Aus war´s mit guter Nachbarschaft

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Walter Franz Hennlein blickt aus seinem Haus in den seit zwei Jahren verwaisten Nachbargarten, den niemand mehr pflegt oder in dem gar die Bäume zurückgeschnitten werden.

Eppertshausen - Jahrzehntelang lief es zwischen den Nachbarn in der Spessartstraße im Failisch-Viertel bestens. Nie hätte Walter Franz Hennlein daran gedacht, dass seine Idylle einmal getrübt werden sollte. Von Thomas Meier

Und das ausgerechnet von Seiten des Nachbarn, mit dem er immer so nett über den gepflegten Gartenzaun plauderte, Tipps und Tricks der Landschaftsgestaltung oder des Obstanbaus austauschte. Doch was Mitte der 1960-er Jahre mit dem schweißtreibenden Aufbau des Eigenheims nebst Gartenanlage begann, sollte zwar lange währen, aber eben nicht ewig. (Un-)Kraut und Rüben heute dort, wo einst die schönste Gartenordnung herrschte.

Der aus dem Sudetendeutschen stammende Hennlein fand in Eppertshausen seine große Liebe und bekam mit ihr auch schnell einen günstigen Bauplatz. Dem sehr gepflegten Einfamilienhaus mit großzügigem Garten sieht man noch heute an, dass es der Stolz seiner Bewohner ist. Auch wenn der heute 69-jährige Häuslebauer von einst körperlich längst nicht mehr so kann wie er gern möchte, sieht er doch zu, dass sein Anwesen adrett bleibt: „Ich habe da einen jungen Mann, der hält mir alles in Ordnung“, sagt Hennlein.

Sein Problem liegt jenseits der Grundstücksgrenze. Der Nachbar, der früher mit ihm an einem Strang in Sachen Ordnung zog, verstarb vor zwei Jahren, ebenso seine Frau. „Und seitdem geht es mit dem Nachbargrundstück bergab. Scheinbar sind keine Erben da. Das Ganze wird verwaltet von einem auswärtigen Rechtsanwalt, lange Zeit stand das Haus verlassen da, mittlerweile ist es zwar vermietet, aber um den Garten und die Apfelbäume kümmert sich niemand. Warum auch? Die Leute wollen wohnen, nicht fremde Gärten bewirtschaften.“

Fall für den Schiedsmann

An wen sich wenden in dieser Not? Ein jeder verweist gegenüber Hennlein auf andere, die sich kümmern sollten. Der Anwalt auf die Erben, die noch nicht ermittelt sind. Die Mieter auf Verträge, und der Mann vom örtlichen Liegenschaftsamt sagt, da sei die Verwaltung machtlos, das sei eine typische Nachbarschaftsangelegenheit.

Und auch die Tageszeitung, die er seit Jahren liest, ist sicher nicht der richtige Ansprechpartner, wenn es um im Herbst faulende Äpfel geht, die dem OP-Leser Hennlein stinken wie seine Gesamtsituation.

Doch gibt es für solche Zwangslagen, die weitaus häufiger vorkommen als man denkt, einen Kümmerer. Einen, der amtlich bestellt zur Hilfe und Vermittlung bereit ist: „Herrn Hennleins Fall ist geradezu prädestiniert für den Schiedsmann“, sagt Jürgen Geist, als Leiter des Fachbereichs 3 in Eppertshausens Verwaltung zuständig unter anderem für Bau- und Grundstücksordnung. Es handele sich nämlich um einen Fall von Nachbarrecht.

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Diese Erkenntnis hatte bereits im 18. Jahrhundert kein geringerer als Friedrich Schiller. Doch auch in Ermangelung eines vermeintlich bösen Nachbarn, also wenn wie im Falle Hennlein keiner greifbar scheint, helfen die Schiedsleute. In Eppertshausen ist übrigens Bürgermeister Carsten Helfmann Schiedsperson und Ortsgerichtsvorsteher in Personalunion.

Allein dies Wissen, nicht ganz allein gegen Windmühlen kämpfen zu müssen, hilft schon etwas gegen das Ohnmachtsgefühl, das einen in solch unerwarteten Situationen schnell beschleicht. Sagt auch Hennlein. Man sieht wieder einen Streif am Horizont, auch wenn die Äpfel noch müffeln.

Eppertshausens Schiedsleute erreicht man ganz einfach über das Rathaus.

Quelle: op-online.de

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