist bei dem 19-jährigen Iraker so einiges passiert. Von Jasmin Frank

Zunächst musste er sich zur Ausreise aus dem Heimatland entschließen, was für ihn besonders schwierig war: Denn er ist das einzige Kind der Familie und musste so seine Eltern allein zurücklassen.

Aland Hiua erzählt, dass die Zustände im Irak zunehmend unerträglich wurden und dass vor allem in seiner Heimatregion, in der viele Kurden leben, kaum noch ein normales Leben möglich war: „Die muslimischen Regeln bestimmen das ganze Leben. Alles wird den Menschen vorgeschrieben, man ist völlig eingeengt. Außerdem gibt es keine Arbeit, als junger Mensch hat man keinerlei Perspektiven.“

Hiua ist zwar gebürtiger Muslime, praktiziert seinen Glauben aber nicht. Dem Islam steht er dafür zu distanziert gegenüber. Seiner Meinung nach gibt es in islamischen Ländern viele Probleme. Eine solche Ansicht kann er, so sagt er, im Irak nicht offen vertreten. Er bekäme ansonsten sofort massive Probleme.

Diese rigide Enge und die Aussichtslosigkeit verbunden mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen in seinem Land veranlassten ihn schließlich, wegzugehen – Ziel vieler seiner Altersgenossen. Manche Menschen würden dafür sogar eine richtige Flucht bei Nacht und Nebel und das zu Fuß über die Grenze in Kauf nehmen.
Aland Hiua selbst aber hatte die Möglichkeit, als Kurde zunächst mit dem Bus in die Türkei zu gelangen. Von dort aus ging es mit dem Flieger weiter nach München.

Deutschland als Ziel zu wählen, war für ihn naheliegend. Denn sein schon eingebürgerter Cousin lebt in Darmstadt. Doch auch dort konnte er nicht lange bleiben. Von Amts wegen wurde er nach Gießen geleitet und schließlich vor fünf Monaten nach Eppertshausen weitergeschickt.

Hier wohnt er im Wohnheim an der Hauptstraße und fühlt sich richtig wohl, was durchaus auch an der offenen Atmosphäre des Ortes liegen würde, sagt er. Vor allem über den Fußball hat er viele Kontakte geknüpft. In seiner Mannschaft spielen junge Männer aus vielen Nationen zusammen. Aber auch der Jugendtreff am Franz-Gruber-Platz ist ein beliebter Anlaufpunkt für den Iraker, denn Kontakte mit Gleichaltrigen seien ihm, erzählt er, sehr wichtig.

Ehrgeizige Ziele

Sein großes Ziel: Endlich auf eine richtige Schule zu gehen und den Realschulabschluss abzulegen. Im Irak hat er die zehnte Klasse schon absolviert. Jetzt muss noch auf das Okay von Seiten der Behörden warten. Auch Deutschkurse werden ihm vom Staat nicht finanziert. Und so muss er trotz seines schmalen Budgets die Volkshochschule auf eigene Kosten besuchen. Dafür schickt ihm sein Vater sogar Geld aus dem Irak zu.

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Ankunft in der neuen Heimat

Sein Ehrgeiz hat schon Ergebnisse gezeigt: Nach so kurzer Zeit in Deutschland spricht er die neue Sprache richtig gut und kommt sogar als Dolmetscher zum Einsatz. So übersetzte er beim Einzug einer Flüchtlingsfamilie ins Eppertshäuser Pfarrhaus. Dolmetscher als Beruf zu erlernen ist seither sein großer Traum.

Doch erst einmal ist Aland Hiua froh, überhaupt hier sein zu dürfen, und erklärt begeistert: „Ich liebe Deutschland. Hier sind alle Leute gleich, auch wenn sie wie ein Cocktail aus vielen Ländern sind. Es gibt keine Unterschiede zwischen den Menschen, egal welche Religion sie haben.“

Nach dieser Liebeserklärung an seine neue Heimat wird der Iraker wieder ernst und meint, nun müsse er aber im morgigen Fußballturnier erst mal wieder Bälle halten. Na dann, toi toi toi.

Quelle: op-online.de

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