Unter falscher Identität bestellte Ware landet in Büro in Eppertshausen

Groß angelegter Versandbetrug - Erstes Geständnis vor Gericht

Offenbach/Eppertshausen - Der Fall, den am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Offenbach der Vorsitzende Manfred Beck verhandelte, liegt schon drei Jahre zurück. Im Mai 2014 hatte die Polizei in Eppertshausen ein Büro durchsucht. Von Stefan Mangold 

Der Vorwurf an die Angeklagten: Sie sollen unter falschen Identitäten im Internet Ware bestellt haben, ohne zu bezahlen. Am zweiten Verhandlungstag legt einer der Angeklagten ein Teilgeständnis ab.
Der 29-Jährige saß damals im Büro, als die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss erschien, alles Relevante einpackte und den Anwesenden abführte. Der erzählt jetzt über seine Rolle im Betrugsfall. Versandhändler hatten Laptops, Fernseher, Fahrräder, Smartphones oder Schuhe geliefert. Die mutmaßlichen Täter ließen sich die Produkte auf verschiedene Namen senden, wobei sie offensichtlich im Internet gehackte Kreditkartennummern und gestohlene Ausweise nutzten. Ein Zeuge legt außerdem ein Hinweisschreiben von T-Online vor, das erklärt, seine Internetkennung werde zum Zweck von Einkäufen fremd benutzt. Heraus kam der Sachverhalt, der zur Anklage führte, durch einen Fahrradhändler. Der roch den Braten und informierte die Polizei.

Der 29-jährige Angeklagte erzählt, er habe mit seiner Firma finanziellen Schiffbruch erlitten. Ein Kumpel habe ihm mit 1500 Euro aus der ärgsten Bredouille geholfen. Um den Kredit abzubauen, habe der Freund ihm angeboten, sich im Büro aufzuhalten, um Pakete entgegen zu nehmen. Mit einem geklauten polnischen Pass habe er zudem diverse Konten für seinen Gläubiger eröffnet.

Der Illegalität sei er sich bewusst gewesen, „aber mir stand das Wasser bis zum Hals“. Nach vier Tagen Präsenz im Büro sei er verhaftet worden. Bis dahin habe er dort niemanden außer Paketboten gesehen. Die beiden anderen Angeklagten kenne er nur aus dem Gerichtssaal.

Ein weiterer Angeklagter meldete sich krank, weshalb Richter Beck die Verfahren gegen die Rüge der Anwälte Hans Georg Kaschel und Tomislav Cosic trennt, anstatt zu vertagen.

Neue Zustell-Formen: So landen Pakete beim Empfänger

Cosic vertritt einen 43-jährigen, der in Handschellen erscheint. Wegen einer anderen Geschichte sitzt er in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen des Staatsanwaltes, er sei der Kopf des Unternehmens, macht er von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Sein Verteidiger setzt den Hebel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen aus den Akten an. Der ist identisch mit dem Kumpel des 29-jährigen Mitangeklagten. Cosic fragt eine damals ermittelnde Polizistin, womit es zusammenhänge, dass sich der Mann in einem Zeugenschutzprogramm befände: „Was haben sie ihm angeboten?“ Der Anwalt vermutet, die Aussage des Bekannten seines Mandanten habe erst durch Straffreiheitsversprechungen an Konkretion gewonnen. Einen „technischen Beweis“ hätten die Ermittler nicht gefunden.

Die Polizistin erklärt, der Zeuge habe seine Angst vor der „Jugomafia“ artikuliert. Er wolle nicht so enden wie ein Wettbürobesitzer, der 2014 erschossen wurde. Das zieht der Rechtsanwalt in Zweifel, „über Jahre arbeitet er mit den ‘Jugos’ zusammen, und dann plötzlich Angst?“

Zum dritten Verhandlungstag am 22. Juni soll unter anderem der mögliche Hauptbelastungszeuge aussagen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion