Vorbild für gelungene Integration

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Im Kreise seiner Schützlinge fühlt sich Ernes Erko Kalac wohl. Er setzt sich aus ganzem Herzen für Integration durch Sport ein. Mit seinem Verein GKV Lotus Eppertshausen unterstützt er sowohl Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund als auch Menschen mit Behinderung oder aus sozial belasteten Verhältnissen.

Eppertshausen ‐ „Jugendliche Migranten, auch in der zweiten und dritten Generation brauchen Vorbilder – Vorbilder für eine gelungene Integration“, sagte Thomas Koch, Leiter des Integrationsbüros des Kreis Darmstadt-Dieburg, bei einer Feierstunde im Kreistagssitzungssaal des Landratamtes Darmstadt. Von Jasmin Frank und Christina Schäfer

Der Eppertshäuser Ernes Erko Kalac ist ein solches Vorbild. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist es ihm gelungen, sich zu integrieren und sich dabei auch selbst für die Integration durch Sport einzusetzen. Nun zeichnete der Bayerische Karateverband den Eppertshäuser Jahrgang 1964 für seine Verdienste mit der Goldenen Ehrennadel – die höchste Auszeichnung für besonderes Engagement im Karatesport – aus. Die Laudatio hielt SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries.

Wer wünscht sich nicht ein friedliches Miteinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Land? Und wer freut sich nicht, wenn auch Menschen mit wenig Geld die Möglichkeit bekommen, einen Sport auszuüben? Ernes Erko Kalac liegt das Thema Integration am Herzen. 1998 flüchtete der Kampfsportmeister vor dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. In Deutschland erlebte er, wie es ist, ein Außenseiter zu sein: „Ich merkte schnell, dass ich keine Chance in einem Land habe, dessen Sprache ich nicht beherrsche. Also schlug ich mich mit Gelegenheitsjobs durch und lernte in Eigenregie Deutsch.“ Er arbeitete in einer Putzkolonne und war als Privatdetektiv in einem Kaufhaus in Darmstadt beschäftigt.

Früher waren 14 Mark im Monat unerschwinglich

Auch in sportlicher Hinsicht war es für Kalac nicht einfach, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. „Als ich nach Deutschland kam, war mein Name im Bereich Kampfsport durchaus ein Begriff. Ich suchte dann einen Verein zum trainieren und fand auch einen guten. Das Problem war: Ich hatte kein Geld, den Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. 14 Mark im Monat waren für mich unerschwinglich.“ Deshalb ist es ihm ein großes Anliegen, dass in seinem im Jahr 2002 gegründeten „Gesundheits- und Kampfsportverein Lotus Eppertshausen/Rödermark“ jeder mitmachen kann – auch wenn das Geld fehlt. „Bei uns gibt es wohlhabende Mitglieder, die gern dazu bereit sind, die Beiträge von denen zu übernehmen, die wenig Geld haben. Vor allem Alleinerziehende haben häufig nur knappe Finanzmittel zur Verfügung“, so Kalac.

Etwa ein Drittel der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund und kommen durch den Sport in regen Kontakt mit der deutschen Gesellschaft. „Integration heißt für mich, die Sprache, Kultur und Politik eines Landes so zu verstehen, dass man sich nicht mehr fremd fühlt“, erläutert Kalac. Er selbst hat einen muslimischen Vater und eine katholische Mutter und ist von klein auf mit seinen vier Geschwistern im toleranten Einvernehmen der beiden Kulturen groß geworden. Weil ihm das Thema des Zusammenlebens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen schon lange am Herzen lag und er sich auch über seinen Verein hinaus stark dafür interessiert hat, ist er im Jahr 2007 zum Integrationsbotschafter des Deutschen Olympischen Sportbundes ernannt worden. Im Rahmen seiner Tätigkeit ist er bundesweit unterwegs und hält Vorträge an Universitäten, in Schulen und in städtischen Einrichtungen. „Auch in Rödermark, wo ja das zweite Standbein meines Vereins ist, haben wir ein umfassendes Integrationskonzept entwickelt. Dort haben wir schon viel zusammen erreicht. Nur in Eppertshausen, wo ich seit gut vier Jahren wohne, war die Gemeindeverwaltung noch nicht an meiner Unterstützung interessiert“, wundert sich Kalac.

Kalac: „Meine Basis ist mein Sport.“

Für seine Verdienste erhielt er schon zahlreiche Preise, darunter den goldenen Stern des Sports auf Bundesebene, den Hessischen Integrationspreis, den Heinz-Lindner-Preis des Landessportbundes Hessen und den Sportehrenpreis des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Das Integrationsbüro des Landkreises Darmstadt-Dieburg widmete Kalac jüngst eine dreitägige Ausstellung. In Bildern und Texten dokumentierte das Integrationsbüro den Werdegang von Ernes Erko Kalac. Der Eppertshäuser bleibt bescheiden: „Meine Basis ist mein Sport.“ Die Ausstellung endete mit der Feierstunde, die auch vom Gesangverein Germania Eppertshausen untermalt wurde.

Quelle: op-online.de

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