Viele Informationen am Weltladen

Visionen, Limo und jede Menge fairer Lutherkaffee

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Ein „faires Frühstück“ am Franz-Gruber-Platz begleitete die Eppertshäuser Teilnahme am World-Fairtrade-Day.

Eppertshausen - „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“: Dieses Zitat war eins der weniger intelligenten, die Helmut Schmidt in seinen hunderten Interviews von sich gegeben hat. Von Jens Dörr

In seinen letzten Lebensjahren bezeichnete er den von den Medien zigfach wiedergegebenen Satz gar selbst als „pampige Antwort auf eine dusselige Frage“ eines Journalisten und wollte ihn nicht zu hoch gehängt wissen. Denn mit Visionen fängt viel Gutes, das irgendwann mal Wirklichkeit werden könnte, an. So vielleicht auch jene Visionen der deutschlandweit 400 Weltläden und des Forums Fairer Handel: Unter anderem der Eppertshäuser Weltladen teilte am Franz-Gruber-Platz seine Ansichten über Flyer und Gespräche bei einem gemeinsamen Frühstück mit. Visionen von fairen Arbeitsbedingungen weltweit, von einer bäuerlichen Landwirtschaft, die alle ernährt, und von einem menschenwürdigen Umgang mit jedermann.

Was in der Bundesrepublik zumindest in weiten Teilen erreicht ist, scheint gerade in vielen Entwicklungsländern noch immer eine Vision zu sein. Anlässlich der Bundestags-Wahl im September haben die deutschen Weltläden (darunter auch die rund 70 hessischen) und das Forum Fairer Handel politische Anliegen formuliert, die die Grundforderungen näher ausführen. Zu den „fairen Arbeitsbedingungen“ zählt etwa die Forderung, dem fairen Handel den Vorrang vor dem Freihandel einzuräumen und die faire Beschaffung von Produkten zum Standard – und nicht, wie bislang die Marktanteile des Fairtrades zeigen, zur Ausnahme – zu machen.

Auf Postkarten, die auch in Eppertshausen auslagen, kann jeder vor dem Wahltag seinen Wahlkreis-Kandidaten kundtun, dass er hinter den Visionen von fairen Arbeitsbedingungen, fairer bäuerliche Landwirtschaft und menschenwürdigem Umgang mit jedem steht. Im Fall Eppertshausen sammelt der Weltladen die Postkarten und will sie im September im Rahmen der Podiumsdiskussion mit den Wahlkreis-Kandidaten, die die Eppertshäuser Kolpingfamilie wieder in der Bürgerhalle durchführen wird, im Bündel übergeben. Dies erläuterte Klemens Euler, Vorsitzender des Eine-Welt-Vereins Eppertshausen.

Korrekt gekleidet - Ökologisch und fair shoppen

Er steht den derzeit 28 Frauen und zwei Männern vor, die ehrenamtlich den Weltladen am Franz-Gruber-Platz am Laufen halten, aber auch hinter den Kulissen freiwillig Arbeit in das Geschäft stecken. Dort herrschte jetzt viel Betrieb. Über den Vormittag verteilt nutzten mehrere Dutzend Kunden die Gelegenheit zum Einkauf und nahmen gegen eine Spende teils auch am „fairen Frühstück“ teil, bei dem der Weltladen außergewöhnliche Brotaufstriche zum Kosten anbot. Auch „Luthertee“, „-kaffee“ und „-schokolade“ sind anlässlich des Lutherjahrs derzeit frisch im Angebot. Seit einigen Monaten entpuppt sich vor allem das „Sonnenglas“ als eins der am besten verkauften Produkte – neben den Dauerbrennern Kaffee, Schokolade und Limonade.

Dabei handelt es sich um ein Einmachglas, in dem eine Solarzelle steckt, der ein Handyakku als Speicher dient und dessen Herstellung in einem Elendsviertel im südafrikanischen Johannesburg 60 Menschen eine Arbeit gibt. „Zudem ersetzt das Sonnenglas in Afrika vor Ort immer mehr die bisherigen Petroleumlampen“, sagte Euler. „Die haben durch Feuer immer gleich ein ganzes Haus gefährdet, wenn sie umgefallen sind. Zudem sparen sich die Leute das Petroleum – der Artikel ist dort wie auch hier bei uns im Weltladen ein Glücksfall.“ Der World-Fairtrade-Day am Wochenende findet stets am zweiten Samstag im Mai statt. Er bot auch Gelegenheit, mit Euler und den Weltladen-Mitarbeitern konkret über das Geschäft zu sprechen.

Siegel als Orientierung: Umweltbewusst und nachhaltig wohnen

Mit seiner Gründung 1993, damals noch in der Hauptstraße, war es in der Region ein Vorreiter. Später zogen Babenhausen und Dieburg nach, ganz frisch gibt es einen Weltladen auch in Groß-Umstadt. Inspiration für das Sortiment holt sich der Eine-Welt-Verein Eppertshausen, der 1998 an den Franz-Gruber-Platz zog und sich dort trotz nicht ganz günstiger Mietkonditionen bis heute hält, in Katalogen und auf Messen. „Unser Topprodukt ist und bleibt die fair gehandelte Limonade, von der verkaufen wir bestimmt 1000 Stück im Jahr“, überschlug Euler. Projektpartner gibt es nicht nur in Ostafrika und Mittelamerika. Auch in Palästina und im Libanon profitieren Menschen von ökologisch und ökonomisch für beide Seiten korrekten Handelsbeziehungen.

Quelle: op-online.de

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