Die Ungarin und der Feuerwehrmann

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Aniko Helfmann ist die starke Frau hinter dem starken Mann im Eppertshäuser Rathaus.

Eppertshausen - Einige leben erst seit kurzem in Eppertshausen – für andere ist die südhessische Gemeinde schon seit Jahren zur neuen Heimat geworden: 576 Menschen ohne deutschen Pass wohnen in dem beschaulichen Ort. Darunter auch eine Ungarin: Aniko Helfmann ist die starke Frau hinter dem starken Mann im Eppertshäuser Rathaus – Redakteur Alexander Klug hat sich mit der 38-Jährigen unterhalten.

Frau Helfmann, was hat Sie als 20-Jährige dazu gebracht, Ihre ungarische Heimat zu verlassen und nach Südhessen zu kommen?

Ich habe damals Medizin studiert und hatte die Möglichkeit, über die Universität ein Jahr nach Deutschland zu kommen, um Deutsch zu lernen. Das habe ich gemacht und bei einer Familie in Eppertshausen gewohnt, bei der eine Oma Ungarisch konnte. Ich habe mich so sicherer gefühlt, weil es so wenigstens einen Menschen gab, mit dem ich in meiner Muttersprache reden konnte. Ich konnte ja noch kein Wort Deutsch.

Wie war denn der Empfang in Eppertshausen?

Das war alles sehr unkompliziert damals. Die Menschen waren sehr freundlich und offenherzig. Klar war das mit der Verständigung nicht so einfach, aber wo Englisch am Anfang nicht weitergeholfen hat, musste es eben mit Händen und Füßen gehen. Das Kontakteknüpfen hat aber auch so ganz gut geklappt.

Allzu lang sind Sie nach dem Jahr in Hessen nicht nach Ungarn zurückgekehrt...

Nein, stimmt, das waren nur ein paar Wochen. Ich hatte während des Jahres den 19-jährigen Carsten kennen gelernt und wir haben uns prima verstanden. Das war eine echt witzige Geschichte: Das Haus der Familie war gegenüber der Feuerwehr, wo er viel unterwegs war. Und da sind wir uns eines Tages über den Weg gelaufen ... Im Eiscafé auf dem Franz-Gruber-Platz hat sich das dann vertiefen lassen. Mir war sein Charakter sehr sympathisch, er war anders als viele andere. Carsten hat gerade seine Ausbildung bei der Sparkasse gemacht.

Nun sind Sie seit 16 Jahren verheiratet und Ihr Mann ist im Amt bestätigt worden. Wie sieht der Alltag einer Bürgermeister-Ehefrau aus?

Das ist ein Punkt, der nicht immer einfach ist. Ich habe mich sehr mit ihm über seinen Erfolg bei der Wahl im September gefreut und stehe nach wie vor hinter ihm und seinem Beruf. Bei Terminen, die mich auch interessieren, bin ich gerne dabei. Auch in der Fastnachtszeit waren wir viel unterwegs. Klar ist aber auch, dass sein Job und die aufwändige Art, wie er ihn ausfüllt, viel Zeit kosten. Da müssen Frau und Sohnemann ab und zu zurückstehen, was ihnen manchmal schwer fällt.

Wie spannen die Helfmanns aus?

Wir fahren mindestens einmal im Jahr zu meiner Familie nach Ungarn. Außerdem mache ich gerne Aerobic, früher im Fitnessstudio, heute zuhause. Außerdem lese ich gerne Bücher von Ildikó von Kürthy und bin immer noch daran, meinen deutschen Wortschatz zu verbessern.

1997 haben Sie sich schon einmal mit einem Kosmetikstudio selbstständig gemacht. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Mein Plan ist, in nächster Zeit wieder etwas zu starten. Was genau, weiß ich noch nicht, mir ist durch den Kopf gegangen, nochmal zu studieren. Aber mir gefällt auch die Idee, das Kosmetikstudio wieder aufleben zu lassen, sehr gut. Da hätte ich die Ausrüstung schon und kenne mich aus. Mal schauen. Bis Herbst will ich mich entscheiden.

Quelle: op-online.de

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