Ein vereinsamter Ortskern

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Die Tage des Schlecker-Marktes am Franz-Gruber-Platz sind gezählt: Noch ein Geschäft weniger, in dem die Eppertshäuser Dinge des täglichen Bedarfs direkt im Ortskern erwerben können. Der Drogeriemarkt verschwindet nicht gänzlich aus der Gemeinde: Im Park 45 wird ein Schlecker XL eröffnet. Der ist für die meisten Eppertshäuser dann nicht mehr zu Fuß erreichbar.

Eppertshausen ‐ „Die Nähe zum Verbraucher ist Schlecker wichtig. Der Discounter kommuniziert seine Preisführerschaft daher auf vielen verschiedenen Wegen. Kunden können sowohl im Schlecker Markt um die Ecke einkaufen, oder über das Internet bequem von zu Hause aus.“ Von Jasmin Frank

Diese Worte sind zwar der Homepage des Drogerieartikelanbieters nachzulesen, treffen für Eppertshausen ab dem 9. Dezember nicht mehr zu: Dann schließt auch die letzte der beiden hiesigen Filialen. Während an der Hauptstraße schon seit einiger Zeit nur noch aufgeräumt wird, können die Einwohner noch am Franz-Gruber-Platz „um die Ecke“ einkaufen. Dort brummt das Geschäft. Warum der gutgehende Markt dicht gemacht wird, ist für Kunden und Personal kaum nachvollziehbar. „Ich kaufe oft hier ein. Ich selbst fahre kein Auto, bin also auf kurze Wege angewiesen“, erzählt Gerlinde Huber, die wie viele ältere Leute mehr Geschäfte im Ortskern vermisst. „Mittlerweile kann man so zentral wie hier ja kaum noch etwas einkaufen. Für alles und jedes müssen weite Wege zurückgelegt werden. Wenn ich unterwegs bin, fahre ich dann meistens nach Münster, denn im Gegensatz zum Park 45 bekommt man dort wenigstens alles auf einmal.“

Einkaufen nur noch per Auto

Gerade für ältere Leute ist das Aussterben der Ortszentren, das sich auch anderswo beobachten lässt, ein Problem, sind sie dadurch noch mehr auf Hilfe von anderen angewiesen. Aber auch viele Mütter, die sich beispielsweise mit ihrem Partner ein Auto teilen, haben nun Probleme, wie Bettina Schott erklärt. Sie ist mit ihrem elf Monate alten Sohn Emanuel unterwegs: „Ich kaufe hier oft ein. Hierher kann ich einfach mit dem Kinderwagen laufen. Sonst muss ich ja für alles ein Auto nehmen und dann fahre ich gleich nach Rödermark. Aber jedem passiert es mal, dass man beim Großeinkauf etwas vergisst und man noch schnell die eine Sache holen möchte. Das kann ich jetzt so ohne weiteres nicht mehr machen.“ Doch nicht nur vereinzelte Waren liegen an diesem Vormittag auf dem Kassenband, die meisten Kunden kaufen gleich mehrere Sachen ein: Hühnersuppen, Katzenfutter, Teelichter, Cremes und Putzmittel.

Angestellte haben Angst vor Arbeitslosigkeit

Nicht nur für die Kunden ist die Schließung ein Problem, auch für die Angestellten. Immer wieder kursieren Gerüchte, dass Schlecker bundesweit sein Stammpersonal entlässt, um einen Teil der Mitarbeiter dann für neue, große Filialen der Sparte Schlecker XL wieder einzustellen – natürlich zu schlechteren Konditionen. Die Angst der bisherigen Angestellten in den Eppertshäuser Filialen ist dementsprechend groß und die meisten wollen keine Auskunft geben. Lediglich eine Verkäuferin, die anonym bleiben möchte, erzählt: „Soweit ich weiß, wurden alle erst einmal entlassen. Die Mitarbeiterinnen, die noch neu waren und ohnehin weniger verdient haben, bekamen Angebote für Märkte im Umkreis. Diejenigen aber, die schon lange dabei sind und deshalb noch etwas bessere Konditionen hatten, haben erst einmal keine Angebote erhalten. Aber über das genaue Vorgehen bei jedem Einzelnen bin ich natürlich auch nicht informiert.“

Fest steht, dass der zentrale Platz in Eppertshausen leerer und der Franz-Gruber-Platz nun geringere Anreize für einen Besuch bieten wird. Ein Thema, das auch die Gemeindeverwaltung sorgt: „Wir sind selbst wie jeder andere Bürger nur über den Aushang von der Schließung informiert worden. Direkt können wir nichts machen, da uns das Gebäude ja nicht gehört. Wir stehen aber als Vermittler für den Eigentümer bereit und haben auch schon die ein oder andere Option abgewogen. Unser Favorit wäre eine Filiale einer Lebensmittelkette, die sich auf kleine Läden in Ortszentren spezialisiert hat. Aber noch ist nichts spruchreif“, erläutert Bürgermeister Carsten Helfmann.

Unterdessen wachsen die bisher von den Eppertshäusern bemängelten Einkaufsmöglichkeiten im Park 45: Dort entsteht ein Schlecker XL-Drogeriemarkt.

Quelle: op-online.de

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