Türkischer Tee und deutsches Bier

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Ismail Özdemir, genannt Isi (rechts), lässt sich schon mal auf eine Partie Fußball mit seinen Schützlingen ein.

Eppertshausen ‐ Isi ist eine Institution in Eppertshausen. Isi ist Ismail Özdemir, der als Handwerker beim Jugendtreff angefangen hat und inzwischen weit mehr ist. „Ich wohne ja auch schon seit 1974 hier, bin also im Alter von drei Jahren mit meinen Eltern und Geschwistern nach Eppertshausen gekommen“, erzählt Ismail Özdemir. Von Jasmin Frank

Der sportliche junge Mann ist in zwei Kulturen groß geworden, seine Eltern stammen aus der Türkei. Die Familie ging den klassischen Einwandererweg: Der Vater kam nach Deutschland und suchte sich eine Arbeit. Als er einen festen Job und eine Wohnung hatte, holte er seine Frau und die vier Kinder nach, Isi ist der Jüngste. „Wir kamen gleich nach Eppertshausen und blieben auch hier. Meine Mutter hat wie mein Vater auch immer gearbeitet, so dass zunächst meine große Schwester Sultan, die damals so etwa 16 Jahre alt war, auf mich aufgepasst hat“, erinnert sich der Eppertshäuser.

Als Sultan ebenfalls einen Beruf ergriff, blieb dem Jungen nicht anderes übrig, als früh selbständig zu werden. Nach der Grundschule ging er alleine nach Hause, wärmte sich sein Essen auf, machte Hausaufgaben und ging dann auf den örtlichen Bolzplatz. „Und irgendwie bin ich ja immer noch da“, ergänzt Özdemir lachend. Mittlerweile spielt er hier nicht mehr nur, sondern betreut die Kinder und Jugendlichen. „Von Beruf bin ich Elektromechaniker. Als ich 2006 in einer Anzeige gelesen habe, dass hier ein Jugendtreff eingerichtet werden soll und dafür ein Handwerker gesucht würde, war ich sofort dabei. Und weil ich so gut mit den Kids klarkam, wurde ich gefragt, ob ich nicht weitermachen will“, erinnert sich der 38-Jährige, der im Januar zum zweiten Mal Vater wird.

Ganz klar, vor allem die Jungen finden ihn einfach cool, schließlich kickt er genauso gern und gut wie sie. Jahrelang hat er selbst Fußball gespielt und dann auch Kinder trainiert. Momentan macht er in Sachen Fußball aber eine Babypause, bis seine Tochter auf der Welt ist. „Ein besonderes Anliegen sind mir Trennungskinder oder Jungen und Mädchen aus problematischen Familien. Schließlich ist meine erste Ehe auch gescheitert und ich weiß, wie schwierig solche Situationen für Kinder sind“, erzählt Özdemir ganz offen.

Ehrenamtliches Engagement wird belohnt

Deshalb hat er sich auch sehr für das Projekt „Familienbande“ eingesetzt, mit dem der Fußballverein Eppertshausen, die örtliche Jugendpflege und der „Väteraufbruch für Kinder“ gemeinsam versucht haben, betroffene Kinder in die Ortsvereine zu integrieren. Dabei war das Team so erfolgreich, dass es mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber vom Deutschen Olympischen Sportbund geehrt wurde.

Bei seinem ehrenamtlichen Engagement hilft Özdemir seine doppelte kulturelle Prägung: „Ich bin in beiden Kulturen zu Hause. Ich trinke türkischen Tee, aber auch mal ein deutsches Bier. Ich höre deutsche und auch türkische Musik. Eigentlich ist es ideal: Man lernt zwei Kulturen kennen und lernt von beiden das Beste“, findet der Deutschtürke, der sich selbst in erster Linie als Eppertshäuser versteht. Er kennt viele Familie mit Migrationshintergrund, deshalb fällt es den Eltern leichter, sich ihm anzuvertrauen. Sie fühlen sich von Özdemir verstanden.

Sein Lebensmittelpunkt liegt eindeutig in Deutschland, die Ferien verbringt er jedoch gerne in der Türkei, mitunter auch in dem Heimatdorf seiner Familie, Karamahmut. Auch dort spannt er nicht einfach aus, sondern engagiert sich für die Leute und die Region. Das dortige Müllproblem geht er an, indem er für Schüler und Lehrer ein Picknick organisiert, bei dem er ihnen zeigt, dass man den Müll nicht einfach liegen lässt, sondern ihn wieder mit nach Hause nimmt und dort ordnungsgemäß entsorgt. Gegen das Abholzen der Wälder um Karamahmut lehnte er sich auf, indem er sich an einer Initiative beteiligte, die 1000 Bäume pflanzte.

Zurück in Eppertshausen stehen zahlreiche Punkte auf Özdemirs Programm: Fahrten mit den Jugendlichen, ein Capoeira-Schnuppertag im Februar und Trommelkurse für Erwachsene im evangelischen Gemeindehaus. Das sind die Dinge, die ihm neben seinen Kindern am Herzen liegen. „Ich bin selbst auf der Straße aufgewachsen. Jetzt gebe ich etwas zurück“, sagt er und kickt dann mit ein paar Jungen vom Jugendtreff.

Quelle: op-online.de

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