Wenn Händeschütteln gefährlich wird

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Diagnose mit Abstrichen aus Rachen und Nase. Arzthelferinnen Siggi Oesswein (rechts) und Tina Krawatz demonstrieren, wie der Abstrich vorgenommen wird.

Darmstadt-Dieburg - Die Schweinegrippe verbreitet sich in rasantem Tempo. „Es besteht jedoch kein Grund zur Hysterie“, meint der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Georg Hoffmann. Von Gudrun Fritsch

In Hessen waren am Freitag 332 Fälle gemeldet, nur 52 davon haben sich vor Ort angesteckt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Tags zuvor waren es noch 285 gemeldete Erkrankungen. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg wurde das H1N1-Virus bisher noch in keinem Fall diagnostiziert. „Nur vereinzelt haben wir Verdachtsmeldungen“, so Hoffmann. Groß-Zimmern und Dieburg blieben demnach bisher ganz verschont. In Münster, Eppertshausen und Babenhausen gab es seit dem 23. Juli jeweils einen Verdacht, in Groß-Umstadt wurden am Freitag drei weitere Fälle mit den typischen Symptomen (plötzliches Fieber über 38,5 Grad Celsius, trockener Reizhusten, Muskel- und Kopfschmerzen, oft auch Gliederschmerzen und Schüttelfrost oder Übelkeit) gemeldet.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) befürchtet schwere Verläufe der Seuche. Hoffmann appelliert an die Bevölkerung, einfache Regeln zu beachten: „Klassische persönliche Hygiene“ werde wichtiger: „Das Virus wird leicht übertragen, durch Husten und Niesen ausgeschieden“, sagt der Experte. Wichtige Maßnahmen seien daher regelmäßiges Händewaschen und man sollte Augen, Nase und Mund möglichst wenig berühren.

Die meisten Erkrankungen verlaufen leicht. Die Zunahme der Infizierten wird hauptsächlich durch Reiserückkehrer verursacht, vor allem von Mallorca. Große Hoffnungen setzt das RKI in den Impfstoff, der im Herbst vorliegen soll. Regierungsplänen zufolge sollen zuerst chronisch Kranke, Ärzte und Schwestern, die Polizei und Hilfskräfte geimpft werden. „Wenn im Herbst die Ansteckungszeit beginnt, wird die Schweinegrippe wahrscheinlich auch bei uns auftreten. Darauf sind wir vorbereitet. Schwierig ist, dass das Virus hauptsächlich junge, mobile Menschen angreift“, meint Hoffmann.

Auch im Landkreis ist man zwar vorsichtig, aber gewappnet: Arzthelferin Sigi Oesswein gibt in der Groß-Zimmerner Praxis von Dr. Georg Rudolph und Udo Engelhardt Auskunft über den Umgang mit den Patienten. „Wenn die Symptome auftreten, sollte man am besten gleich den Arzt anrufen und möglichst nicht in die Praxis kommen, sondern unbedingt zu Hause bleiben“. Ab diesem Zeitpunkt sei zur Vorsicht geraten, die Betroffenen sollten möglichst abgeschottet verweilen. Mundschutz und erhöhte Hygienemaßnahmen seien auch für die Angehörigen angeraten.

Wenn die telefonische Diagnose den Verdacht bestätigt, wird ein Abstrich genommen, links und rechts in Nase und Rachen. „Die Watteträger sind leicht zu handhaben und kommen steril in ein dazugehöriges Gefäß. Wenn keine Pflegeperson da ist, kommt jemand aus der Praxis und nimmt den Abstrich“, erläutert Oesswein. Die Antwort aus dem Labor in Darmstadt liegt spätestens am nächsten Tag vor. Eile ist angesagt, denn das verschreibungspflichtige Medikament Tamiflu wirkt erfahrungsgemäß sehr gut, sofern es in den ersten 48 Stunden nach Auftreten der Beschwerden eingenommen wird. Nach einem positiven Bescheid muss Quarantäne gewahrt werden und „die Pflegenden müssen ganz besonders auf Hygiene achten“, erklärt Oesswein.

Meldung an das Gesundheitsamt ergeht automatisch. „Wir können die Einhaltung der Verhaltensregelungen nicht aktiv überprüfen, gehen aber davon aus, dass die Menschen vernünftig sind“, meint Hoffmann. Von der Infektion bis zum Ausbruch können ein bis vier Tage vergehen. Ansteckend ist die Schweinegrippe, solange die Symptome vorhanden sind. „Das sind ungefähr fünf Tage. In dieser Zeit ist die Hygiene das A und O“, meint Oeswein. Räume sollten desinfiziert werden und Kontaktpersonen müssen sich an die Verhaltensvorgaben halten.

Quelle: op-online.de

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