Warmes Lächeln statt vieler Worte

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Von der Offenheit und Lebensfreude der einheimischen Kinder war Daniela Anton (3.v.r.) sehr beeindruckt.

Eppertshausen - Acht Wochen verbrachte Daniela Anton in Sri Lanka und absolvierte ein Praktikum im „Angels Home for Children“, einem Kinderheim für Mädchen, in Marawila an der Westküste Sri Lankas. Kürzlich kehrte sie von ihrer spannenden Reise zurück und berichtet nun von ihren Erlebnissen in einer völlig fremden Kultur.

Für mich ist Sri Lanka in den zwei Monaten, die ich dort verbracht habe, zu einem ganz besonderen Land geworden – einem Land mit unglaublich vielen Gesichtern, von denen ich einige während meines Aufenthaltes hautnah erleben durfte. Für viele mag Sri Lanka eine Trauminsel sein, das Land der 18 verschiedenen Bananensorten, des Reis mit Curry und der Kokospalmen.

Für mich ist es ungleich mehr geworden in der Zeit, die ich dort verbracht habe. Ich hatte die Chance, hinter die sonnigen Kulissen der Insel zu schauen, die Korruption und Planlosigkeit zu erfahren, und die Not und die Schicksale einiger Menschen dort, die so sehr auf ihre verschiedenen Religionen vertrauen, dass sie teilweise vergessen an sich selbst und ihre Zukunft zu glauben.

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Diese Eindrücke haben mir auf vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Alle Probleme, die man in Deutschland tagtäglich sieht oder die man sich selbst erschafft, aller Stress und alle Gedanken an Zukunft und Karriere waren jeden Tag aufs Neue wie weggewischt. Wenn ich im Angels Home ankam, die Entwicklungen auf der Baustelle für das neue Heim sehen konnte, das in den wenigen Wochen immer mehr Formen annahm, und mir vorstellte, welche neuen Chancen sich für die Kinder dort eröffnen werden, dann schlug mein Herz nur noch für diese Kinder und ihre Welt. Ich habe versucht, diese in meiner Zeit in Sri Lanka zu verstehen und ein wenig mit meinen Ideen und meiner Kreativität zu bereichern. Aber in Wahrheit habe ich aus der Begegnung mit den Kindern dort vermutlich mehr gelernt, als sie durch mich. Ihre Offenheit und Wärme, ihr Lachen und ihr Wille, die Welt zu begreifen und zu meistern, ihre Kreativität und ihr Talent, sich durch Tanz auszudrücken, werden mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben.

In meiner Zeit dort habe ich erleben können, wie gut es ist, dass es Menschen wie Frank Lieneke und Julia Fischer, die Leiter des Projekts, gibt, die ihr ganzes Leben einer guten Sache verschreiben, selbst wenn diese immer wieder auch hoffnungslos wirkt und die Steine, die ihnen von Seiten der Regierung oder anderen Institutionen in den Weg gelegt werden, manchmal unüberwindbar scheinen. Obwohl die Fertigstellung des neuen Kinderheims noch in weiter Ferne liegt, da die notwendigen Mittel fehlen und das Team um jeden Cent für das Projekt kämpfen muss, setzen sich Lieneke, Fischer und das ganze Team des Dry Lands Project e.V. beständig für das Ziel ein, den Kindern im Angels Home eine Zukunft mit Perspektiven bieten zu können. Und sie geben in diesem Bemühen nicht auf, selbst wenn es scheint, als könnte das neue Heim nicht bis zum Ablauf der Pacht 2011 fertig gestellt sein.

Am kommenden Sonntag, 27. September, berichtet Daniela Anton ab 16 Uhr im Haus der Vereine in Eppertshausen von ihrer bewegenden Zeit in Sri Lanka.

Ich bin dankbar für die vielen überwältigenden Erfahrungen, die ich in meinem Praktikum und auch generell in Sri Lanka machen konnte. Auch für das Lächeln der Mädchen und vor allem dafür, dass am Ende ausnahmslos alle von ihnen Vertrauen zu mir gefasst hatten und man sich eine Ebene geschaffen hatte, die notfalls auch ohne Worte funktionierte, die auf Lächeln, Zeigen und Händehalten basierte. Es ist schön, zu sehen, dass man mit ein wenig Liebe und Menschlichkeit überall auf der Welt Mittel und Wege findet, zu den Menschen durchzudringen und neue Freundschaften zu knüpfen, selbst wenn dazu die sprachliche Basis fehlt.

Ich bin jedoch ebenso dankbar für die vielen Schwierigkeiten, Kommunikationsprobleme und Kulturunterschiede, die mir die Augen geöffnet haben für die Tatsache, dass die Träume, die wir in Deutschland für uns und für andere haben, und das Weltbild, das wir uns erschaffen, nicht notwendigerweise mit dem anderer Kulturen übereinstimmt. Wir müssen unseren Egoismus dahingehend ablegen, da wir nicht zwangsläufig immer wissen, was das Beste für Menschen in anderen Teilen der Welt ist.

Quelle: op-online.de

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