Im Tresor lagern Pasta-Rezepte

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Unterwegs in partnerschaftlicher Mission: Die Delegation aus Eppertshausen während ihres Aufenthaltes in Italien.

Eppertshausen/Codigoro - Über ein Dutzend Mal waren Delegationen aus Eppertshausen schon in Codigoro, seitdem die Partnerschaft mit der italienischen Stadt 2002 unterzeichnet wurde. In der Folge florierte der Austausch auch zwischen den Vereinen. Mit dem Liederkranz-Frohsinn, der sich 2009 im 130. Jubiläumsjahr befindet, bildete bei der jüngsten Fahrt ein Gesangverein das Rückgrat der Tour.

Von den 51 Mitfahrern gehörten insgesamt 34 zum Liederkranz. Ebenfalls mit an Bord: die Offenbach-Post. In drei Teilen hat unser Mitarbeiter Michael Just ein kleines Tagebuch zusammen gestellt. Heute: Teil zwei.

Heute steht Bologna auf dem Programm. Die Fahrt dauert von Codigoro rund eineinhalb Stunden in die etwa 380 000 Einwohner zählende Stadt. An der Franziskus-Kirche wartet eine alte Bekannte, zumindest für die, die im vergangenen Jahr schon dabei waren: Dorothea Weidemann, die aus Heidelberg kommt und Deutschland vor über 15 Jahren den Rücken gekehrt hat.

Als Fremdenführerin hat sie die Eppertshäuser bereits im vergangenen Jahr in die Geschichte von Ferrara eingeweiht. Nach dem Eintritt in das alte Stadttor beginnt sofort das italienische Leben, nach dem sich die deutsche Seele so sehnt: Vespas brausen mit mediterraner Leichtigkeit durch die Altstadt, in den Cafes wird mit Sonnenbrille am Espresso genippt. Noble Kleidergeschäfte gehören ebenso zum Stadtbild wie zahlreiche Delikatessenläden, die wissen lassen, dass Gott in Italien genauso gut lebt wie in Frankreich.

Unter anderem gehören zwei Kirchen sowie die älteste Universität der Welt zum zweistündigen Besuchsprogramm. In der „Basilika di Santo Stefano“, wo sich die frühen Christen vor über 1000 Jahren trafen, stimmt der Liederkranz-Chor das „O bone Jesu“ an. In den alten Mauern geben Gesang und Akkustik ein Gänsehautgefühl. Höhepunkt in der alten Universität ist der noch gut erhaltene Seziersaal, wo man vor Jahrhunderten den anatomischen Geheimnissen des Menschen auf die Spur kam. Seziert wurde öffentlich: Jeder durfte zuschauen, was sich in seinem Inneren befindet. Passiert ist das meist zur Fastnacht: „Das hat zeitlich gepasst, da man sich um die Fastenzeit ohnehin mit der Frage auseinander setzt wo der Mensch herkommt und wo er hingeht“, so Weidemann.

Bologna hält noch weitere Überraschungen parat: Wer hätte gedacht, dass im gut gesicherten Tresor des alten Marktgerichts nicht Geld oder Wertpapiere lagern, sondern die ältesten Rezepte für Tortellini und Mortadella? Nicht minder überraschend, dass Bologna gleich zwei schiefe Türme hat. Weniger in der Schieflage ist laut Weidemann die Situation Italiens durch die Wirtschaftskrise: „Hier prüft man schon immer sehr genau, bevor Kredite vergeben werden.“

Nach der Stadtbesichtigung wartet das Mittagessen in einem Landgasthof in der hügeligen Landschaft des Appenin. Die Anfahrt erweist sich als Abenteuer: Auf den schmalen Serpentinen muss man des Öfteren den Atem anhalten. Aber der Busfahrer erweist sich nicht nur hier als Profi. Im Gasthof begeistern Ausblick und Menü gleichermaßen. Als besonderer Gaumenschmaus erweist sich die Vorspeise: Verschiedene Sorten Schinken und weitere Antipasti zergehen auf der Zunge. Der Tischwein trägt dazu bei, dass „Ein Tag, so wunderschön wie heute“ angestimmt wird.

52 Jahre ist Winfried Larem bereits Vizedirigent beim Liederkranz. Von den Chormitgliedern wird der 72-Jährige liebevoll „Chef“ genannt. Als er mit Margarete Grimm ein altes Schullied über den Frosch anstimmt, singt er sich auch bei jenen Codigoro-Fahrern in die Herzen, die ihn noch nicht kannten.

In Codigoro steht heute noch einer der Höhepunkte der „Fiera“ an: Es gibt ein Feuerwerk und auf dem Kanal ziehen Boote mit Fackeln entlang. Im Club „Nautico“ hat man zum zweiten Mal für die deutschen Gäste gekocht – und wieder mehrgängig. Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Der letzte Eintrag ins Tagebuch lautet daher an diesem Tag: Heute musste sich kein Eppertshäuser um sein Leibeswohl Sorgen machen. Im Gegenteil: Glücklich sind alle, die bei „zweimal mehrgängig“ genügend Spielraum zum Weiten ihres Gürtels haben.

Quelle: op-online.de

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