Vor Überfall Mut angetrunken

Darmstadt/Eppertshausen - Bei diesem Überfall ging wirklich alles schief: Erst gelingt es den Tätern nicht, die Kasse zu öffnen, dann schlagen die Opfer sie ohne Beute in die Flucht und wenige Wochen später werden sie festgenommen. VonSilke Gelhausen-Schüßler

Nach zwei kurzen Prozesstagen im Fall des erfolglosen Kiosks-Raubs am 2. August letzten Jahres ist nun am Landgericht Darmstadt das Urteil gefallen. Josef-Aref D. (29) aus Dieburg muss für zweieinhalb Jahre hinter Gitter, sein Groß-Rohrheimer Komplize Stanislaw R. (27) kommt mit zwei Jahren auf Bewährung und 800 Euro Geldstrafe zugunsten eines Wiesbadener Kinderhospizes davon. Beide sind bereits vorbestraft, bei D. fand die Polizei außerdem ein Kilogramm Cannabis, deshalb verhängte Richter Thomas Hanke hier eine höhere Sanktion.

Es ist kurz vor vier am Nachmittag des 2. Augusts 2011, als Maria Sperl aus dem Lager ihres Geschäftshauses kommt, weil sie die Türglocke gehört hat. D. steht schon hinter der Theke an der Kasse, R. empfängt sie mit einer Schreckschusspistole an der Tür. Mit einem ohrenbetäubende Schrei schlägt Sperl R. sofort in die Flucht, Sekunden später steht Sohn Reiner im Laden. Bevor auch D. das Feld räumt, schleudert er Sperl noch gegen eine Regalwand, will dann fliehen, aber Reiner hält ihn fest. Es kommt zum Gerangel, dem D. schließlich entkommt.

Mit couragiertem Widerstand Überfall vereitelt

Der unerwartet couragierten Widerstand der Kioskbesitzerin und ihres Sohnes hat aber nicht nur den Überfall vereitelt, sondern auch dafür gesorgt, dass die Ordnungshüter so schnell zugreifen konnten: Sperl riss D. die Kappe, Jacke und Sturmhaube herunter. An der Haube konnten DNA-Spuren sicher gestellt werden. Mutter und Sohn erkannten anhand von Bildvorlagen den entblößten Täter wieder, der bereits in der Kartei registriert war.

„Ein außerordentlich dilettantisches Vorgehen, getrieben von der Drogensucht D.´s, die immer wieder zu Geldnot führte“, bringt Staatsanwalt Sebastian Grassl den missglückten Überfall samt Motiv auf den Punkt. Für ihn kommt indes verminderte Schuldfähigkeit infrage: Beide Täter hatten sich im Vorfeld ein „Fläschchen“ Wodka geteilt und womöglich Mut angetrunken. D. war außerdem durch einen Regel-Konsum von drei bis fünf Gramm Haschisch am Tag zusätzlich gedopt. Strafmildernd wirkten außerdem ihre umfassenden Geständnisse. Damit ersparten die Angeklagten den Zeugen Aussagen und Stress vor Gericht.

Quelle: op-online.de

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