Verliebt ins weiße Kaninchen

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Ungefährdet führen Fahrräder die Bestenliste der Fundbüros in Münster und Eppertshausen an: Sie werden am häufigsten vergessen und meist vom Bauhof aufgegriffen. Auch allerlei Kleidung landet im Gemeinde-Fundus.

Münster/Eppertshausen ‐ In den Fundämtern der Gemeinden türmen sich zum Jahreswechsel mancherlei kuriose Fundstücke. „Unser spektakulärster Fund war ein Blutdruckmessgerät“, erzählt Liana Kurth aus der Gemeinde Münster – trotz intensiver Versuche das Profigerät an ansässige Ärzte zu vermitteln, wurde der Besitzer nicht aufgespürt. Von Ursula Friedrich

Auch der Ehemann, dessen Ring seit Monaten im Fundbüro liegt, scheint in seiner Beziehung nicht glücklich genug gewesen zu sein, um das Symbol dieses Bündnisses akribisch zu suchen. Wie wohl die Mutter ihr Baby heim bugsierte, dessen komfortabler Kinderwagen nun kinderlos im Büro herumsteht? Und welcher Hobbygärtner wollte bei diesem Wetter den Garten umbuddeln, verlor jedoch seine Hacke? Selbst ein weißes Kaninchen hoppelte einmal durch die Räume des Gemeindeamtes – die Finderin verliebte sich allerdings selbst in das Tier. Die Spitzenposition in der Liste der 251 Fundstücke halten Fahrräder.

Fundbüroleiterin Maria Ullges stellte alle 76 gefundenen Räder im vergangenen Jahr im Fahrradkeller ab – manche werden zurückgefordert. 68 Schlüsselbunde, gefolgt von einem ganzen Sortiment unterschiedlichster Brillen haben die weiteren vorderen Plätze der Fundbüro-Bestenliste belegt. „Die Finder werden nach einem halben Jahr angerufen, wenn die Dinge nicht abgeholt werden“, erklärt Liana Kurth über das weitere Schicksal der Fundgegenstände. Allerdings haben die ursprünglichen Inhaber nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) noch drei Jahre lang ein Anrecht auf ihren Besitz – den verlorenen goldenen Ehering könnte bis dahin allerdings der Finder eingeschmolzen haben.

Selbst wertvolle Fundstücke werden nicht abgeholt

Auf den Internetseiten der Gemeinden Eppertshausen und Münster sind die jüngsten Fundstücke dokumentiert –   ein halbes Jahr werden sie verwahrt.

110 Fundstücke zählt die Statistik der Gemeinde Epperthausen für das vergangene Jahr. Bei Büroleiterin Jasmina König werden besonders häufig Schlüssel abgegeben – und wer glaubt, diese lebenswichtigen Dinge würden von älteren, etwas verwirrten Mitmenschen verloren, der irrt. Leute aller Generationen verlieren ihr Hab und Gut an unmöglichsten Stellen. Besonders Kinder vergessen vieles: Sonnenbrillen, Rucksäcke, Jacken, Sweatshirts, Kinderuhren und vieles mehr werden von den Hausmeistern in öffentlichen Gebäuden gesammelt und im Fundbüro abgegeben. Erstaunlich ist, dass zum Teil wertvolle Fundstücke nicht vom Besitzer zurückverlangt werden. Eine Geldbörse mit 50 Euro, ein Diamantring und vieles andere liegen in den Regalen des Gemeindeamtes. Mitten im Winter muss eine Dame ihr wärmstes Kleidungsstück auf dem Festplatz zurückgelassen haben, um unbemantelt nach Hause zu traben. Seine Spiegelreflexkamera hatte ein Hobbyfotograf zwar stehen lassen, inzwischen jedoch abgeholt.

Die Gemeinden verwahren nicht nur, inzwischen verstehen sich die Ämter als Dienstleister. Was aktuell in den Fundbüros der Gemeinden abgegeben wurde, findet sich daher im Internet wieder – Kunden bleibt der Weg zum Büro also zunächst erspart.

Quelle: op-online.de

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