Casting für Halloween-Erschrecker

Gesucht: Untote und Horrorfratzen

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Schaurig-schreckliche Erschrecker warten nach erfolgreicher Bewerbung auf ihren Auftritt an der Thomashütte.

Eppertshausen - Schon lange hat die Casting-Welle – übern großen Teich kommend – auch Deutschland überschwappt. Von Michael Just

Kaum ein Abend im TV, bei dem nicht etliche Juroren an einem Tisch sitzen und davor Bewerber sich bemühen, mehr oder weniger professionell die gestellten Aufgabe erfüllen. Nun schickte sich die Thomashütte ebenfalls an, ein Casting auszurichten. Der Aufruf: „Erschrecker für Halloween gesucht!“.

„Wir haben für unsere am Monatsende geplanten Veranstaltung natürlich ein profesionelles Gruselteam. Wir wollen aber Laien zusätzlich die Chance geben, ebenfalls mit dabei zu sein“, sagt Gerd Hübner von der Thomashütte. Bedarf wäre noch auf dem Gruselparcours im Wald, in der Werwolfscheune oder im ehemaligen Schlachthaus der Thomashütte.

Freaks beim Casting?

„Kommt überhaupt irgendwer und zu einem solchen Casting? Und wenn ja, welche Freaks sind das?“, durfte man sich im Vorfeld fragen. Doch dann die Überraschung: Zehn Interessierte aus Eppertshausen, dem Kreis Offenbach, Frankfurt, Darmstadt und - dank Facebook - aus Ludwigshafen kamen und stellen sich der Jury. In der saßen Gerd Hübner und Jasmin Malter von der Thomashütte, dazu Mareike Biek. Die Künstlerin, die unter anderem als Fotografin und Air-Brusherin arbeitet, hat als Mitglied von Zombie-Works schon bei den legendären Halloween-Nächten auf Burg Frankenstein bei Darmstadt für stehende Nackenhaare gesorgt. Für die Thomashütte agiert sie nun als „Chef-Erschreckerin“.

Gecastet wird im Halbdunkel einer Scheune, auf dem Tisch der Jury stehen zwei Kerzenleuchter. Wie es die Auschreibung verlangte, sind die Kandidaten geschminkt gekommen. Der erste Eindruck haut fast um: Fast alle sind so perfekt hergerichtet, dass man sie zur nächsten Filmproduktion schicken könnte.

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Laut Hübner reichen Outfit und Make-up aber nicht: „Es geht auch darum, wie man die Rolle verkörpert und rüberbringt.“ Mit den Worten der Jury: „Wir hätten jetzt gerne eine Gänsehaut!“, geht’s los. Einzeln müssen die Bewerber nach vorne, zuerst wird nach Name und dem Beruf im „normalen“ Leben gefragt. Die erste Kandidatin, eine Videotheken-Betreiberin aus Frankfurt, kommt als Untote. Blutüberströmt und mit reichlich Knetmasse wirkt sie mit runterhängendem Auge hollywoodreif. Es schaut aus, als ob sie zwei Minuten zuvor in eine Kreissäge gelaufen ist. Wie sie sagt, hätte sie durch die Filme in ihrem Laden reichlich Anregung.

„Einmal knurren“ fordert die Jury die Untote auf, die ihre Zurückhaltung erst noch ablegen muss. Trotzdem gibts ein Kompliment: „Das hat geflasht“, meint Hübner. Mehr Empathie legt die zweite Kandidatin in die Rolle, die als Moorleiche gleich zischend vor die Jury tritt. „Ich muss einfach alle erschrecken. Das macht mir Spaß“, sagt Gerda Fuchs, Blumenladenbesitzerin aus Rödermark, die zum ersten Mal bei so etwas dabei ist. Die 49-Jährige verkleidet sich gerne und liebt Fastnacht oder Halloween. „Die meisten Frauen wollen immer schön und sexy aussehen. Ich hingegen habe auch eine finstere Seite“, sagt sie lachend.

Zombie-Walk durch Frankfurt

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Das Casting endet mit einer Überraschung: „Alle zehn Personen sind bei den Halloween-Nights als Gasterschrecker dabei. „Jeder hat uns auf seine Art überzeugt. Es wäre unfair, jetzt zu selektieren“, sagt Hübner. Ein Schauspieler aus Darmstadt darf sich besonders freuen: Er wird sogar in die Show der professionellen Crew eingebaut.

„Die Vergütung ist bei allen Verhandlungssache“, sagt Hübner auf Nachfrage. Unter den Kandidaten war auch ein jüngerer Mann, der gruseloptisch mit seinem Zylinder an Alice Copper erinnerte. Seinen Namen wollte er lieber nicht sagen: „Das ist nicht gut für meine Glaubwürdigkeit. Ich bin in Nieder-Roden in der Politik“, so seine Erklärung.

Quelle: op-online.de

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