Amt des Landrates im Blick

„Werde hier nicht in Rente gehen“

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Ein Küsschen vor den Kameras für den Sieger: Nicole Uhrich beglückwünscht ihren Carsten Helfmann zum Wahlergebnis. 

Eppertshausen - Ein zufriedener Wahlsieger Carsten Helfmann blickt auf Erreichtes und in die Zukunft. Das Amt des Landrates ist für ihn reizvoll. Von Thomas Meier 

Mit 87,6 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen fuhr Carsten Helfmann am Sonntag persönlich ein prima Ergebnis für seine dritte Amtszeit als Bürgermeister im Ort ein. Die Demokratie indes erlitt doch eine leichte Schlappe, denn von 4689 Wahlberechtigten fanden sich gerade einmal 1903 in den Wahllokalen oder per Briefwahl ein. Magere 40,6 Prozent Wahlbeteiligung stehen unterm Strich. Was allerdings nicht dem Einzelkandidaten anzukreiden ist, der im Vorfeld sehr um den Urnengang geworben hat und mit 50 Prozent Wahlbeteiligung schon glücklich gewesen wäre, wie er sagt. Mit 229 Gegenstimmen (12,4 Prozent) bei 1624 Ja-Sagern lässt es sich für den Amtsinhaber gut weiter regieren. Es ist eine solide Bestätigung für seine Arbeit, auch wenn er sich ein breiteres Fundament gewünscht hätte. 29 Jahre war Helfmann im Februar 2003, als er als jüngster hessischer Bürgermeister ins Amt gehoben wurde. Die Wahl 2002 hatte er - damals noch mit einer Gegenkandidatin - mit 60,2 Prozent für sich entschieden, bei der ersten Wiederwahl 2008 waren es 91,2 Prozent der Stimmen, die er auf sich vereinigte.

Eigentlich mache er gern alle sechs Jahre mal wieder etwas anderes, sagt der nach zwölf Jahren erneut bestätigte Amtschef Eppertshausens. Sechs Jahre Sparkasse, sechs Jahre im Versicherungsbereich, nun zweimal sechs Jahre Bürgermeister mit weiteren sechs vor sich: „Ich kann mir nicht vorstellen, hier in Rente zu gehen“, antwortete der Unionsmann bereits vor sechs Jahren auf die Frage nach der Zukunft. Und die Aussage steht auch heute noch. Das Amt eines Landrates wäre für ihn „sehr, sehr interessant“, sagte er am Wahlabend unserer Zeitung. Eine schöne Herausforderung, mit 2000 Mitarbeitern kreisweit gestalten zu können. Schon zur letzten Legislaturperiode habe man allerdings vor seiner Wahl zum Bürgermeister den damaligen Unionskandidaten gekürt – wie auch jetzt wieder mit dem parteilosen Werner Thomas für die kommenden Landratswahlen. „Wir wollten keinen Raum für Spekulationen bieten, ich würde als gewählter Eppertshäuser Amtschef doch keine Legislaturperiode bleiben“, sagt Helfmann. Und auch jetzt gedenke er, sechs weitere Jahre für seinen Heimatort zu wirken.

„Momentan gut mit Privatleben zu vereinbaren"

„Momentan ist das sehr gut mit meinem Privatleben zu vereinbaren“, sagt der junge Papa, der mit seiner Lebenspartnerin Nicole Uhrich eine eineinhalbjährige Tochter hat. Er möchte nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit machen: „Jamie braucht ihren Papa, sie ist zu klein, um ständig auf ihn verzichten zu müssen.“ So, wie manchmal sein 20-jähriger Sohn Marco, der den Papa oft nicht zu sehen bekam, weil der in Terminverpflichtungen aufging. Wenn er reale Ambitionen aufs Landratsamt habe, zeige er diese auch in aller Deutlichkeit, sagt Helfmann: „Das bedeutet für mich, beispielsweise in sechs Jahren alles auf eine Karte zu setzen. Denn im Falle einer Bewerbung fürs Amt im Kreis kandidiere ich freilich nicht mehr für Eppertshausen.“ Doch derzeit umtreiben ihn solche Ambitionen nicht, er ist mit sich und seiner Umwelt im Reinen. So entspannt, dass er gar am Wahltag ein Mittagsschläfchen einschob und mit seiner Familie einen Waldspaziergang unternahm, bevor er ins Rathaus zur Auszählung kam.

Hier waren die Redner dann auch voll des Lobes über den alten und neuen Wahlsieger. Landrat Klaus Peter Schellhaas hob den beispielhaften Fleiß des Amtsinhabers hervor: „Kommt man nach Eppertshausen, sieht hier alles so leicht aus. Doch da steckt sehr viel Arbeit dahinter.“ Respekt und Hochachtung zolle er auch Helfmanns Blick fürs Wesentliche sowie für die Schwachen: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte der Genosse zum Unionsmann, der im Kreis auf der Oppositionsbank sitzt. Vermisste Schellhaas keinen Gegenkandidaten, weil er das „auch als Zeichen des Respekts“ anerkannte, so sah dies Hessens CDU-Generalsekretär Manfred Pentz aus Groß-Zimmern anders. Für sein Verständnis von Demokratie gehöre es schon dazu, einen Gegenkandidaten zu stellen.

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Geplänkel; wichtiger war, dass sich zwei neue Bürgermeister erneut näher kamen. Gratulierte Helfmann bereits vor wenigen Wochen in Münster dem Sozialdemokraten Gerald Frank zu seiner Wahl als Nachfolger von Walter Blank (CDU), so kam der nun, Glückwünsche auszusprechen. Beide versicherten sich, die gedeihliche interkommunale Zusammenarbeit fortführen zu wollen.

Quelle: op-online.de

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